Mehrdad Zaeri
Mehrdad Zaeri (persisch مهرداد زائری; Mehrdad Zaeri-Esfahani; geboren 1970 in Isfahan, Iran) ist ein deutsch-iranischer Illustrator und Künstler.
Leben
Zaeri wuchs bis zu seinem 14. Lebensjahr in einer wohlhabenden Familie mit drei jüngeren Geschwistern in Isfahan im Iran auf. Der Vater, Hosein Zaeri-Esfahani[1], arbeitete als Arzt, die Mutter als Krankenschwester. Neben der Kernfamilie war für Zaeri das Leben in der umgebenden Großfamilie prägend. Schon als Kind begann er zu zeichnen. Seine erste, von den Eltern angeregte Geschichte habe er mit acht Jahren gezeichnet, habe einen Gefängnisinsassen gezeigt, der einen langen Tunnel ausgegraben hatte. Als Jugendlicher war Zaeri an westlichen Werten und Idolen, wie Michael Jackson, orientiert. Aufgrund der politischen Situation flüchtete die Familie 1985 mit den insgesamt vier Kindern aus dem Iran und kam über die Türkei und Ostberlin nach Deutschland.[2][3]
Zaeri besuchte in Heidelberg die Internationale Gesamtschule Heidelberg und schloss, dem Wunsch seiner Eltern folgend, seine Schulzeit mit dem Abitur ab. Um seiner Leidenschaft zu zeichnen, folgen zu können und zugleich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete er acht Jahre lang als Taxifahrer und zeichnete täglich, etwa auf den Rückseiten von Quittungen und Abrechnunszetteln. Mit über 300 Zeichnungen und Zetteln fand dann eine erste Verkaufsausstellung in einem kleinen Caféraum statt.[2]
Eine von Zaeris Schwestern ist die Autorin Mehrnousch Zaeri-Esfahani. Er ist verheiratet mit der Fotografin und Autorin Christina Laube und lebt in Mannheim.
Werk
Ein Schwerpunkt des künstlerischen Schaffens Zaeris liegt in der Buchillustration. Er arbeitet mit namhaften Autoren sowohl von Kinderbüchern als auch von Büchern für Erwachsene zusammen, gestaltet Kalender und Graphic Novels. Wiederkehrende Themen sind Flucht, Verfolgung, Solidarität und Freiheit. Seine Zeichnungen und farbigen Bilder haben dabei oft einen erzählerischen Charakter. Seine Vorgehensweise bezieht den Zufall in die Gestaltung ein, was er in seinen Auftritten als Live-Performance-Zeichner demonstriert. Sein Kunstverständnis ist auf die Kommunikation mit Menschen ausgerichtet.[3][2]
Angeregt durch Sören Gerhold vom Mannheimer Kulturzentrum begann Zaeri 2016 im Rahmen der Aktion Stadt.Wand.Kunst das kleinformatige Zeichnen auf das Großformat von Hauswänden zu übertragen. Er wurde von Stadt.Wand.Kunst als Nachwuchskünstler ausgewählt und gründete mit Christina Laube das Streetart Duo Sourati (persisch für Altrosa). Die erste große Hausfassade des Künstlerduos trug den Titel „Die Freiheitstesterin“. Seither gestaltete Sourati zahlreiche großformatige künstlerische Murals in verschiedenen Städten. Anders als in der Streetart üblich, sind die Bilder des Duos nicht auffällig und bunt, sondern eher zurückhaltend leise und poetisch. Die Arbeitsweise des Duos wurde 2025 in einem Dokumentarfilm von Jana Gührer festgehalten. Sie umfasst auch weitere experimentelle Formate wie die Gestaltung von Innenräumen.[4][5]
Buchillustrationen (Auswahl)
- Navid Kermani: Zu Hause ist es am schönsten, sagte die linke Hand und hielt sich an der Heizung fest. Carl Hanser Verlag, München 2025.
- Roger Willemsen: Das müde Glück. Neuausgabe mit stimmungsvollen Illustrationen von Mehrdad Zaeri zum 70. Geburtstag von Roger Willemsen. Fischer Sauerländer, Frankfurt am Main 2025.
- Wer küsst wen?: Bilder - Kunst - Reise. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2024.
- Rafik SchamiDer verliebte Teufel: Wie die Liebe einen kleinen Teufel engelhaft machte. Mit Illustrationen von Mehrdad Zaeri. Über Gut und Böse philosophieren mit Kindern und Erwachsenen. Edition chrismon, Frankfurt am Main 2024.
- Mehrnousch Zaeri-Esfahani: Einfach Mensch. Edition Buntehunde, Regensburg 2024.
- Marie Bernhard (Hrsg.): Das Traumbuch. Kunstvoll und poetisch illustriert von Mehrdad Zaeri. Insel-Verlag, Berlin 2024.
- Christine Laube: Anna – Was die Zeit nicht heilt: Basierend auf einer wahren Geschichte. Graphic Novel über das Aufwachsen im Krieg. Fischer Sauerländer, Frankfurt am Main 2024.
- Otfried Preußler: Krabat. Illustrierte Schmuckausgabe. Thienemann-Esslinger Verlag, Stuttgart 2023.
- Cornelia Funke Ein Engel in der Nacht: Ein poetisches Märchen. Sauerländer Verlag, Frankfurt am Main 2022.
- Alea Horst: Manchmal male ich ein Haus für uns: Europas vergessene Kinder. Klett Verlag, Stuttgart 2022.
- Andrea Hensgen: Ein Käfig ging einen Vogel suchen. Knesebeck Verlag, München 2022.
- Werner Holzwarth: Der Winter des Eichhörnchens. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2022.
- Rafik Schami: Die Geburt. Eine Weihnachtsgeschichte. Von Mehrdad Zaeri illustriertes Weihnachtsbuch. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2021.
- Inka Pabst: Joshua - Der kleine Zugvogel. Tulipan Verlag, München 2020.
- Werner Holzwarth: Mein Jimmy. Tulipan Verlag, München 2018.
- Inka Pabst: Als Oma immer kleiner wurde. Tulipan Verlag, München 2017.
- Christina Laube: Dornröschen mit Lasercuts von Mehrdad Zaeri. Kenesbeck Verlag, München 2019.
- Mehrnousch Zaeri-Esfahani: 33 Bogen und ein Teehaus. Carlsen Verlag, Hamburg 2018.
- Mehrnousch Zaeri-Esfahani: Mondmädchen. Knesebeck Verlag, München 2015.
- Jörn E. Runge (Hrsg.): Kluge Frauen sind gefährlich: Aphorismen von Jane Austen bis Katharina die Große. Steffen Verlag, Friedland 2016.
- Anne Richter: Prinzessin Sharifa und der mutige Walter: Zwei alte Geschichten neu erzählt. (Zweisprachig Deutsch – Arabisch). Baobab Books, Basel 2013.
Auszeichnungen
- 2016 Bilderbuchpreis Huckepack
- 2023 Großer Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e. V. Volkach
- 2025 Wildweibchenpreis[6]
Einzelnachweise
- ↑ Autobiografische Erinnerungen des Vaters: Hosein Zaeri-Esfahani: Wer weiß, wofür das gut war …, Übersetzung: Mehrnousch Zaeri-Esfahani, Illustration: Mehrdad Zaeri, Verlag Ute Fuchs, Helmstadt-Bargen 2020, ISBN 978-3-942941-31-0 (2. korrigierte Auflage, Helmstadt-Bargen 2022).
- ↑ a b c Mehrdad Zaeri: „Ich will mein Leben lang Bilder malen“. Gespräch mit Ute Wegmann am 14. Mai 2016. Deutschlandfunk. Abgerufen am 1. November 2025.
- ↑ a b Mehrdad Zaeri Künstler und Illustrator aus dem Iran. Interview Cornelia Funke. Abgerufen am 2. November 2025.
- ↑ Duo Sourati bei Stadt.Wand.Kunst Abgerufen am 28. Oktober 2025.
- ↑ Dokumentarfilm: Die Stadt als Leinwand. Das Streetart Duo Soudati. ZDF Mediathek. Abgerufen am 1. November 2025.
- ↑ Märchen- und Sagentage: Illustrator Mehrdad Zaeri erhält den Wildweibchenpreis 2025. Abgerufen am 28. Oktober 2025.