Melinda Tankard Reist
Melinda Tankard Reist (* 23. September 1963 in Mildura, Victoria, Australien) ist eine australische Autorin, Rednerin, Medienkommentatorin und Bloggerin. Sie setzt sich für die Rechte von Frauen und Mädchen ein. Bekannt ist sie für ihre Arbeit zu den Themen Sexualisierung, Objektifizierung, die Gefahren der Pornografie, sexuelle Ausbeutung, Menschenhandel und Gewalt gegen Frauen. Sie ist Dozentin am Zentrum für Kultur und Ethik der University of Notre Dame Australia in Sydney.[1][2]
Leben und Werk
Tankard Reist wurde in eine Bauernfamilie geboren. Nach ihrem Schulabschluss in Mildura studierte sie Journalismus am Royal Melbourne Institute of Technology in Melbourne und an der California State University in Long Beach. Im Anschluss arbeitete sie ab 1983 rund zehn Jahre lang als festangestellte und freie Journalistin in den Vereinigten Staaten und in Australien. Von 1993 bis 2005 war sie Beraterin für den Senator Brian Harradine.
Seit 2005 hat sie sich in feministischen Debatten in Australien zunehmend als einflussreiche Stimme in sozialen Fragen, die Frauen betreffen, etabliert. In ihren Büchern, Kolumnen und ihrem Blog MTR positioniert sie sich als Fürsprecherin von Frauen und Mädchen, insbesondere durch ihren Kampf gegen die Sexualisierung von Mädchen, Pornografie und Abtreibung.
Das erste Buch, das Tankard Reist mit herausgab und zu dem sie beitrug, Giving Sorrow Words: Women's Stories of Grief After Abortion, ist eine Sammlung von persönlichen Berichten von Frauen über ihre Erfahrungen nach einer Abtreibung.[3] Es gab Kontroversen darüber, inwieweit Tankard Reists Aussagen aus einer feministischen Position und dem allgemeinen Anliegen des sozialen Wohlergehens von Frauen resultieren. Im Zentrum der Kritik steht ihre Arbeit für Senator Harradine, der 1996 in Verhandlungen mit der Howard-Regierung die Verfügbarkeit der Abtreibungspille RU486 sowohl in Australien als auch in Ländern, die australische Entwicklungshilfe erhielten, stark einschränkte. Infolgedessen wurde ein Medikament, das sicherere, weniger schmerzhafte und weniger invasive Abtreibungen ermöglicht und im Rest der Welt weit verbreitet ist, nicht nur australischen Frauen, sondern auch Frauen in Entwicklungsländern verboten, in denen Australien Familienplanungsprogramme initiiert hatte.[4]
Tankard Reist hat seit 2005 drei Bücher mitverfasst bzw. herausgegeben: Defiant Birth: Women Who Resist Medical Eugenics (2006), Getting Real: Challenging the Sexualisation of Girls (2009) und, zusammen mit Abigail Bray, Big Porn Inc: Exposing the Harms of the Global Pornography Industry (2011). Sie hat ihre Ansichten außerdem über ihren Blog, zahlreiche Zeitungskolumnen und die Organisation Australian Women’s Forum verbreitet, deren Gründungsgeschäftsführerin sie von 2005 bis 2009 war, sowie über die Kampagne Collective Shout. Durch diese Foren erreichte sie ein breites Publikum und fand großen Anklang.
Ihr Engagement für Frauen und Mädchen umfasste unter anderem die Unterstützung beim Aufbau einer betreuten Unterkunft und eines Beratungsdienstes für schwangere Frauen ohne Unterstützung, die Beteiligung an Projekten zur Bekämpfung von Armut, Menschenhandel und Sexsklaverei sowie die Arbeit, um die Objektifizierung von Frauen und die Sexualisierung von Mädchen in Australien und weltweit hervorzuheben und zu bekämpfen.
Sie hat mit World Vision an der Entwicklung der nationalen Kampagne gegen Menschenhandel mitgewirkt und andere Nichtregierungsorganisationen unterstützt, die sich weltweit für die Verbesserung der Situation von Frauen einsetzen. Sie hat zu diesen Themen Allianzen mit zahlreichen internationalen Organisationen geschlossen. Sie wurde zur Botschafterin von World Vision Australien, Compassion und der Raise Foundation ernannt. Sie ist Partnerin der im August 2013 gegründeten globalen Allianz Brave Girls Want.
Tankard Reist ist eine der Gründerinnen der Bewegung Collective Shout: für eine Welt ohne sexuelle Ausbeutung. Collective Shout prangert Konzerne, Werbetreibende und Marketingfachleute an, die Frauen objektivieren und Mädchen sexualisieren, um Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen. Collective Shout konnte Erfolge in Kampagnen gegen eine Reihe großer Konzerne verzeichnen.[5][6][7]
Literatur
- Rachel Hills: Who's afraid of Melinda Tankard Reist? The Sydney Morning Herald, 8. Januar 2012.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- He Chose Porn Over Me: Women Harmed by Men Who Use Porn. Spinifex Press, 2022, ISBN 978-1925950588.
- Defiant Birth: Women Who Resist Medical Eugenics. SPINIFEX PR, 2006, ISBN 978-1876756598.
Weblinks
- Offizielle Website
- Why Are Australian Telcos and ISPs Enabling a Child Sexual Abuse Pandemic? (englisch)
Einzelnachweise
- ↑ About Melinda | Melinda Tankard Reist. Abgerufen am 2. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Melinda Tankard Reist. In: Age Assurance Technology Trial. Abgerufen am 2. Dezember 2025 (australisches Englisch).
- ↑ https://www.womenaustralia.info/leaders/biogs/WLE0186b.htm/
- ↑ https://www.abc.net.au/news/melinda-tankard-reist/28330
- ↑ Melinda Tankard Reist: speaking up for women and children. Abgerufen am 2. Dezember 2025 (australisches Englisch).
- ↑ Family First: Family Matters - Melinda Tankard Reist. In: Family First NZ. 19. März 2025, abgerufen am 2. Dezember 2025 (neuseeländisches Englisch).
- ↑ About Melinda | Melinda Tankard Reist. Abgerufen am 2. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).