Michael Grunst

Michael Grunst (* 13. März 1970 in Plauen, DDR) ist ein deutscher Kommunalpolitiker (bis 2025 Die Linke, seitdem SPD). Von 2016 bis 2023 war er Bezirksbürgermeister von Berlin-Lichtenberg.

Seit März 2024 ist Grunst zudem Präsident des SV Lichtenberg 47.[1]

Ausbildung und Beruf

Michael Grunst absolvierte zunächst eine Ausbildung als Wirtschaftskaufmann der Industrie, die er 1988 abschloss.[2] Im August 1988 wurde er zur Offiziershochschule der Grenztruppen einberufen. Neben der Anrechnung als Grundwehrdienst sollte die Ausbildung der Erlangung der Hochschulreife dienen. Grunst verließ die Offiziershochschule im April 1990.[3]

Von Mai 1990 bis 1992 arbeitete Grunst im Druckhaus Friedrichshain und absolvierte anschließend einen Kurs zum mathematisch-technischen Assistenten. 1995 begann er ein duales Studium an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege, das er als Diplomverwaltungswirt (FH) abschloss.[3]

Anschließend bekleidete Grunst verschiedene Positionen in der Berliner Verwaltung und wurde 2003 persönlicher Referent von Heidi Knake-Werner (PDS, später Die Linke) bei der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz. Nach seinem Aufstieg in den höheren Verwaltungsdienst wurde Grunst Ende 2012 Leiter des Ordnungsamtes im Bezirk Treptow-Köpenick. Im Januar 2015 wählte ihn dort die Bezirksverordnetenversammlung zum Stadtrat für Jugend und öffentliche Ordnung. Vom 16. Dezember 2016 bis zum 21. April 2023 war Grunst Bezirksbürgermeister von Lichtenberg.[4][5]

Im September 2025 wurde Grunst vom Kreistag des Landkreises Teltow-Fläming zum Ersten Beigeordneten gewählt, dem Stellvertreter der Landrätin Kornelia Wehlan (Linke). Er tritt sein Amt am 1. Februar 2026 für die Dauer von acht Jahren an.[6][7]

Politik

Grunst trat 1996 der PDS bei und wurde nach dem Zusammenschluss mit der WASG Mitglied der Partei Die Linke.[8]

Er positionierte sich wiederholt für ein klares Verhältnis zur politischen Unterdrückung in der DDR. So kündigte er im Jahr 2006 an, Gedenktafeln unterstützen zu wollen, auf denen die von Hubertus Knabe geforderte Formulierung „vierzigjährige kommunistische Diktatur in Ostdeutschland“ zu finden ist.[9]

Grunst nahm 2017 Stellung gegenüber antiisraelischen Stimmungen in der Partei Die Linke. In mehreren Briefen an Oskar Lafontaine und Gregor Gysi äußerte Grunst seine „große Besorgnis“ über „antiisraelische Stellungnahmen“ aus den Reihen der Partei.[10]

Im Januar 2025 verließ Grunst Die Linke und trat der SPD bei.[11] Mit dem ebenso übergetretenen Sebastian Schlüsselburg warf er der Linken vor, komplexe Themen zu vereinfachen. Von der SPD erhofften sich beide, die „Führungspartei des progressiven Lagers [zu] werden.“[12]

Einzelnachweise

  1. Lichtenberg 47 hat gewählt. In: www.lichtenberg47.de. Abgerufen am 7. April 2024.
  2. Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke). 27. Februar 2017, abgerufen am 14. Mai 2017.
  3. a b Bezirksbürgermeister Michael Grunst (DIE LINKE). www.berlin.de, abgerufen am 14. Mai 2018.
  4. Lichtenberger Linke schickt Michael Grunst ins Rennen. www.rbb-online.de, 18. November 2016, abgerufen am 8. Januar 2017.
  5. Neues Bezirksamt Lichtenberg ernannt. In: Pressemitteilung des Bezirksamts Lichtenberg. 21. April 2023, abgerufen am 22. April 2023.
  6. Ekkehard Freytag: Teltow-Fläming: Vize-Landrat gewählt, Schulspeisung vertagt, Maritta Böttcher verabschiedet - das waren die Themen im Kreistag. In: Märkische Allgemeine. 22. September 2025, abgerufen am 23. September 2025.
  7. TOP 6 bis 9: Beigeordnetenwahlen. Kreistag stellt personelle Weichen in der Verwaltungsleitung neu. In: dielinke-teltow-flaeming.de. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
  8. Leonard Laurig: Ex-Bezirksbürgermeister erklärt Wechsel von der Linken zur SPD. In: Berliner Morgenpost. 21. Januar 2025, abgerufen am 30. September 2025.
  9. Ingo Rössling: Neue Provokation der Stasi. Abgerufen am 14. Mai 2017.
  10. Jüdische Nachrichten: Hamas im Bundestag. Abgerufen am 14. Mai 2017.
  11. Prominente Neuzugänge: SPD-Chefs begrüßen Überläufer aus der Linkspartei. In: zeit.de. 15. Januar 2025, abgerufen am 15. Januar 2025.
  12. Anna Thewalt, Alexander Fröhlich: Abrechnung und Plan zugleich: Ex-Linke weisen Berliner SPD den Weg zum Wahlerfolg. In: Tagesspiegel. 10. Juni 2025, abgerufen am 23. September 2025.