Mesorhabditis acidophila

Mesorhabditis acidophila
Systematik
Stamm: Fadenwürmer (Nematoda)
Klasse: Chromadorea
Ordnung: Rhabditida
Familie: Rhabditidae
Gattung: Mesorhabditis
Art: Mesorhabditis acidophila
Wissenschaftlicher Name
Mesorhabditis acidophila
Borgonie, Dierick, Houthoofd, Willems, Jacobs & Bert, 2010

Mesorhabditis acidophila ist eine Fadenwurm-Art, die 2010 in der mexikanischen Höhle Cueva de Villa Luz erstbeschrieben wurde. Dieser Wurm kann in besonders sauren Bedingungen überleben, weshalb die Art das Artepithetonacidophila“ (dt. „säureliebend“) erhielt. Als ein Hauptgrund dieser Anpassung wird angenommen, dass der Fadenwurm dadurch Fressfeinden ausweichen kann.

Merkmale

Weibchen und Männchen dieser Fadenwurmart unterscheiden sich in geringem Maß in ihrer Erscheinung. Die nachfolgenden Messwerte beziehen sich auf tote, in einem Formaldehyd-Wasser-Gemisch eingelegte Tiere.

Weibliche Tiere haben eine Länge von 0,64 bis 0,68 mm, wovon der Hals ungefähr ein Viertel der Körperlänge einnimmt und der Schwanz 50 bis 61 μm lang ist. Die Mundöffnung ist von sechs unterscheidbaren Lippen umgeben. Das Weibchen hat einen röhrenförmigen Eierstock und im Geschlechtsorgan sind höchstens zwei sich entwickelnde Eier.

Männliche Individuen ähneln den Weibchen, sie sind jedoch etwas kleiner und ihr Schwanz ist mit einer Länge 22 bis 24 μm wesentlich kürzer.[1]

Abgrenzung

Von anderen Arten der Gattung Mesorhabditis lässt sich die Art anhand verschiedener Merkmale abgrenzen. Hierzu gehören unter anderem ein präanales Phasmid, mit dem der Fadenwurm chemosensorisch Reize aus der Umwelt wahrnimmt. Außerdem haben Weibchen einen verhältnismäßig langen Schwanz.[1]

Lebensraum und Lebensweise

Die Art wurde in der Cueva de Villa Luz im mexikanischen Bundesstaat Tabasco entdeckt. Die Höhle wird durch viele Quellen gespeist, von denen einige auch eine recht hohe Konzentration an Schwefelwasserstoff enthalten, welches ein säurebildendes Gas ist und den pH-Wert des Wassers stark erniedrigt. Durch eine oxidative chemische Reaktion entsteht an den Höhlenwänden bzw. -decken relativ hoch konzentrierte Schwefelsäure.

An den Höhlenwänden befinden sich Snottiten, schleimige Biofilme, die stalaktitartig von der Decke hängen. Das Wasser, das an den Snottiten heruntertropft, ist mit einem pH-Wert zwischen 0 und 3 sauer. In dieser stark sauren Umgebung kann Mesorhabditis acidophila gefunden werden.

Mesorhabditis acidophila entwickelte vermutlich die Angepasstheit, tolerant für diese extremen Bedingungen zu sein, um Fressfeinde abzuwehren. Außerhalb der Snottiten leben viele Milben, welche die Würmer erbeuten. In den sauren Bereich der Snottiten können die Milben nicht vordringen, sodass die Fadenwürmer hier verbesserte Überlebenschancen haben. Im Zentrum, wo der pH-Wert besonders niedrig ist und niemals Milben entdeckt wurden, gingen junge Individuen von Mesorhabditis acidophila in ein Dauerstadium über.

Die Snottiten bieten außer Schutz zudem auch die Nahrungsgrundlage. Die Fadenwürmer ernähren sich von Bakterien aus dem Biofilm. Untersuchungen zeigten, dass sie hinsichtlich ihrer Nahrung stenophag sind und unter Laborbedingungen auf anderen Bakterienkulturen als auf denen der Snottiten verhungerten.[1]

Systematik

Zu den nächsten Verwandten von Mesorhabditis acidophila zählen die Arten Mesorhabditis longespiculosa und Mesorhabditis ansisomorpha.[1]

Einzelnachweise

  1. a b c d Gaëtan Borgonie et al.: Refuge From Predation, the Benefit of Living in an Extreme Acidic Environment? In: The Biological Bulletin. Band 219, Nr. 3, 2010, S. 268–276, doi:10.1086/BBLv219n3p268.