Menella Bute Smedley

Menella Bute Smedley (* 13. November 1820 in Wandsworth, Surrey; † 25. Mai 1877 in Regent’s Park, London) war eine englisch-britische Dichterin und Romanautorin.[1]

Leben

Smedley war das dritte überlebende Kind von Reverend Edward Smedley (1788–1836) und seiner Frau Mary, geborene Hume (1786–1868). Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands hatte der Vater sein Amt als Vikar niedergelegt und arbeitete als Privatlehrer in Wandsworth. Sie wurde zu Hause von ihrem Vater unterrichtet und arbeitete später als seine Schreibkraft, als sich sein Gesundheitszustand weiter verschlechterte. Nach dem Tod des Vaters zwang sie ihre eigene schwache Gesundheit dazu, eine Zeit lang zur Erholung in Tenby zu verbringen.[1]

Smedley war weiterhin als Sekretärin und Haushaltshilfe tätig. Im Januar 1851 half sie im Haushalt ihrer Cousins mütterlicherseits, der Familie Dodgson, nachdem die Frau des Erzdiakons Dodgson, Frances, verstorben war.[1] Später war sie die ständige Begleiterin und literarische Assistentin eines anderen Cousins, des Schriftstellers Frank Smedley, in dessen Haus im Regent’s Park.[2] Im Juli 1855 war sie maßgeblich daran beteiligt, die frühen komischen Werke ihres Cousins Charles Dodgson (Lewis Carroll) Frank Smedley zu zeigen, durch dessen Vermittlung sie in der Comic Times veröffentlicht wurden.[1] Sie blieb die literarische Vertraute beider Männer.[3]

Sie übersetzte 1846 die alte deutsche Ballade Der Hirt des Riesengebürgs aus der Sammlung von Friedrich de La Motte Fouqué unter dem Titel The Shepherd of the Giant Mountains in englische Blankverse. Roger Lancelyn Green vermutete 1957 im Times Literary Supplement und später in The Lewis Carroll Handbook (1962), dass Lewis Carrolls Gedicht Jabberwocky von diesem Werk inspiriert worden sei.[4][5]

Smedley begann ihre eigene literarische Karriere 1849 mit der Veröffentlichung des Romans The Maiden Aunt unter den Initialen „S.M.“.[1] Es folgten fünfzehn weitere Titel, darunter 1863 Twice Lost, die Geschichte einer 38-jährigen Frau, die gezwungen wird, als Gesellschafterin zu arbeiten, vor dem Hintergrund der Intrigen im Zusammenhang mit der italienischen Einigung. Ihre gut kritisierte Gedichtsammlung Poems von 1868 enthält mit Lady Grace ein fünfaktiges Versdrama, das im modernen London spielt. Zusammen mit ihrer Schwester Elizabeth Anna Hart verfasste sie mehrere Gedichtsammlungen für Kinder.[1] „[Smedleys] Werke zeichnen sich durch ihre einfühlsame Darstellung des Kampfes von Frauen um ein unabhängiges Leben und wirksames Handeln, ihre scharfsinnige Analyse viktorianischer Geschlechterkonventionen und ihre positive Darstellung von Feminismus und unkonventioneller Weiblichkeit aus.“[6]

In den 1870er Jahren engagierte Smedley sich für Jane Seniors Kampagnen zur Verbesserung der Mädchenbildung in Armen-Schulen. Ihr Essay The English girl’s education erschien im April 1870 in der Contemporary Review und im November 1874 der Artikel Workhouse schools for girls in Macmillans Magazine. 1875 gab sie Seniors Berichte als Regierungsinspektorin über die Armenbildung Boarding Out and Pauper Schools Especially for Girls neu heraus.[1]

Smedley heiratete nie.[2] Sie starb am 1877 in ihrem Haus Grove Lodge (später Nuffield Lodge) in der Park Road im Regent’s Park.[1] Sie ist auf dem West Norwood Cemetery beerdigt.[7]

Werke (Auswahl)

Romane[8]
  • The Maiden Aunt, Joseph Masters, London 1849.
  • The Use of Sunshine: A Christmas Narrative, George Hoby, London 1852.
  • Nina: A Tale for the Twilight, George Hoby, London 1853.
  • Linnet's Trial: A Tale, 2 Bände, Virtue, London: 1864.
  • The Curate of Sadbrooke, 3 Bände, Hurst and Blackett, London 1865.
  • A Mere Story., 3 Bände, Sampson Low, London 1865.
  • Twice Lost, and Other Tales., Virtue, London 1866.
  • Donald Roy: A Novel., 3 Bände, Saunders and Otley, London 1868.
Gedichtsammlung[1]
  • The Story of Queen Isabel, and Other Verses, Bell and Daldy, London 1863.
  • Poems, Strahan and Co, London 1868.
Gedichtsammlungen für Kinder[1]
  • Lays and Ballads from English History, Edward Lumlum, London 1856.
  • mit ihrer Schwester Elizabeth Anna Hart
    • Poems Written for a Child, Strahan and Co, London 1868.
    • Child-World, Strahan and Co, London 1869.
    • Silver Wings and Golden Scales, London 1877.
Commons: Menella Bute Smedley – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Menella Bute Smedley – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j Andrew Sanders: Smedley, Menella Bute (1820–1877). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 19. Mai 2011, doi:10.1093/ref:odnb/57422.
  2. a b John Sutherland: The Stanford Companion to Victorian Fiction. Stanford University Press, Stanford, CA 1990, ISBN 0-8047-1842-3, S. 589 (archive.org).
  3. Ann Clark: Lewis Carroll: A Biography. J. M. Dent & Sons, London 1979, ISBN 0-460-04302-1, S. 65.
  4. Martin Gardner, The Annotated Alice. New York: Norton, 2000. p. 154, n. 42.
  5. Ronald Reichertz: The Making of the Alice Books: Lewis Carroll's Uses of Earlier Children's Literatur. McGill-Queen’s University Press, Montreal 2000, ISBN 0-7735-2081-3, S. 99.
  6. Susan Brown, Patricia Clements und Isobel Grundy (Hrsg.): Menella Bute Smedley. In: Orlando Project. Cambridge University Press, archiviert vom Original am 10. Februar 2018; abgerufen am 28. September 2025.
  7. Menella Bute Smedley in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 25. September 2025.
  8. Troy J. Bassett: Author: Menella Bute Smedley. Circulating Library: A Database of Victorian Fiction, 1837–1901, abgerufen am 28. September 2025.