Michal Smoira-Cohn

Michal Smoira-Cohn (hebräisch מיכל זמורה-כהן, auch Zmora-Cohen, Zamora-Cohen oder Zemorah; geboren am 13. Februar 1926 in Tel Aviv; gestorben am 19. Januar 2015 ebenda) war eine israelische Musikwissenschaftlerin, Hörfunkredakteurin, Musikdirektorin und Hochschullehrerin.

Leben

Michal Smoira-Cohn wuchs in Tel Aviv auf. Ihre Eltern hatten 1914 geheiratet und waren 1922 aus Königsberg ins damals britische Mandatsgebiet Palästina eingewandert. Der Vater Moshe Smoira (1888–1961), Jurist aus Königsberg, wurde 1948 Präsident des Obersten Gerichtshofs Israel,[1] die Mutter Emma (Esther) Hurwitz/Horowitz (1889–1951) stammte aus Russland und war von 1928 bis 1941 Vorsitzende der hebräischen Frauenorganisation Histadrut Nashim Ivriot, später der Women’s International Zionist Organisation (WIZO) in Israel.[2]

Michal Smoira-Cohn absolvierte 1942 die Hebrew University High School in Jerusalem.[1] Anschließend studierte sie Klavier bei Josef Tal und schloss 1947 ihr Musikstudium in den Fächern Klavier und Musikgeschichte an der Palestine Academy of Music in Jerusalem ab.[3] Dort lehrte sie ab 1948 die Fächer Klavier und Musiktheorie, bevor sie 1953 Redakteurin des Musikmagazins Bat-Kol wurde und zudem von 1954 bis 1956 beim Haifa Orchestra als Musikdirektorin wirkte.[1]

1956 ging sie nach Schweden und setzte dort bis 1958 ihre Studien am Musikinstitut der Universität Uppsala fort.[4]

Zurück in Israel, nahm sie ihre Tätigkeit bei der inzwischen zweimonatlich vom Komponistenverband herausgegebenen Zeitschrift Bat-Kol wieder auf (1959–1962), wirkte außerdem als Studienleiterin an der Thelma Yellin High School for the Arts (1959–1965) und als Dozentin in den Fächern Geschichte und Theorie der Musik sowie als pädagogische Koordinatorin u. a. an der Tel Aviv Music Academy, damals Samuel Rubin Academy of Music (1959–1966). Auch nach deren Eingliederung in die Universität Tel Aviv lehrte sie am dortigen Musikwissenschaftlichen Institut bis 1967 weiter. Darüber hinaus arbeitete sie als Musikkritikerin für die Tageszeitung Ha’aretz (1963–1967). Zuletzt lehrte sie von 1970 bis 1995 das Fach Musikphilosophie an der Rubin Academy of Music Jerusalem, die sie von 1979 bis 1985 auch leitete.[1]

Smoira-Cohn war zudem für den Hörfunk tätig. Im Sender Kol Israel leitete sie von 1968 bis 1991 die Musikabteilung.[5] Zu ihren wichtigsten Sendereihen zählten Music has many faces (1974), Music has many answers (15 Folgen, 1975), Thoughts about music (18 Folgen, 1976), A Musical Dictionary: Definitions of terms and concepts ‘in a word’ (mehr als 300 Fünf-Minuten-Texte, 1985/1986) und Gespräche mit ihrer Kollegin Rica Bar-Sela zum Thema The Status of Music in Culture. Mit ihren Sendeformaten erreichte sie ein großes Publikum und galt als einflussreiche Klassik-Expertin.[1]

Zu ihren wichtigsten Publikationen als Buchautorin gehören Ha-Musikah, Mavo Histori (1966), Folk Song in Israel (1963), On Eastern and Western Foundations in the Music of Israel (1968), On Meanings in Music (1982), ihre Autobiographie Personal Repertory (1997) und Message and Mission (2005), eine Studie über zeitgenössische Musik.[3]

Smoira-Cohn setzte sich zeitlebens für Frauenrechte ein und war wie ihre Mutter u. a. in der WIZO aktiv.[5] Im Rahmen ihres Engagements für Menschenrechte, Demokratie und Gerechtigkeit gründete sie 1982 gemeinsam mit der Holocaust-Überlebenden Lotte Salzberger die Initiative Sovlanut (Toleranz).[6] 1993 bis 1996 saß sie als zeitweiliges Mitglied der liberal-säkularen Shinui-Partei im Stadtrat von Jerusalem.[1] Für Sovlanut erhielt sie 2004 den Teddy-Kollek-Preis.[6]

Persönliches

Michal Smoira-Cohn war viermal verheiratet, mit dem Geiger Eli Cohen (1947–1949), mit dem Geiger Gideon Roehr (1950–1957),[1] mit dem Ausstellungsmacher Yitzhak Roll (1958–1963) und ab 1966 mit dem Juristen Haim Cohn, der 2002 starb. Aus der zweiten Ehe entstammt die Tochter Tamar (* 1951), aus der dritten der Sohn Gadi (* 1959).[6]

Literatur

  • Yinam Leef: Michal Smoira-Cohn (1926–2015). In: Min-Ad. Israel studies in musicology online. Band 12, 2014, ISSN 1565-0618.
Commons: Michal Zmora-Cohen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Alice Shalvi: Michal Smoira-Cohn. In: Shalvi/Human Encyclopedia of Jewish Women. 27. Februar 2009, abgerufen am 4. November 2025 (englisch).
  2. Michal Smoira-Cohn: Histadrut Nashim Ivriot (Hebrew Women's Organization). In: Shalvi/Human Encyclopedia of Jewish Women. 27. Februar 2009, abgerufen am 4. November 2025 (englisch).
  3. a b Uri (Erich) Toeplitz, Yohanan Boehm, Naama Ramot: Smoira-Cohn, Michal. In: Encyclopaedia Judaica. 2007, abgerufen am 4. November 2025 (englisch).
  4. Michal Smoira-Cohn. In: Jewish Music Research Centre. Abgerufen am 4. November 2025 (englisch).
  5. a b Dr. Michal Smoira-Cohn. In: The Jerusalem Academy of Music and Dance. Abgerufen am 4. November 2025 (englisch).
  6. a b c Greer Fay Cashman: Sabra musicologist and political activist, Michal Zmora-Cohen dies. In: The Jerusalem Post. 21. Januar 2015, abgerufen am 4. November 2025 (englisch).