Medaille zur 800-Jahr-Feier des Hauses Wettin in 5-Mark-Größe

Die Medaille zur 800-Jahr-Feier des Hauses Wettin in 5-Mark-Größe, auch als Medaille in 5-Mark-Größe anlässlich der 800-Jahr-Feier des Hauses Wettin bezeichnet, wurde bei den Festlichkeiten in Dresden, die vom 15. bis 19. Juni 1889 stattfanden, verliehen. Für die Prägung der Vorderseite mit dem Kopfbild des sächsischen Königs Albert (1873–1902) wurde der Münzstempel des 5-Mark-Stücks des Deutschen Kaiserreichs verwendet. Die Rückseite der 1889 geprägten Medaille präsentiert die vom Volk bejubelte thronende Saxonia. Die Medaille erscheint in Münzkatalogen unter Gedenkmünzen König Alberts.[1]

Beschreibung

Die offizielle Denkmünze wurde in 5-Mark-Größe anlässlich der 800-Jahr-Feier des Hauses Wettin im Jahr 1889 in der Münzstätte Muldenhütten mit glattem Münzrand in Feinsilber geprägt. Die Auflagenhöhe betrug 706 Stück in Silber und 4310 Stück in bronziertem Kupfer. Die offiziellen Gepräge wurden ausschließlich bei den Festlichkeiten zur 800-Jahr-Feier verliehen. Die Ausführung in Silber galt als 1. Klasse und die in bronziertem Kupfer als 2. Klasse. Außerdem ist ein Goldabschlag bekannt, der nicht im Bracteatenbuch der Kgl. Münze in Muldenhütten verzeichnet ist.[2]

Vorderseite

Die Vorderseite zeigt das Kopfbild des sächsischen Königs Albert nach rechts mit der Umschrift ALBERT KOENIG VON SACHSEN. Unter dem Halsabschnitt befindet sich das Münzzeichen „E“ für die Münzstätte Muldenhütten. Diese Seite der Medaille ist die gleiche wie die des 5-Mark-Stücks nach Einführung der Reichswährung. Sie wurde mit dem 5-Mark-Stempel geprägt, den der Münzgraveur Max Barduleck (1871–1911) angefertigt hatte.[3]

Rückseite

Die Rückseite zeigt die vom Volk bejubelte, thronende Saxonia, die geografische Personifikation Sachsens, mit Krone, Schwert und sächsischem Wappenschild.[4] Auf einer Tafel vor dem Thron sind im Kranz die Jahreszahlen 1089/1889 angegeben. Im Jahr 1089 erfolgte die Belehnung des Hauses Wettin mit der Markgrafschaft Meißen und im Jahr 1889 fand die 800-Jahr-Feier in Dresden statt. Oben hinter dem Thron schmücken Zweige einer Eiche die Medaille. Der Rückseitenstempel wurde nach einem Modell von Johannes Schilling von Max Barduleck angefertigt.

Es sind auch Fälschungen bekannt.[5]

Auf die 800-Jahr-Feier – bzw. auf 800 Jahre Haus Wettin – wurden außer dieser staatlichen Prägung zahlreiche Medaillen, darunter auch Massenware, privat hergestellt. „In 5-Mark-Größe“ ist ein Alleinstellungsmerkmal für die staatlichen Ausgaben in Silber und bronziertem Kupfer.

Geschichtliches

Die Dynastie der Wettiner wurde im Jahr 1089 von Kaiser Heinrich IV. (1050–1106) mit der Markgrafschaft Meißen belehnt. Die Medaille zur 800-Jahr-Feier des Hauses Wettin in 5-Mark-Größe von 1889 ist auf diese Belehnung bezogen.

Heinrich I. (1089–1103) war Graf von Eilenburg und Markgraf der Niederlausitz. Er galt als eine wichtige Stütze des Kaisers Heinrich IV. Als Dank wurde er 1089 nach der Ächtung und Absetzung Ekberts II.[6] mit der Markgrafschaft Meißen belehnt. Der Graf und Markgraf Heinrich I. aus dem Haus Wettin war auf Grund der Belehnung durch den Kaiser erster Markgraf von Meißen aus dem Haus Wettin.[7]

Anmerkung: Von entscheidender Bedeutung für die Wettiner war der Erwerb des Herzogtums Sachsen nach dem Aussterben der askanischen Herzöge von Sachsen-Wittenberg. Damit waren die Kurwürde und das Erzmarschallamt des Heiligen römischen Reichs verbunden. In den Jahren 1423/1425 erfolgte die Belehnung Friedrichs IV. des Streitbaren (1381–1428) durch Kaiser Sigismund (1410–1437).[8]

Literatur

  • Paul Arnold, Harald Küthmann, Dirk Steinhilber: Großer deutscher Münzkatalog von 1800 bis heute. Augsburg 1997.
  • Günter Schön: Kleiner deutscher Münzkatalog 1994/95, mit Österreich, Schweiz und Lichtenstein ab 1871.
  • Siegfried Bauer: Deutsche Münzen 1871–1832 einschließlich der Münzen der ehemaligen Kolonien und des staatlichen Notgelds. Leipzig, Berlin 1976.
  • Gerhard Gierow: Münzverzeichnis Deutschland 1871 bis 1932, Berlin 1965.
  • Herbert Helbig: Heinrich I. Graf von Eilenburg. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 8. Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 372–373 (deutsche-biographie.de).
  • Dresdner Numismatische Hefte Nr. 1, 1996, Hrsg.: Numismatischer Verein zu Dresden e. V. 1996. Darin: Paul Arnold: Die Genealogie der meißnisch-sächsischen Landesfürsten. Aus der umfangreichen Genealogie von Otto Posse (1897), in einer ergänzten und berichtigten Neubearbeitung von Manfred Kobuch (Leipzig 1994).
  • Helmut Kahnt: Das Große Münzlexikon von A bis Z, Regenstauf 2005.
  • Max Wilberg: Regenten-Tabellen, Frankfurt/Oder 1906, Nachdruck 1987.

Einzelnachweise

  1. Paul Arnold, Harald Küthmann, Dirk Steinhilber: Großer deutscher Münzkatalog von 1800 bis heute. (1997), S. 284, Nr. 171 a (Silber).
  2. Paul Arnold, Harald Küthmann, Dirk Steinhilber: Großer deutscher Münzkatalog von 1800 bis heute. (1997), S. 284: Nicht im Bracteatenbuch verzeichnet.
  3. Paul Arnold, Harald Küthmann, Dirk Steinhilber: Großer deutscher Münzkatalog von 1800 bis heute. (1997), S. 284: Der Stempel des 5-Mark-Stücks wurde verwendet.
  4. Helmut Kahnt: Das Große Münzlexikon von A bis Z (2005), S. 414.
  5. Siegfried Bauer: Deutsche Münzen 1871–1832 (1976), S. 45.
  6. Herbert Helbig: Heinrich I. Graf von Eilenburg. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 8. Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 372–373 (deutsche-biographie.de).
  7. Dresdner Numismatische Hefte Nr. 1, 1996, Hrsg.: Numismatischer Verein zu Dresden e. V. 1996, S. 8: Erste Markgraf von Meißen.
  8. Dresdner Numismatische Hefte Nr. 1, 1996, Hrsg.: Numismatischer Verein zu Dresden e. V. 1996, S. 8: Belehnung Friedrichs IV. 1423/25.