Mauritiussittich

Mauritiussittich

Weibchen des Mauritiussittichs in Zuchtstation

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Altweltpapageien (Psittaculidae)
Unterfamilie: Psittaculinae
Gattung: Edelsittiche (Psittacula)
Art: Mauritiussittich
Wissenschaftlicher Name
Psittacula eques
(Boddaert, 1783)

Der Mauritiussittich (Psittacula eques) ist die einzige noch rezente Art der Papageien, die endemisch auf Mauritius im südlichen Indischen Ozean vorkommt. Alle anderen lokalen Papageienarten sind durch menschlichen Einfluss ausgestorben.

Merkmale

Mauritiussittich erreichen eine Körperlänge (Schnabelspitze bis Ende Schwanzfedern) von 36 bis 42 Zentimeter und ein Gewicht von 167 bis 193 Gramm.[1]

Das Gefieder der Männchen ist in der Regel smaragd- bis grasgrün, mit gelblichem Bauch und Unterseite der Flügel. Eine dünne schwarze Linie verläuft vom oberen Schnabel bis zu den Augen. Breite schnurrbartartige Streifen befinden sich an den unteren Wangen und am Kinn bis zu den Seiten des Halses. Schmale schwarze Halsstreifen werden von blauen Flecken über den Ohren und am Hals und darunter von rosa Linien begrenzt, die bis zum Hinterhals verlaufen. Der oberer Schnabel ist rot, der unterer schwarz. Die Augen sind hellgelb.[2]

Weibchen sind etwas schlichter als Männchen. Sie haben keine Kopfzeichnung, einen komplett schwarzen Schnabel und einen kürzeren Schwanz.[2]

Junge Tiere ähneln erwachsenen Weibchen, jedoch mit kurzem Schwanz. Der Schnabel bei sehr jungen Individuen ist korallenrot bis rosa.[2]

Lautäußerungen

Der Ruf des Mauritiussittich ist ein leises „cha-chaachaa“ mit einer Frequenz von zwei Tönen pro Sekunde, unterbrochen von schrilleren Tönen. Wenn aufgeregt oder im Flug geben sie einen hohen Ruf von sich. Bei Gefahr Bellen sie und sie haben außerdem ein melodisches Schnurren oder Pfeifen im Repertoire.[2]

Verbreitung

Der Mauritiussittich überlebt im Südwesten von Mauritius, nachdem er auf Réunion historisch ausgestorben ist. Einst waren diese Sittiche auf Mauritius weit verbreitet, doch im 19. Jahrhundert begann ihre Zahl zu sinken, bis sie in den 1980er Jahren ihr Bestand auf schätzungsweise 20 Individuen zurückging. Der Rückgang der Art und die Verkleinerung ihres Verbreitungsgebiets wurden wahrscheinlich durch die massive Zerstörung und Degradierung ihres Waldlebensraums verursacht, der in Plantagen umgewandelt wurde.[3]

Mittlerweile leben etwa 700 Tiere im Black-River-Gorges Nationalpark im Südwesten von Mauritius. Auch wurde die Art in den Bambous Bergen im Osten von Mauritius erfolgreich wiederangesiedelt und dort hat sich eine Population etabliert.[4]

Lebensweise

Diese Art lebt heute in Wäldern und Buschlandschaften im Hochland. Tiefland- und Buschwälder dienen als wichtige Nahrungsgebiete. Sie ernähren sich hauptsächlich von einheimischen Pflanzen. Eine Vielzahl von Pflanzenteilen wie Knospen, junge Triebe, Blätter, Blüten, Früchte, Samen, Zweige und sogar Rinde und Saft wird gefressen. Die Vögel suchen einzeln oder in kleinen Gruppen zu verschiedenen Jahreszeiten in unterschiedlichen Gebieten nach Nahrung.[3]

Fortpflanzung

Sie nisten in natürlichen Höhlen einheimischer Bäume und sind monogam. Das Gelege umfasst 1 bis 4 (normalerweise jedoch 2 bis 3) Eier, die von September bis Dezember gelegt und vom Weibchen 21 bis 25 Tage lang bebrütet werden. In der Regel werden ein bis zwei Küken großgezogen. Jungvögel bleiben vermutlich noch länger bei ihren Eltern und werden von ihnen noch mindestens 2 bis 3 Monate nach dem Verlassen des Nestes gefüttert.[3]

Systematik

Als Autor der Erstbeschreibung des Mauritiussittich gilt der niederländische Naturforscher Pieter Boddaert, der der Vogelart 1783 die wissenschaftliche Bezeichnung Psittacus eques gab.[5] Die Gattung Psittacula, zu der der Mauritiussittich heute gehört, wurde 1800 durch den französischen Naturforscher Georges Cuvier eingeführt. 2019 wurde die Gattung einer Revision unterzogen, da die Gattung wahrscheinlich paraphyletisch ist. Dabei wurde der Mauritiussittich in die Gattung Alexandrinus verschoben.[6] Die Bezeichnung Alexandrinus eques hat sich jedoch bis heute nicht durchgesetzt. Die Onlinedatenbanken Birds of the World und die IOC World Bird List verwenden weiterhin die Bezeichnung Psittacula eques,[7][8] während bei der IUCN[9] und einer 2024 veröffentlichen Publikation zum Genom der Art[10] die Bezeichnung Alexandrinus eques verwendet.

Der ausgestorbene Réunion-Halsbandsittich, der auf der Insel Réunion lebte, wird bei Birds of the World und der IOC als Unterart des Mauritiussittich geführt,[7][8] Eine Neubewertung aus dem Jahr 2021 kam zu dem Ergebnis, dass die Populationen nicht nur zur gleichen Art gehören, sondern das diese Art mit ziemlicher Sicherheit monotypisch ist, was bedeutet, dass die Population auf Réunion nicht als von der Population auf Mauritius verschiedene Unterart angesehen werden kann.[11]

Evolution

Für die Papageien auf den Maskarenen wird eine Herkunft aus Südasien angenommen. Während des Pleistozäns lagen die Meeresspiegel deutlich tiefer, so dass es für die Tiere einfacher war, von Insel zu Insel zu gelangen. Von den acht endemischen Papageienarten sind jedoch alle bis auf den Mauritiussittich ausgestorben. Trotz spärlicher Vergleichsmaterialien und Fossilien lässt sich zeigen, dass diese ausgestorbenen Arten Besonderheiten wie vergrößerte Köpfe und Schnäbel sowie robuste Beine und Füße aufwiesen, dafür waren die Knochen und Muskeln der Brust reduziert. Julian P. Hume stellt sie zur Familie der Psittaculini und geht davon aus, dass sie sich durch Adaptive Radiation aus dieser Familie entwickelt haben. Neben morphologischen Eigenschaften spricht dafür die Tatsache, dass die Psittacula-Sittiche geschafft haben, eine ganze Reihe von isolierten Inseln des Indischen Ozeans zu besiedeln.[12] Möglicherweise erfolgte die Besiedlung in mehreren Wellen und vielleicht geschah schon eine Differenzierung auf anderen Hotspot-Inseln, bevor die Maskarenen aus dem Meer auftauchten.[13] 2012 ergab eine genetische Untersuchung, dass der Réunionsittich eine von mehreren Unterarten des Kleinen Vasapapageis von Madagaskar und nahen Inseln sei. Er gehört demnach nicht zu den Psittacula-Sittichen.[14] Das ist umso überraschender, als er vom Körperbau her zu dieser Gruppe zu gehören scheint.[15]

Gefährdung und Schutz

Der Mauritiussittich ist einer der größten Erfolge des Naturschutzes in den letzten Jahrzehnten. In den 1980ern war die Art beinahe ausgerottet. Nur noch etwa 10 Vögel waren übrig und seit den 1970ern hatten sie kaum erfolgreich gebrütet. Vor allem fehlten geeignete Nistgelegenheiten und Bruträuber wie Hausratten und Javaneraffen hatten den Gelegen zugesetzt.[16] Darüber hinaus kam es zu Störungen durch Menschen, wilde Schweine und Hirsche, und die Konkurrenz mit anderen Arten und den neu eingeführten Halsbandsittichen schienen den Mauritiussittich zum Aussterben zu verdammen.

Aber ein Team unter der Leitung von Carl Jones (bekannt durch seinen Einsatz für den Arterhalt des Mauritiusfalken und seine Erwähnung in der Radioserie Die Letzten ihrer Art) übernahm die Erhaltung der Art. Ein aufopferungsvolles Forschungs- und Schutzprojekt wurde gestartet und am Ende der 1980er hatte sich die Situation stabilisiert, wenn auch auf einem sehr niedrigen Level. Mitte der 1990er gab es wieder 50 bis 60 Individuen und eine intensive Betreuung der Wildpopulation durch die Mauritian Wildlife Foundation begann. Diese Bemühungen trugen Früchte und im Januar 2000 war die Zahl der Vögel auf 100 Exemplare angewachsen.

Heute leben wieder 280 bis 300 Tiere in freier Natur. Von den etwa 200 geschlechtsreifen Tieren besteht etwa die eine Hälfte aus Brutpaaren und die andere Hälfte aus einzelnen Männchen. Im Gerald Durrell Endemic Wildlife Sanctuary kam es jedoch zu einigen Verlusten und mittlerweile lebt dort nur noch ein einzelnes Männchen.[16]

Auf der Roten Liste gefährdeter Arten wurde der Mauritiussittich von 1988 bis 1994 als gefährdet (engl.: „threatened“) geführt, von 1994 bis 2007 als vom Aussterben bedroht (engl.: „critically endangered“), und von 2007 bis 2019 als stark gefährdet (engl.: „endangered“). Seit 2019 gilt der Mauritiussittich als gefährdet (engl.: „vulnerable“) unter der Kategorie D1 (weniger als 1.000 ausgewachsene Tiere). Grund für die Aufstufung, sind die Schutzbemühungen, wodurch die Zahl der Tiere in freier Wildbahn nach der Brutzeit 2017 auf über 750 bekannte Individuen stieg. Die Gesamtpopulation auf Mauritius soll etwa 450 geschlechtsreife Individuen umfassen.[9]

Literatur

  • Jim J. Groombridge, Carl G. Jones, Richard A. Nichols, Mark Carlton, Michael W. Bruford: Molecular phylogeny and morphological change in the Psittacula parakeets. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Band 31, Nr. 1, 2004, S. 96–108. doi:10.1016/j.ympev.2003.07.008 (HTML abstract).
  • Julian Pender Hume: Reappraisal of the parrots (Aves: Psittacidae) from the Mascarene Islands, with comments on their ecology, morphology, and affinities. In: Zootaxa. 2007, 1513, S. 1–76 (PDF abstract).
  • Tony Juniper, Mike Parr: Parrots: A Guide to Parrots of the World. Christopher Helm, London 1998, ISBN 1-873403-40-2.

Einzelnachweise

  1. Nigel Collar, Eduardo de Juana, Peter F. D. Boesman: Echo Parakeet (Psittacula eques), version 1.0. In: Birds of the World. 2020, ISSN 2771-3105, doi:10.2173/bow.maupar1.01 (englisch, birdsoftheworld.org [abgerufen am 27. November 2025]).
  2. a b c d Echo Parakeet (Alexandrinus eques). World Parrot Trust, abgerufen am 25. November 2025 (englisch).
  3. a b c BirdLife International: Echo Parakeet (Alexandrinus eques): Species Factsheet. In: DataZone by BirdLife. Abgerufen am 25. November 2025 (englisch).
  4. Echo parakeet management programme. Zoological Society of London, abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
  5. Pieter Boddaert: Table des planches enluminéez d'histoire naturelle de M. D'Aubenton: avec les denominations de M.M. de Buffon, Brisson, Edwards, Linnaeus et Latham, precedé d'une notice des principaux ouvrages zoologiques enluminés. sine nomine, Utrecht 1783
  6. Michael P. Braun, Thomas Datzmann, Thomas Arndt, Matthias Reinschmidt, Heinz Schnitker, Norbert Bahr, Hedwig Sauer-Gürth, Michael Wink: A molecular phylogeny of the genus Psittacula sensu lato (Aves: Psittaciformes: Psittacidae: Psittacula, Psittinus, Tanygnathus, †Mascarinus) with taxonomic implications. In: Zootaxa. Band 4563, Nr. 3, 4. März 2019, ISSN 1175-5334, S. 547–562, doi:10.11646/zootaxa.4563.3.8
  7. a b N. Collar, E. de Juana und P. F. D. Boesman (2020). Echo Parakeet (Psittacula eques), version 1.0. In Birds of the World (J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie und E. de Juana, Hrsg.). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. doi: 10.2173/bow.maupar1.01
  8. a b Frank Gill, David Donsker & Pamela Rasmussen (Hrsg.): Parrots, cockatoos in der IOC World Bird List Version 15.1
  9. a b BirdLife International: Echo Parakeet (Alexandrinus eques, formerly Psittacula eques). Hrsg.: The IUCN Red List of Threatened Species. International Union for Conservation of Nature, 9. Juli 2019 (englisch, iucnredlist.org [abgerufen am 25. November 2025]).
  10. Hernán E. Morales, Jim J. Groombridge, Simon Tollington, Sion Henshaw, Vikash Tatayah, Kevin Ruhomaun, Cock van Oosterhout, M. Thomas P. Gilbert: The genome sequence of the Mauritius parakeet, Alexandrinus eques (formerly Psittacula eques) (A.Newton & E. Newton, 1876). In: Wellcome Open Research. Band 9, 16. Juli 2024, ISSN 2398-502X, S. 378, doi:10.12688/wellcomeopenres.22583.1, PMID 39301440, PMC 11411241 (freier Volltext) – (englisch, wellcomeopenresearch.org [abgerufen am 24. November 2025]).
  11. Justin J. F. J. Jansen, Anthony S. Cheke: Variation in Echo Parakeets (Psittacula eques (Boddaert, 1783) [Psittaculidae]) in relation to inter-island differences. In: Zoosystema. Band 43, Nr. 12, 6. Mai 2021, ISSN 1280-9551, doi:10.5252/zoosystema2021v43a12.
  12. Julian Pender Hume: Reappraisal of the parrots (Aves: Psittacidae) from the Mascarene Islands, with comments on their ecology, morphology, and affinities. In: Zootaxa. 1513, 2007, S. 1–76 (PDF abstract).
  13. A. S. Cheke, J. P. Hume: Lost Land of the Dodo: an Ecological History of Mauritius, Réunion & Rodrigues. T. & A. D. Poyser, 2008, ISBN 978-0-7136-6544-4.
  14. S. Kundu, C. G. Jones, R. P. Prys-Jones, J. J. Groombridge: The evolution of the Indian Ocean parrots (Psittaciformes): Extinction, adaptive radiation and eustacy. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Band 62, Nr. 1, 2011, S. 296–305, doi:10.1016/j.ympev.2011.09.025, PMID 22019932.
  15. J. P. Hume, M. Walters: Extinct Birds. A & C Black, 2012, ISBN 978-1-4081-5725-1.
  16. a b BirdLife International (2007b)
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