Mia Morgan

Mia Morgan bei Bochum Total 2025
Chart­plat­zie­rungen
Erklärung der Daten
Alben[1]
Fleisch
 DE6206.05.2022(1 Wo.)

Mia Morgan (* 30. März 1994 in Kassel, bürgerlich: Lisa-Marie Grosse[2]) ist eine deutsche Rock- und Indie-Pop-Singer-Songwriterin.

Leben und Karriere

Morgan wuchs in Kassel auf. Bereits mit zwölf Jahren spielte sie in ihrer ersten Band.[3] Aufgrund von Depressionen und Anorexie brach sie als Jugendliche die Schule ab und suchte sich stattdessen einen Nebenjob. Morgan nutzte verschiedene Kunstformen, um sich mit ihrer Krankheit auseinanderzusetzen. Sie schrieb Prosatexte, Gedichte, Fan-Fiction[3] und Songtexte sowie Blogeinträge über mentale Gesundheit und begann zu singen.

Trotz fehlenden Schulabschlusses bekam sie einen Platz an der Kunsthochschule Kassel und begann dort, visuelle Kommunikation mit dem Schwerpunkt Fotografie zu studieren.[4]

2019 veröffentlichte sie ihren ersten Song Waveboy. Mehrere bekannte Künstler, wie Kraftklub und Drangsal, spielten den Song daraufhin in ihren Podcasts und unterstützten sie von Anfang an. Beim Zurück-nach-Hause-Festival trat Mia Morgan als Support Act von Casper auf. In dieser Zeit lernte Mia Morgan auch Max Rieger, den Sänger der Band Die Nerven, kennen. Gemeinsam mit ihm produzierte sie ihre erste EP Gruftpop, die 2019 erschien.[5]

Ihr Debütalbum Fleisch erschien 2022, drei Jahre nach ihrer ersten Veröffentlichung. In den deutschen Albumcharts belegte das Album eine Woche lang Platz 62.[6]

Im März 2025 erscheint ihr zweites Album Silber, mit dem sie eine neue Richtung einschlägt und Pop-, Rock-, und Nu-Metal Elemente miteinander vereint.[7]

Inzwischen lebt die Künstlerin in Berlin und hat ihr Studium zu Gunsten der Musik pausiert.[8][9]

Beim Internationalen Literaturfestival Berlin 2022 gaben Mia Morgan und Drangsal, mit dem sie inzwischen eine Freundschaft verbindet, im gemeinsamen Gespräch Einblicke in ihre Songtexte.[10]

Auf dem im September 2022 erschienen Kraftklub-Album Kargo wirkte Morgan bei dem Song „Kein Gott, kein Staat, nur Du“ als Gastmusikerin mit. Bei der darauffolgenden Tour war sie bei insgesamt sechs Konzerten Support Act.[11]

2023 erschien mit der Kurzgeschichte Die Jungsfabrik Mia Morgans Autorinnendebüt im Buch für Text und Musik von Das Wetter.[12]

Rezeption

Laut Tagesspiegel ist Fleisch ein feministisches Pop-Manifest. Mia Morgan erzählt in ihren Songs von ihren eigenen Erfahrungen und denen ihrer Freundinnen. Mit dem Album feiert sie ihre Selbstermächtigung. In vielen ihrer Songs zeigen sich feministische Themen. So singt sie im Song SegenGott ist eine Frau und sie ist viele“ oder stellt mit den Textzeilen „Könnt ich Jugend konservieren / Und mir spritzen / Würd ich vierundzwanzig sieben / An der Nadel sitzen“ in Schönere Frauen stereotype Schönheitsideale in Frage.[13]

Der Musikexpress beschreibt Mia Morgan als „Hyperartifiziell“ und ihre Musik als „Blümchen-Schlager für Leute mit Fetischparty-Erfahrung“.[14]

Der Rolling Stone schreibt über Fleisch: „So werden auf Fleisch verschiedene Frauenbilder in der Wechselwirkung mit Männern oder anderen Frauen durchgespielt. Dabei sind fast alle beschriebenen Beziehungen toxisch: Das lyrische Ich ist extrem eifersüchtig, lässt sich erniedrigen, fühlt sich hässlich, als Außenseiterin, als Versagerin, ist oberflächlich, verachtet ihre beste Freundin und den Mann, in den sie verliebt ist. Der Refrain des Songs Schönere Frauen bringt dieses sadomasochistische Verhalten gut auf den Punkt: „Du sagst, du liebst mich, doch ich glaube dir nicht/ Es gibt so viele schönere Frauen als mich/ Du glaubst, ich lieb dich, doch ich liebe nur mich/ Es gibt so viele schönere Männer als dich.“ Der stärkste Moment ist der Song Segen, der sich mit dem kollektiven Trauma von Frauen auseinandersetzt und sich über die ständige Bewertung von außen erhebt, ein Empowerment.“[9]

Über Silber kann man in Visions lesen: „Trotz stilistischer Entwicklung bleibt die Handschrift erkennbar: unkonventionelle Satzstrukturen, Texte, die nachhallen und eine Indierock-Ästhetik, in der verträumte Momente wie in “Trostpreis/Schwert” mit Hyperpop kontrastieren, ohne in offenen Widerspruch zu treten. Sakrale Anspielungen von Auferstehung bis Teufelspakt verleihen dem Album Tiefe und zeichnen das Porträt einer jungen Frau zwischen Romanzen, Psyche und Karriere. Silber ist eine Fusion aus Kitsch, verzerrten Gitarren und Bubblegum-Gesang à la Avril Lavigne. Mia Morgan macht Musik für bisexuelle Misfits und jene, die es noch werden wollen.“[15]

Diskografie

Alben

  • 2019: Gruftpop (EP)
  • 2022: Fleisch
  • 2025: Silber

Singles

  • 2019: Waveboy
  • 2019: Es geht Dir gut
  • 2021: Teenager
  • 2022: Segen
  • 2022: Jennifer Check
  • 2022: Schönere Frauen
  • 2022: Kein Gott, kein Staat, nur Du (mit Kraftklub)
  • 2023: Internetfreundin (mit Salò)
  • 2023: Wiedergänger
  • 2023: Mitten in den Massen
  • 2023: Virtuell (mit Van Holzen)
  • 2024: Erste große Freiheit (mit MODULAR)
  • 2024: Gift
  • 2024: IMPOSTER/POPSTAR (mit MOA)
  • 2024: Niemand
  • 2024: Echo
  • 2024: 1000 kleine Tode
  • 2025: Silbertablett
  • 2025: Teil der Maschine
  • 2025: (spielen mit den großen) Jungs
  • 2025: Flügel voller Teer
  • 2025: immerx3
Commons: Mia Morgan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Mia Morgan in den deutschen Charts
  2. Das Wetter – Buch für Text und Musik, Seite 48.
  3. a b Mia Morgan - Fan-Fiction aus Kassel. Abgerufen am 6. November 2023.
  4. Karla Kallenbach: Kasseler Sängerin Mia Morgan: Von der "außerirdischen Lebensform" zum Gesamtkunstwerk. In: hessenschau.de. 30. April 2022, archiviert vom Original am 30. April 2022; abgerufen am 2. November 2022.
  5. Mia Morgan – laut.de – Band. Abgerufen am 2. November 2022.
  6. Offizielle Deutsche Charts - Offizielle Deutsche Charts. Abgerufen am 8. Dezember 2022.
  7. Vanessa Gros: Warum Mia Morgan eine der derzeit spannendsten deutschen Indie-Musikerinnen ist. 3. April 2025, abgerufen am 2. Oktober 2025 (deutsch).
  8. hessenschau de, Frankfurt Germany: Kasseler Sängerin Mia Morgan: Von der „außerirdischen Lebensform“ zum Gesamtkunstwerk. 30. April 2022, abgerufen am 2. November 2022.
  9. a b NAOMI WEBSTER-GRUNDL: Clown unter Hipstern. In: Rolling Stone, Mai 2022. Band 331. Axel Springer Mediahouse Berlin GmbH, Mai 2022, S. 10 (yumpu.com).
  10. Drangsal & Mia Morgan: The Art of Songwriting. Abgerufen am 2. November 2022 (deutsch).
  11. Anne Kasten: KRAFTKLUB - KARGO - Tour 2022. 4. November 2022, abgerufen am 8. Dezember 2022.
  12. Joachim Hentschel: Katharina Holzmann und Sascha Ehlerts Buch „Das Wetter“. 3. Oktober 2023, abgerufen am 6. November 2023.
  13. Porträt des Popstars Mia Morgan: „Die Musikindustrie hat sich durch TikTok verändert“. In: Der Tagesspiegel Online. 30. April 2022, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 2. November 2022]).
  14. Mia Morgan: Fleisch. Abgerufen am 2. November 2022.
  15. Bea Gottwald: Mia Morgan: Silber (Review). In: VISIONS.de. Abgerufen am 2. Oktober 2025.