Max Folticineano
Max Mendelssohn-Folticineano,[A 1] auch Folticineanu (* 13. Januar 1859 in Bacău; † 3. November 1902 in Berlin) war ein rumänisch-deutscher Schriftsteller, Journalist und Publizist.
Leben
Herkunft und Ausbildung
Folticineanos Lebensweg ist nur noch lückenhaft rekonstruierbar. Er kam Anfang 1859 in Bacău zur Welt. Der Ort hatte damals etwa 9000 Einwohner, war Kreisstadt und gehörte zum unter osmanischer Oberhoheit stehenden Donaufürstentum Moldau. Dieses wurde noch im gleichen Jahr in Personalunion mit dem Fürstentum Walachei vereinigt (Vereinigte Fürstentümern der Walachei und Moldau), ehe 1862 das Fürstentum Rumänien (Rumänische Vereinte Fürstentümer) ausgerufen wurde. Bekannt ist, dass Folticineano spätestens im Alter von 20 Jahren seine rumänische Heimat verlassen hatte, denn nachweislich zumindest im Sommersemester 1879 war er an der Technischen Hochschule in München immatrikuliert und hospitierte dort im Studiengang Chemie.[1] Spätestens 1884 war seinen Nennungen in Periodika der akademische Grad Dr. phil. vorangestellt; demnach muss er in der Zwischenzeit promoviert worden sein.[2]
Berufliche Karriere
Joseph Kürschner bezeichnete Folticineano in dem von ihm herausgegebenen Deutschen Literatur-Kalender 1884 als in München ansässigen „Privatgelehrten“ und erwähnte ihn 1885 in ebensolcher Stellung in Paris.[2][3] In den darauffolgenden Jahren lebte er in Berlin.
In seinen Schriften deckte er zumeist kulturhistorische, sozialpolitische und volkswirtschaftliche Themen ab. Er war für mehrere Tageszeitungen feuilletonistisch tätig, schrieb zahlreiche Beiträge für Wochen- oder Monatszeitschriften und veröffentlichte 1889 eine Monographie über das russische Kaiserreich. Darüber hinaus amtierte er als Chefredakteur der Zeitschrift Dies Blatt gehört der Hausfrau,[4] ehe er im Jahr 1900 ab deren 25. Jahrgang die Redaktionsleitung der Zeitschrift Der Bär – Illustrierte Wochenschrift für vaterländische Geschichte übernahm.[5] In diesem Rahmen war er auch in die Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg eingetreten.[5] Unter seiner Ägide erschienen jedoch nur noch zwei Jahrgänge, ehe die Zeitschrift eingestellt wurde.
Für seine gelegentliche belletristische Arbeit nutzte Folticineano zeitweise auch die Pseudonyme „Max Folti“ und „Eugen Milan“.[6][7]
Publikationen (Auswahl)
- Folticineano: Das Zarenreich der Gegenwart. Hugo Steinitz Verlag, 1889, 374 Seiten.
Artikel in Zeitschriften
- Folticineano: Die rumänische Gesellschaft – I. Der Bürgerstand. In: Das Ausland – Wochenschrift für Länder- und Völkerkunde. Jahrgang 55, № 27, 3. Juli 1882, Seiten 537–539.
- Folticineano: Die rumänische Gesellschaft – II. Der Großgrundbesitz. In: Das Ausland – Wochenschrift für Länder- und Völkerkunde. Jahrgang 55, № 28, 10. Juli 1882, Seiten 554–557.
- Folticineano: Die rumänische Gesellschaft – III. Der Bauernstand. In: Das Ausland – Wochenschrift für Länder- und Völkerkunde. Jahrgang 55, № 30, 24. Juli 1882, Seiten 591–595.
- Folticineano: Rumänien ein Industriestaat? In: Das Ausland – Wochenschrift für Länder- und Völkerkunde. Jahrgang 56, № 27, 2. Juli 1883, Seiten 533–535.
- Folticineano: Die Briefmarke. In: Haus und Welt – Mittheilungen über Haus- und Landwirthschaft, Literatur, Kunst, Theater, Musik. Jahrgang 14, № 14, 31. März 1886, Seiten 2–4.
- Folticineano: Cervantes. In: Westermanns illustrierte deutsche Monatshefte. Band 60, 1886, Seiten 656–666.
- Folticineano: Land und Leute in Bulgarien. In: Nord und Süd – Eine deutsche Monatsschrift. Band 45, 1888, Seiten 207–225.
- Folticineano: Die Sekten in Russland. In: Das Magazin für Litteratur. Jahrgang 63, № 24, 16. Juni 1894, Seiten 748–752.
- Folticineano: Die Sekten in Russland II. In: Das Magazin für Litteratur. Jahrgang 63, № 25, 23. Juni 1894, Seiten 781–787.
- Folticineano: Die Sekten in Russland III. In: Das Magazin für Litteratur. Jahrgang 63, № 26, 30. Juni 1894, Seiten 813–818.
- Folticineano: Der Kreislauf des Geldes. In: Daheim – Ein deutsches Familienblatt mit Illustrationen. Jahrgang 34, 1898.
- Folticineano: Das moderne Beleuchtungswesen. In: Über Land und Meer – Deutsche illustrierte Zeitung. Jahrgang 40, Band 79, № 22, Oktober 1898, Seiten 358–359.
Zeitungsartikel
- Serien in der Sonntagsbeilage der Berlinischen Zeitung 1885:
- Folticineano: Französische Staatsphilosophen aus dem achtzehnten Jahrhundert (zwölf Teile zwischen März und Juli; № 13–28).
- Folticineano: Thiers und die Julimonarchie (drei Teile im Dezember; № 49–53).
- Folticineano: Die Aufhebung der Folter in Frankreich. In: Posener Zeitung. Jahrgang 96, № 551, 10. August 1889, Morgenausgabe, Seite 2.
- Folticineano: Racine – Zur 250. Wiederkehr seines Geburtstages. In: Ostdeutsche Presse. Jahrgang 13, № 299, 21. Dezember 1889, 1. Beilage, Seite 6.
- Folticineano: Edelsteine. In: Breslauer Zeitung. Jahrgang 71, № 19, 9. Januar 1890, Morgenausgabe, Seiten 3–4.
- Folticineano: Kartenspiel und Aberglaube. In: Mährisches Tagblatt. Jahrgang 20, № 240, 20. Oktober 1899, Seiten 1–3.
Übersetzung
- Ignati Potapenko: Die Generalstochter. Freie Übertragung aus dem Russischen, Schlesische Buchdruckerei, 1896, 273 Seiten.
Anmerkungen
- ↑ Der Nachnamensbestandteil „Mendelssohn“ – der auf einen jüdischen Familienhintergrund verweist – wird lediglich Ende der 1870er Jahre in den Immatrikulationstabellen der Technischen Hochschule München erwähnt. Es ist möglich, dass Folticineano ihn später nicht mehr verwendete.
Einzelnachweise
- ↑ Personalstand der Königlich Bayerischen Technischen Hochschule zu München im Sommer-Semester 1879. Pössenbacher’sche Buchdruckerei, 1879, Seite 28.
- ↑ a b Joseph Kürschner (Hrsg.): Deutscher Litteratur-Kalender auf das Jahr 1884. Verlag von W. Spemann, 1884, Seite 72.
- ↑ Joseph Kürschner (Hrsg.): Deutscher Litteratur-Kalender auf das Jahr 1885. Verlag von W. Spemann, 1885, Seite 120.
- ↑ Joseph Kürschner (Hrsg.): Deutscher Literatur-Kalender auf das Jahr 1901. G. J. Göschen’sche Verlagsbuchhandlung, 1901, Seiten 368–369.
- ↑ a b Ernst Friedel: 18. (7. ordentliche) Versammlung des VII. Vereinsjahres . In: „Brandenburgia“ – Monatsblatt der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin. Jahrgang 8, 1900, Seiten 1–27.
- ↑ Michael Holzmann; Hanns Bohatta: Deutsches Pseudonymen-Lexikon. Akademischer Verlag, 1906, Seite 92.
- ↑ Michael Holzmann; Hanns Bohatta: Deutsches Pseudonymen-Lexikon. Akademischer Verlag, 1906, Seite 182.