Brachypelma smithi
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Brachypelma smithi, adultes Weibchen | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Brachypelma smithi | ||||||||||||
| (F. O. Pickard-Cambridge, 1897) |
Brachypelma smithi (Syn.: Brachypelma annitha) ist eine mexikanische Vogelspinnenart aus der Gattung Brachypelma.[1] In der Terraristik wird sie (teils zusammen mit Brachypelma hamorii) als „Mexikanische Rotknie-Vogelspinne“ bezeichnet; viele ältere Angaben zu „B. smithi“ beziehen sich tatsächlich auf B. hamorii oder unterscheiden beide Arten nicht zuverlässig.[2]
Verbreitung und Lebensraum
Nach aktueller Abgrenzung ist Brachypelma smithi von der Pazifikküste Mexikos bekannt und kommt vor allem im Bundesstaat Guerrero vor.[2] Als Lebensraum werden trockene, saisonal laubwerfende Wälder und Trockenbusch-/Trockenwald-Formationen beschrieben.[2][3] Die Tiere legen Wohnröhren an bzw. nutzen und erweitern Spalten und Hohlräume unter größeren Steinen oder Wurzeln; Röhren können verzweigt sein.[2][3] Die heutige Verbreitungsabgrenzung deutet darauf hin, dass das Becken des Río Balsas als geographische Barriere zwischen B. smithi (südlich) und B. hamorii (nördlich) wirken kann.[2]
Aussehen
Brachypelma smithi ist eine große, bodenbewohnende Vogelspinne mit deutlich abgesetzter rot-orangefarbener Zeichnung an Teilen der Beine.[2] Weibchen können am Carapax eine variabel ausgeprägte sternförmige Zeichnung („Sternburst“) aufweisen.[2] Auf dem Hinterleib besitzt die Art Brennhaare (urtizierende Haare).[2]
Verwechslung mit Brachypelma hamorii
Die Art wurde über lange Zeit mit der sehr ähnlichen Brachypelma hamorii verwechselt; ältere Literatur und Haltungsangaben zu „B. smithi“ können daher B. hamorii betreffen.[2] Diagnostische Unterschiede werden anhand feiner morphologischer Merkmale (u. a. an den Geschlechtsorganen) beschrieben und durch DNA-Barcodes ergänzt.[2] Brachypelma annitha wurde 1997 beschrieben, wird heute aber als zu B. smithi gehörig (Synonym) aufgefasst.[1][2]
Verhalten
Bei Bedrohung kann die Spinne Brennhaare abstreifen und dem Angreifer entgegenschleudern; außerdem sind Drohhaltung und Bisse als Abwehrreaktionen beschrieben.[2] Die Art lebt bodennah und nutzt Wohnröhren als Rückzugsort und Ausgangspunkt für die Beutejagd.[2] Allgemeine Angaben zur Röhrenstruktur und Lebensweise in der Natur finden sich auch in älteren Quellen, die B. smithi und B. hamorii noch nicht getrennt behandelten.[3][4]
Fortpflanzung
Für die Rotknie-Arten werden Paarungszeiten am Ende der Regenzeit bzw. zu Beginn der Trockenzeit beschrieben; Eikokons werden in der Trockenzeit angelegt, und Jungtiere treten häufig vor Beginn der frühen Sommerregen auf.[2]
Wissenschaftliche Beschreibung
Die Erstbeschreibung erfolgte 1897 durch F. O. Pickard-Cambridge als Eurypelma smithi.[5] Den heutigen Gattungsnamen Brachypelma erhielt die Art 1903 durch Reginald Innes Pocock.[1] Fehlinterpretationen zum Typusmaterial sowie spätere Fehlzuordnungen trugen zur langjährigen Verwechslung von B. smithi und B. hamorii bei.[2]
Gefährdung und Schutz
Brachypelma smithi zählt zu den im Heimtierhandel besonders nachgefragten Vogelspinnen; Fehlbestimmungen erschweren dabei Vollzug und Schutzmaßnahmen.[2] Für Guerrero werden als Bedrohungen unter anderem Lebensraumverlust und menschliche Aktivitäten im Zuge der Urbanisierung (u. a. Entwaldung, Bautätigkeit sowie Bekämpfungsmaßnahmen wie „fumigación“) genannt.[6]
Brachypelma smithi wurde (damals noch ohne Trennung von B. hamorii) in CITES Anhang II aufgenommen; seit 1994 sind alle Brachypelma-Arten dort gelistet.[7] Zusätzliche Dokumente zur CITES-Listung sind über Species+ abrufbar.[8] Die Art wird außerdem in der IUCN-Roten Liste geführt.[9]
Literatur
- Pickard-Cambridge, F. O.: Arachnida – Araneida and Opiliones, vol. 2. In: Biologia Centrali-Americana. London 1897–1905. (Erstbeschreibung)
- Klaas, P.: Vogelspinnen: Herkunft, Pflege, Arten. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-8001-3696-1.
- Striffler, B.; Graminske, A.: Brachypelma – die bunten Vogelspinnen Mexikos. In: DRACO. 4(16), 2003, S. 52–61.
- Striffler, B.: Die Rotknievogelspinne. Natur und Tier-Verlag, Münster 2004, ISBN 3-937285-10-5.
- West, R. C.: Die Brachypelma-Arten aus Mexiko. In: ARACHNE. 11(1), 2006, S. 4–17.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c Taxon details Brachypelma smithi (F. O. Pickard-Cambridge, 1897). In: World Spider Catalog. Natural History Museum Bern, abgerufen am 13. Januar 2026 (englisch).
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n o p Mendoza, J.; Francke, O.: Systematic revision of Brachypelma red-kneed tarantulas (Araneae: Theraphosidae), and the use of DNA barcodes to assist in the identification and conservation of CITES-listed species. In: Invertebrate Systematics 31(2), 2017, S. 157–179. DOI: 10.1071/IS16023.
- ↑ a b c Locht, A.; Yáñez, M.; Vázquez, I.: Distribution and natural history of Mexican species of Brachypelma and Brachypelmides (Theraphosidae, Theraphosinae) with morphological evidence for their synonymy. In: The Journal of Arachnology 27, 1999, S. 196–200.
- ↑ Brachypelma smithi. In: Animal Diversity Web. Abgerufen am 13. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Pickard-Cambridge, F. O.: Arachnida – Araneida and Opiliones, vol. 2. In: Biologia Centrali-Americana. London 1897, Beitrag: Eurypelma smithi, S. 20.
- ↑ Ruiz-Ortega, M.; García y González, E. C.; Ponce-Covarrubias, J. L.: La tarántula mexicana rodillas rojas (Brachypelma smithi): percepción social y amenazas asociadas a la urbanización en Guerrero, México. In: Revista Colombiana de Ciencia Animal – RECIA 14(1), 2022, e909. DOI: 10.24188/recia.v14.n1.2022.909.
- ↑ Appendices. In: CITES. Abgerufen am 13. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Brachypelma smithi (F. O. Pickard-Cambridge, 1897): Documents. In: Species+. UNEP-WCMC & CITES Secretariat, abgerufen am 13. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Fukushima, C.; Mendoza, J.; West, R.; Longhorn, S.; Rivera Téllez, E.; Cooper, E. W. T.; Henriques, S.; Cardoso, P.: Brachypelma smithi. In: The IUCN Red List of Threatened Species. 2019. DOI: 10.2305/IUCN.UK.2019-2.RLTS.T8152A148728332.en.