Max Schlötter

Max Schlötter (* 23. Oktober 1878 in Nürnberg; † 22. Mai 1946 in Schwäbisch Hall) war ein deutscher Elektrochemiker, Pionier der Galvanotechnik und Unternehmer.

Leben

Max Schlötter studierte ab dem Wintersemester 1897/98 Chemie an der Technischen Hochschule München bei Wilhelm von Miller, Andreas Lipp und Wilhelm Muthmann und wurde dort im Dezember 1902 mit der Dissertation Über elektrolytische Oxydation von Fettreihen promoviert.

1901 trat er bei der Deutschen Solvay AG in Bernburg als Chemiker ein, wo er die Leitung des analytischen Labors der Kaliwerke übernahm und sich mit Untersuchungen über die Castner-Kellner-Alkalielektrolyse befasste. Im Juni 1906 wechselte er zu Langbein & Co. in Leipzig, die 1907 mit der Firma Wilh. Pfanhauser aus Wien zur Langbein-Pfanhauser Werke AG zusammengeschlossen wurde. Schlötter arbeitete dort als Laborleiter und beschäftigte sich neben der Produktion von Metallsalzen und der Herstellung galvanotechnischer Erzeugnisse auch mit der elektrolytischen Metallabscheidung, vor allem von Zinn, Blei und Eisen.

Im Juli 1912 machte er sich selbständig und gründete in Leipzig ein „Elektrochemisches Forschungslaboratorium“, das sich zu einer der führenden Fachfirmen für Galvanotechnik in Deutschland, der Dr.-Ing. Max Schlötter GmbH & Co. KG, entwickelte. Nach einem kurzen Aufenthalt in Köln verlegte er 1915 sein Unternehmen nach Berlin, vermutlich auch deswegen, weil er ab Ende 1914 bei der Kriegsrohstoffabteilung (KRA) mitarbeitete, die im August 1914 von Walther Rathenau gegründet worden war. Die KRA förderte die Entwicklung von Ersatzstoffen und rohstoffsparenden Produktionsverfahren. Die Verwendung sogenannter Sparmetalle wie Kupfer, Nickel und Messing wurde von den Behörden reguliert. Max Schlötter gelang es beispielsweise, elektrolytische Verfahren zur Eisen­abscheidung so weiterzuentwickeln, dass die Kupfergalvanos der Reichsdruckerei auf Eisengalvanos umgestellt werden konnten. Von 1929 bis 1945 war er Honorarprofessor für Elektrochemie an der Technischen Hochschule Berlin.[1]

Schlötter zählt zu den Pionieren von Glanz- und Hochleistungsbädern und befasste sich ab Mitte der 1920er Jahre intensiv mit der Entwicklung glänzender Abscheidungen, v. a. für Zinn, Nickel und Silber. Die Entwicklung der Glanzbäder erfolgte auf der Grundlage der üblichen galvanischen Bäder. 1932 reichte Max Schlötter in den USA ein Patent zur Abscheidung von Glanznickel ein (“Formation of dense, highly lustrous and impervious deposits of nickel”, US-Patent 1.972.693). Er entdeckte 1930, dass die Verwendung der organischen aromatischen Sulfonat­verbindung Natriumbenzoldisulfonat eine deutlich verbesserte, harte, glatte, spiegelnde Oberfläche auf dem zuvor halbglänzenden Nickelüberzug erzeugte. 1934 verkaufte Schlötter die Rechte an seinem Verfahren an die Pyrene Manufacturing Co. in den USA, die das erste praxistaugliche Glanznickelverfahren als Pyrene High Gloss Nickel vermarktete.[2]

1934 gelang Max Schlötter ein Durchbruch bei Glanzzinn. Er patentierte ein „Verfahren zur elektrolytischen Abscheidung glänzender Zinn-Niederschläge“ (DRP 746134). Sein Zinnelektrolyt basierte auf Phenolsulfonsäure und verschiedenen organischen Zusätzen, die miteinander kombiniert wurden: Kolloide wie Leim, Gelatine, Agar-Agar auf der einen Seite und Kolloide wie Harze, Bitumen, Zellulose­derivate, sulfurierte Öle und Holzteer auf der anderen Seite. Im Vergleich zur Feuerverzinnung ermöglicht es die galvanische Zinnabscheidung, deutlich dünnere Zinnschichten abzuscheiden. Schlötters Zinnelektrolyt wurde in einer Bandverzinnungsanlage bei Remy van der Zypen (heute ThyssenKrupp) in Andernach ab 1934 und in Gary in den USA ab 1937 für die Weißblech­produktion eingesetzt und trug maßgeblich dazu bei, dass sich Weißblech als modernes Verpackungsmaterial durchsetzte.[3]

Insgesamt meldete Max Schlötter im Laufe seines Berufslebens mehr als 60 nationale und weitere internationale Patente an und veröffentlichte zahlreiche Artikel zur Galvanotechnik in Fachzeitschriften.

Im März 1939 erwarb Max Schlötter für 160.000 RM ein Gewerbegebäude in der Rigaer Straße 71–73a in Berlin-Friedrichshain von den Brüdern Simon und Michael Beiser. Ein Teil der Räume wurde an die Osram GmbH vermietet. Da die Gebrüder Beiser Juden waren, wurde der Verkauf 1947 gemäß Gesetz Nr. 52 des Alliierten Kontrollrats („Sperrung und Kontrolle von deutschem Vermögen“) als Zwangsverkauf eingestuft,[4] da jüdische Immobilienbesitzer durch die Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens vom 3. Dezember 1938 gezwungen worden waren, ihre Immobilien zu verkaufen. 1999 wurde das Grundstück den Nachkommen von Simon und Michael Beiser zurückgegeben. 1944–1945 arbeitete der spätere Präsident der Bremer Landeszentralbank, Kurt Nemitz, im Laboratorium von Max Schlötter, da er wegen seines jüdischen Vaters untertauchen musste.[5]

Max Schlötter zog 1944 nach Geislingen an der Steige und starb 1946 in Schwäbisch Hall an einer Herzkrankheit. Seine Tochter Ingeborg Geldbach, geborene Schlötter, führte das Unternehmen weiter.

Publikationen

  • Schlötter, Max: Über die elektrolytische Gewinnung von Brom und Jod, Verlag Wilhelm Knapp, Halle 1907
  • Schlötter, Max: Galvanostegie. 1. Teil. Über elektrolytische Metallniederschläge. Monographie über angewandte Elektrochemie, Band 37, Verlag Wilhelm Knapp, Halle 1910
  • Schlötter, Max: Galvanostegie 2. Teil. Über besondere Einrichtungen zum Plattieren, Verlag Wilhelm Knapp, Halle 1911
  • Schlötter, Max und Lipp, C.: Galvanoplastik. Deutscher Buchdrucker-Verein, Berlin 1928

Literatur

  • Dubpernell, George: The Story of Nickel Plating, in: Plating (6), 1959, S. 599–616.
  • Ecker, Ernst: Problems of the Metal Industry and their Solutions by the Inventions of Prof. M. Schlötter, A. M. Evalenko Verlag, Berlin 1930 (Übersetzung des deutschen Manuskripts durch Johannes Hein)
  • Jelinek, Thomas W., Lausmann, Günther A.: Die Geschichte der Galvanotechnik, Leuze Verlag, Böblingen 2014.
  • Vieweger, Ulrich: Historischer Spaziergang durch Leipzig – die Wiege der Galvanotechnik in Deutschland, in: Galvanotechnik (12), 2020, S. 2763–2773.

Einzelnachweise

  1. Catalogus Professorum - TU Berlin. Abgerufen am 23. September 2025.
  2. Bill Nebiolo: The History of Electroplating and a Historical Review of the Evolution of NASF. In: finishingandcoating.com. 30. März 2021, abgerufen am 23. September 2025 (englisch).
  3. Historie > Rasselstein > Tochterunternehmen > Unternehmen > thyssenkrupp Steel Europe. Abgerufen am 23. September 2025.
  4. Alliierter Kontrollrat - Gesetz Nr. 52 - Sperrung und Kontrolle von Deutschem Vermögen (1945). (archive.org [abgerufen am 23. September 2025]).
  5. Kurt Nemitz: Bundesratufer: Erinnerungen. In: Oldenburgische Beiträge zu jüdischen Studien. Band 16. Oldenburg 2006, ISBN 978-3-8142-0989-0, S. 100 f.