Meineweh (Meineweh)

Meineweh
Gemeinde Meineweh
Koordinaten: 51° 5′ N, 11° 59′ O
Höhe: 259 m
Fläche: 15,9 km²[1]
Einwohner: ca. 617 (2011)[1]
Bevölkerungsdichte: 39 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 06721
Vorwahl: 034425
Lage von Meineweh in Meineweh

Meineweh ist ein Ortsteil der Gemeinde Meineweh im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt.

Geografie

Meineweh liegt etwa 14 km südöstlich von Naumburg (Saale) am Maibach. Als Ortsteile der Gemeinde sind Thierbach, Quesnitz und Priesen ausgewiesen.

Geschichte

Bronzezeitliche Spuren finden sich im Depot von Meineweh. Meineweh wurde 1171 erstmals urkundlich ersterwähnt.

Der in Meineweh ansässige Urban Schlag (in zeitgenössischen Aufzeichnungen „Slagk“) beteiligte sich mit anderen Landwirten aus der Umgebung am Deutschen Bauernkrieg.[2]

Meineweh war 1649 von Hexenverfolgung betroffen. Paul Hoffmann geriet in einen Hexenprozess.[3]

Das sich in der Ortschaft entwickelte Rittergut gehörte über einige Generationen[4] der Familie von Bünau. Namhaft wurde hier früh Sabina von Bünau aus Meineweh (1597–1642) als Kammerjungfer am Hof der Äbtissin Dorothea Sophie von Quedlinburg.[5]

Um 1800 hat ein großherzoglicher Stallmeister von Sachsen-Weimar, Herr Curt Friedrich von Schönberg, Lehensanteile am Gut Meineweh.[6]

Ab 1815 war Meineweh ein Teil des Landkreises Weißenfels.[7]

Bereits weit vor 1900 kam das Gut[8] in Meineweh an die uradelige Familie von Bodenhausen genannt Degener. Nachgewiesen ist als Gutsherr Freiherr Hans von Bodenhausen (1839–1912) mit seiner aus den USA stammenden Ehefrau Fanny Butlar (1840–1903). Als Gutsbesitzer folgte der Sohn Eberhard Freiherr von Bodenhausen (1868–1918), von Beruf Jurist und Manager beim Krupp-Konzern. Er lebte, wie seine Eltern, größtenteils in Meineweh, obwohl es nicht das Hauptgut war.[9]

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden östlich des späteren Ortsteils Thierbach Artefakte aus dem Jungpaläolithikum und der Jungsteinzeit entdeckt.[10]

In den 1920er Jahren besaß noch der Sohn Freiherr Hans-Wilke von Bodenhausen (1901–1937) als Erbe das Rittergut einige Jahre, dessen Größe 282 umfasste. Als Pächter agierte die Zuckerfabrik Körbisdorf, Oberinspektor Dorstewitz. Dem Baron gehörte dazu als Hauptsitz das Gut Degenershausen bei Ermsleben. Die Freiin von Bodenhausen-Meineweh wiederum besaß das Fideikommiss in Hollsteltz, 249 ha.,[11] Später konzentrierte sich Baron von Bodenhausen auf das Stammgut Degenershausen und auf den neuen Besitz in Knegendorf bei Laage/Mecklenburg, er hatte 1925 auf Schloss Ralswiek Anga Gräfin von Douglas geheiratet. Hans-Wilke von Bodenhausen starb in Ostafrika. Die Witwe lebte mit der Tochter in Holstein.

Auf dem Rittergut Meineweh wurde am 25. Juni 1934 ein Schulungszentrum für politische Leiter der Hitlerjugend eröffnet, dessen Initiatoren der Gutsbesitzer und der Landrat Alfred Pape waren.[12]

Am 1. Januar 2010 schlossen sich die bis dahin selbstständigen Gemeinden Meineweh, Pretzsch und Unterkaka zur neuen Gemeinde Anhalt Süd zusammen[13], die zum 1. August 2011 in Meineweh umbenannt wurde.

Wappen und Flagge

Das Wappen wurde am 23. März 2000 durch das Regierungspräsidium Halle genehmigt.

Blasonierung: „In Gold zwischen zwei auseinander geschobenen schrägrechten blauen Wellenbalken vier steigende grüne Blätter (Pappel, Eiche, Linde, Ginkgo biloba).“

Die Farben der ehemaligen Gemeinde – abgeleitet vom Wappen – sind Blau-Gelb. Die Flagge der ehemaligen Gemeinde Meineweh zeigt die Farben der Gemeinde: Blau-Gelb.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Meineweher Pfarrkirche wurde im 14./15. Jahrhundert im spätgotischen Stil erbaut. In ihr befinden sich ein vermutlich von Hans Witten stammender Schnitzaltar und eine Marmorplastik,[14] die den 1706 verunglückten Günther von Bünau darstellt.[15]

Literatur

  • Gerhard Hackbarth, Günter Röska: Der Schnitzaltar - Die Zierde der Kirche von Meineweh. In: Osterfelder Kultur- und Heimatblatt. 14, Hrsg. Heimatverein Osterfeld e. V., Osterfeld 1993, S. 146 ff.
  • Amtsbezirk Meineweh. Meineweh, In: H. J. Meidinger: Handbuch für die Provinz Sachsen. Praktisches Handbuch. In: Meidinger`s Gesam(m)t-Adressbüchern. Selbstverlag, Berlin 1882, S. 513 f.
  • Meineweh. Rittergutsdorf, In: Heinrich Otte, Gustav Sommer: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Weissenfels. Hrsg. Historische Commission der Provinz Sachsen, Verlag Otto Hendel, Halle a.d.S. 1880, S. 36 f.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Bundesstraße 180 die von Naumburg (Saale) nach Zeitz verläuft führt direkt durch die Gemeinde. Zur „Anschlussstelle Naumburg“ der Bundesautobahn 9 sind es rund drei Kilometer.

Einzelnachweise

  1. a b Gemarkung Meineweh, Gemeinde Meineweh. In: GEOindex. Abgerufen im November 2025.
  2. Karl Gustav Mende: Zur Orts- und Heimatkunde des Dorfes Keutschen. IV. Das Dorf von 1800 bis zur Gegenwart. Keutschen 1925, S. 126.
  3. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Böhlau, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 625–627.
  4. Ad. M. Hildebrandt: Vierteljahresschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde. XXIV. Jahrgang-Heft 1, Hrsg. Herold (Verein), Carl Heymanns Verlag, Berlin 1896, S. 291 f.
  5. Siehe Katrin Horn: Bünau (Bünow), Sabina von. In: Eva Labouvie (Hrsg.): Frauen in Sachsen-Anhalt. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert. Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2016, S. 111.
  6. Leipziger Zeitung. Nr. 183, Donnerstags den 18. September 1817, S. 2078.
  7. Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Merseburg. 30. Stück, Ausgegeben zu Merseburg den 2. August 1828, S. 234.
  8. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1912. Zweiundsechzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1911, S. 54 f.
  9. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck, u. a.: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. A (Uradel). 1959. Band III, Band 21 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. u. a. Ausschuss für adelsrechtlichen Fragen der deutschen Adelsverbände, in Gemeinschaft mit dem Deutschen Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1959, ISSN 0435-2408, S. 17.
  10. Horst Zimmermann: Kurzinventar urgeschichtlicher Funde: Thierbach, Kreis Zeitz (I). In: Kulturbund der DDR (Hrsg.), Ortsgruppe Osterfeld (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt Nr. 7, (fortlaufende Nummerierung ab Ausgabe 1), Osterfeld 1986, S. 242 ff.
  11. Oskar Köhler, Gustav Wesche, H. Krahmer: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch der Provinz Sachsen. [1922]. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 20 ha herab mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuerertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. Hrsg. Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer zu Halle a. S., In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band V, (Paul Niekammer), 3. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 224–227.
  12. Gunther Wilde: Aus der Geschichte unserer Nachbargemeinden. 2. Großagrarier und Faschisten in Meineweh Hand in Hand! In: Osterfelder Kultur- und Heimatblatt. 11, Heimatverein Osterfeld e. V. (Hrsg.), Osterfeld 1990, S. 32 ff.
  13. StBA-Wiesbaden (Hrsg.): Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010.
  14. Ad. M. Hildebrandt: Vierteljahresschrift für Wappen-, Siegel. und Familienkunde. XXI. Jahrgang, Hrsg. Herold (Verein), Carl Heymanns Verlag, Berlin 1893, S. 400.
  15. Siehe Literatur: Gerhard Hackbarth, Günter Röska: Der Schnitzaltar - Die Zierde der Kirche von Meineweh. In: Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 14. Hrsg. Heimatverein Osterfeld e. V., Osterfeld 1993, S. 146 ff.