Michail Juljewitsch Goldstein
Michail Juljewitsch Goldstein (russisch Михаи́л Юльевич Гольдштейн; * 4. Dezember 1853 in Odessa; † 23. Oktober 1905 in Archangelsk) war ein russischer Wissenschafts-Pionier im 19. Jahrhundert, dessen Beiträge sich in theoretischer und physikalischer Chemie insbesondere zur Kristallographie und Stereochemie befassten und bis heute von historischer und wissenschaftlicher Bedeutung sind. Sein Nachlass spiegelt die Fortschritte in der frühen Chemie wider.
Michail ist der jüngere Bruder des Pianisten und Komponisten Eduard Goldstein. Nach seinem Schulabschluss am Richelieu-Gymnasium in Odessa setzte er seine Ausbildung an der physikalisch-mathematischen Fakultät der Universität St. Petersburg fort. Er promovierte 1878 mit einer Arbeit über Kristallographie und erhielt daraufhin eine Adjunktur an der provisorischen Spezialistenklasse der Universität. Goldstein war bis zu seinem Tod 1905 an der Mediko-Chirurgischen Akademie der Universität St. Petersburg tätig, wo er Studenten unterrichtete und sich der Forschung gewidmete.
Leben und Werk
Goldsteins schulische Ausbildung erhielt er am Richelieu-Gymnasium in Odessa. Als Kind einer besser gestellten, jüdischen Familie sah er in seiner Heimatstadt schon als Kind die ungleichen Lebensbedingungen, die seine Vorliebe für soziale Aktivitäten mitbestimmen sollten. Sein Interesse an Wissenschaft und Pädagogik bildeten sich in den 1870er und 1880er Jahren aus und er erwarb sich schnell Zugang zu wissenschaftlichen Kreisen, was ihm den Zugang zur Position eines Privatdozenten an der Universität St. Petersburg ermöglichte. Zunächst ging er 1877 ins Ausland, um den Doktorgrad in Philosophie zu erwerben. Diese Fähigkeiten, die nicht nur profunde Kenntnisse, sondern auch die Bereitschaft zur Lehre erforderte, halfen ihm bei seiner Karriere. Erst später studierte er an der Mediko-Chirurgischen Akademie in St. Petersburg, wo er 1880 seinen Abschluss als Magister der Chemie (Магистр химии) machte. Sein Doktorarbeitsthema war die Untersuchung des Auf-Wiegens von Salzlösungen in Kapillarrohren. Diese Untersuchungen dienten dem Verständnis zu Kapillarkräften von Salzlösungen, Lösungskonzentration und Grenzflächenphänomenen. Anschließend arbeitete er als Assistent in der Chemie an der Mediko-Chirurgischen Akademie in St. Petersburg.
1881 wurde er Privatdozent in theoretischer und physikalischer Chemie an der Universität St. Petersburg. Goldstein war darüber hinaus als Schriftsteller und Übersetzer tätig. Er verfasste philosophisch-wissenschaftliche Werke, unter anderem unter dem Pseudonym „Cardanus“, und war Mitarbeiter und Redakteur bei verschiedenen wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Zeitschriften und in der russischen „Großen Enzyklopädie“ (Большая энциклопедия), die zwischen 1900 und 1909 herausgegeben wurde, sowie dem Brockhaus-Efron.
1901 musste Goldstein seine Vorlesungen einstellen, was auf „politische Umstände“ zurückgeführt wird. Die genauen Gründe sind in den Quellen nicht klar; vermutlich gehörten seine jüdische Herkunft und/oder seine politischen und/oder philosophischen Aktivitäten zu den Ursachen. Sein frühes Lebensende 1905 wurde durch eine antisemitische Pogrommeute verursacht, der er zum Opfer fiel. Er wurde auf dem Leningrader Literatenfriedhof beigesetzt. Er hat eine große, chemische Bibliothek zusammengestellt, die nach seinem Tod in die Bibliothek der Bestuschew-Kurse überführt wurde.[1]
Einfluss und Bedeutung
Goldstein gehörte zur wissenschaftlichen Gemeinschaft im Russischen Reich, die physikalisch-chemische Methoden entwickelte. Er trug durch seine Lehrtätigkeit dazu bei, theoretische und physikalische Chemie in St. Petersburg zu verbreiten. Seine Veröffentlichungen zeigen seinen Wunsch, nicht zur zu forschen, sondern Wissen weiterzugeben. Seine Veröffentlichungen in verschiedenen Sprachen und Zeitschriften deuten auf internationale Vernetzung hin.
Wissenschaftliche Veröffentlichungen
in mehreren wissenschaftlichen Zeitschriften, darunter:
- «Материалы к вопросу о высотах» („Materialien zur Frage der Höhen“) – Doktorarbeit über den Anstieg von Salzlösungen in Kapillarrohren.
- «Элементы философии химии» („Elemente der Chemie-Philosophie“) – erschienen in «Научное обозрение» („Wissenschaftliche Rundschau“), 1898–1899.
- «Живое и мёртвое» („Lebendig und Tot“).
- «Berichte der Deutschen Chemischen Gesellschaft»
- «Annales de Chimie et Physique»
- «О физическом и духовном воспитании» („Über physische und geistige Erziehung“).
- Различные статьи (в том числе под псевдонимом «Карданус») („Verschiedene Artikel, teils unter dem Pseudonym ‚Cardanus‘“), u. a. in «Новости».
Quellen
- Denis Katsewitsch: Михаил Гольдштейн, Биография. peoples.ru, 19. Juli 2017.
- Herman Rosenthal, Jacob Goodale Lipman: „Goldstein, Michael Yulyevich“, in: Jewish Encyclopedia.
Einzelnachweise
- ↑ Goldstein Michail Julewitsch in: Биографика (Biografika), Staatliche Universität Sankt Petersburg, 2012.