Melchior Hedloff

Melchior Hedloff, auch Melcher Hedlof, (geb. 1605 oder 1606 in Kennchen bei Medzibor; gest. 19. Januar 1654 in Oels, hingerichtet) war ein schlesischer Räuber, Serienmörder und Wilderer.

Leben

Im Dreißigjährigen Krieg diente Hedloff als Soldat; nach eigenem Bekunden war er bei Cosel, Trebnitz und „Wolaw“ (Wrocław = Breslau?) eingesetzt. Noch während des Krieges begann er eine Serie von Raubmorden, wobei er mindestens einmal als Schutzbehauptung angab, er habe sein Opfer für einen feindlichen Soldaten gehalten.

1653 gefasst, soll Hedloff – unter Folter – 251 Raubmorde in einem Zeitraum von 11 Jahren gestanden haben, bei denen er seine Opfer überwiegend aus dem Hinterhalt erschoss. Als Mittäter nannte er Simon Blachen, einen „Lokarschen“, und George Bogen. Weiter soll er zahlreiche Vergewaltigungen gestanden haben, die zum Teil auf seine Zeit als Soldat zurückgingen, zu deren Opfern aber auch seine eigene Tochter gehörte.

Nach seiner Verurteilung wurde Hedloff am 19. Januar 1654 vor dem Oelser Rathaus öffentlich verstümmelt, gerädert und gevierteilt. Die Teile seines Leichnams wurden zur Abschreckung an vier Straßen zur Stadt aufgestellt.

Neben Melchior Hedloff wurden auch seine Ehefrau und seine Tochter gefangen genommen, denen der Mord an einem unehelichen Kind der Tochter angelastet wurde; die Ehefrau starb in der Haft.

Nachwirkung

Die Verbrechen Hedloffs wurden nach seiner Hinrichtung durch Flugschriften über Schlesien hinaus bekannt. In der Lokalgeschichte von Oleśnica (Oels) ist er bis heute bekannt.[1] Im Schloss Oels sollen lange Überreste seiner Gebeine aufbewahrt worden sein, ebenso eine ihm zugeschriebene Arkebuse; letztere soll auf der Internationalen Polizeiausstellung in Berlin 1926 präsentiert worden sein[2] und sich heute im Depot des Museums der polnischen Armee befinden.[3]

Einzelnachweise

  1. Jerzy Andrzej Pyzik: Melchior Hedloff - arcyzbrodniarz połamany kołem, Panorama Oleśnicka nr 5 czerwiec 1995 r.
  2. Rolf Freytag: Der "Schütze Melchior", Mordbuben und andere übeltäter (Memento vom 4. September 2019 im Internet Archive)
  3. Witold Głębowicz, M. Nienałtowskiego: Arkebuz strzelca - rozbójnika Melchiora Hedloffa istnieje!, 2010