Max Isserlin (Mediziner, 1879)
Max Isserlin (geboren am 1. März 1879 in Königsberg (Preußen); gestorben am 4. Februar 1941 in Sheffield, England)[1] war ein deutscher Neurologe.
Leben
Er habilitierte sich 1910 in München für Psychiatrie und Neurologie und war dort ab 1915 außerordentlicher Professor. Während des Ersten Weltkriegs war er für das Bayerische Heer tätig und behandelte Soldaten, die mit posttraumatischen Belastungsstörungen kriegsuntauglich heimkehrten.[2] Er wandte dabei moderne psychotherapeutische Maßnahmen an und ließ seine Patienten in Form von individuellen kreativen Tätigkeiten ihre erlebten Schrecken und Kriegstraumata verarbeiten.[2] So war beispielsweise der Schriftsteller Ernst Toller im Winter 1916/17 bei Isserlin in ärztlicher Behandlung.[2] Von 1924 bis 1933 war er Chefarzt der Heckscherschen Nervenheil- und Forschungsanstalt. 1922 war Isserlin zusammen mit Rupert Egenberger und Ruth von der Leyen Gründungs- und Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Heilpädagogik (GfH). Im zweijährigen Abstand wurden in den Jahren 1922 bis 1930 fünf große Kongresse organisiert, die auch international Beachtung fanden.[3] Von 1923 bis 1934 war er außerdem neben Egenberger, von der Leyen und anderen Mitherausgeber der „Zeitschrift für Kinderforschung“.[4] Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 wurde Isserlin aus dem bayerischen Staatsdienst entlassen. Er emigrierte in die Schweiz und später nach England.
Literatur
- Salomon Wininger: Große jüdische National-Biographie. Orient u. a., Cernãuţi 1936.
- Robert Volz: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Band 1: A–K. Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930, DNB 453960286.
- Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Urban & Schwarzenberg, Berlin u. a. 1932–1933.
- Joseph Walk (Hrsg.): Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945. Hrsg. vom Leo Baeck Institute, Jerusalem. Saur, München 1988, ISBN 3-598-10477-4, S. 167
- Isserlin, Max, in: Alma Kreuter: Deutschsprachige Neurologen und Psychiater. Saur, München 1996, ISBN 3-598-11196-7, Band 2, S. 631ff.
Weblinks
- Heckscher-Klinik wird 80: "Seismographen der Gesellschaft". In: Süddeutsche Zeitung. 17. Mai 2010.
- archiv-heilpaedagogik.de: Kurzbiographie
- Literatur von und über Max Isserlin im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
- ↑ Uwe Zeller: Psychotherapie in der Weimarer Zeit. Die Gründung der „Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie“ (AÄGP). Köhler, Tübingen 2001, ISBN 3-932694-98-8, S. 378.
- ↑ a b c Veronika Schuchter: Ernst Toller: Revolutionär, Schriftsteller, Antifaschist. Eine Biografie. 1. Auflage. Wallstein, Göttingen 2025, ISBN 978-3-8353-5630-6, S. 70.
- ↑ Klaus Schepker,Heiner Fangerau: Kinder- und Jugendpsychiatrie bis 1945. In: Heiner Fangerau, Sascha Topp, Klaus Schepker (Hrsg.): Kinder- und Jugendpsychiatrie im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit. Berlin 2017, S. 41,132.
- ↑ Niklas Sturm: Die Anlage-Umwelt-Debatte in der „Zeitschrift für Kinderforschung“ zwischen 1932-1944 unter dem Einfluss der nationalsozialistischen „Gleichschaltung“. In: Dissertation. Universitätsklinikum Ulm, 2018, abgerufen am 21. September 2025 (Seite 154).