Meister des Dettelbacher Tympanons

Meister des Dettelbacher Tympanons ist der Notname für einen im 15. und 16. Jahrhundert im Hochstift Würzburg tätigen Bildhauer aus dem Umkreis Tilman Riemenschneiders, der neben größeren Arbeiten auch Bildstöcke schuf.

Bekannte Lebensdaten

Die Erforschung der Werke des unbekannten Meisters begann mit dem Jahr 1864. Damals verschenkte der Dettelbacher Stadtrat ein in eine Mauer eingelassenes Tympanon der alten Wallfahrtskirche, die im Jahr 1506 eingeweiht worden war, an den Historischen Verein Würzburg. Im Jahr 1913 übergab der Geschichtsverein das Stück an das Luitpold-Museum Würzburg, wo es erstmals die Aufmerksamkeit der forschenden Öffentlichkeit erhielt. 1928 veröffentlichte der Kunsthistoriker Justus Bier einen ersten Überblick über das Werk des sogenannten Meisters des Dettelbacher Tympanons.

Bier leitet seine Analyse von dem auf dem Tympanon angebrachten Steinmetzzeichen ab. Dieses Zeichen findet sich auf Arbeiten im Raum Kitzingen immer wieder, die auf das Ende des 15. und der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts datieren. Nach Bier war der unbekannte Meister im Umfeld Tilman Riemenschneiders zu finden. Er ließ sich vom Stil und der Formensprache Riemenschneiders prägen. Der Heimatforscher Hans Bauer mutmaßte später sogar, die beiden Meister hätten sich persönlich gekannt und sich über ihre Arbeiten ausgetauscht.

Bauer erweiterte die nachweisbaren Werke des Meisters um weitere Kunstobjekte. Der Meister arbeitete für kirchliche, adelige und private Auftraggeber, wobei auch der Würzburger Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg zu ihnen gehörte. Die nachgewiesenen Arbeiten sind extrem vielfältig und lassen den Schluss zu, dass der Meister des Dettelbacher Tympanons zu den etabliertesten Bildhauern im Raum Würzburg gehörte.[1]

Werke

Vom Meister des Dettelbacher Tympanons sind bisher vier Arbeiten gesichert bekannt, wobei diese vor allem durch das verwendete Steinmetzzeichen miteinander in Verbindung stehen. Dabei handelt es sich um das namensgebende Tympanon, einen Bildstock, Kreuzwegstationen und ein Epitaph. Weitere zugeschriebene Arbeiten machen deutlich, dass der Meister vor allem als Bildstockmeister anzusprechen ist. Dabei konzentrieren sich die erhaltenen Arbeiten auf den Raum um Dettelbach, weswegen Hans Bauer die Werkstatt des Meisters in der Stadt ausmachen will. Viele der Arbeiten sind bis heute im öffentlichen Raum aufgestellt.

  • 1487, Sieben-Köpfe-Marter, Dettelbach, zugeschrieben
  • um 1490, Corpus Christi, Dettelbach (Rathaus), zugeschrieben
  • 1501, Bildstock, Großlangheim, zugeschrieben
  • 1506, Tympanon, Würzburg (Museum für Franken), gesichert
  • 1513, Bildstock, Dettelbach, zugeschrieben
  • 1519, Graue Marter, Sommerach, gesichert
  • 1520/1521, Kreuzweg, Volkach, gesichert
  • um 1536, Epitaph des Wilhelm von Hohenrechberg, Marktbreit (St. Nicolai), gesichert[2]

Literatur

  • Hans Bauer: Bekannt – aber unbenannt. Der „Meister des Dettelbacher Tympanons“. In: Hans Bauer (Hrsg.): Geheimnisvolles Franken. 3. Teil. J. H. Röll-Verlag, Dettelbach 2006. S. 157–162.
  • Hans Bauer: Der vergessene Christus und ein unbekannter Künstler. In: Jahrbuch für den Landkreis Kitzingen. Im Bannkreis des Schwanbergs 2020. J. H. Röll-Verlag, Dettelbach 2019, ISBN 978-3-89754-573-1. S. 123–133.
  • Justus Bier: Der Meister des Dettelbacher Tympanons. In: Archiv des Historischen Vereins für Unterfranken und Aschaffenburg Bd. 67 (1928). S. 89–93.
Commons: Meister des Dettelbacher Tympanons – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Hans Bauer: Der vergessene Christus und ein unbekannter Künstler. In: Jahrbuch für den Landkreis Kitzingen. Im Bannkreis des Schwanbergs 2020. J. H. Röll-Verlag, Dettelbach 2019, ISBN 978-3-89754-573-1. S. 130.
  2. Hans Bauer: Der vergessene Christus und ein unbekannter Künstler. In: Jahrbuch für den Landkreis Kitzingen. Im Bannkreis des Schwanbergs 2020. J. H. Röll-Verlag, Dettelbach 2019, ISBN 978-3-89754-573-1. S. 131.