Maud Sulter
Maud Sulter (* 19. September 1960 in Glasgow; † 27. Februar 2008 in Dumfries) war eine britische Künstlerin, Fotografin, Dichterin und Kuratorin, deren Arbeiten die Sichtbarkeit schwarzer Frauen in der europäischen Kulturgeschichte ins Zentrum rücken.[1] Sie wurde mit der Porträtserie Zabat (1989) bekannt, in der zeitgenössische schwarze Künstlerinnen als die neun Musen auftreten.[1] Ihre Fotomontage-Serie Syrcas (1993) und die großformatigen Polaroids Les Bijoux (2002) vertiefen diese Auseinandersetzung aus historischem und literarischem Blickwinkel.[2][3]
Leben
Sulter wurde 1960 in Glasgow als Tochter einer schottischen Mutter und eines ghanaischen Vaters geboren.[4] Mit siebzehn zog sie zum Studium am London College of Fashion nach London und erwarb 1990 einen Masterabschluss in Photographic Studies an der University of Derby.[4] Von 1992 bis 1994 war sie Dozentin an der Manchester Metropolitan University.[5]
Zusammen mit der Fotografin Ingrid Pollard (* 1953) begründete Sulter das Blackwomen’s Creativity Project als Forum und Netzwerk für schwarze Frauen. Sie führte zudem einen eigenen Verlag, Urban Fox Press, in dem einige ihrer Bücher erschienen. Zu ihren engen Mitarbeitern gehörte Lubaina Himid, die auch zeitweilig ihre Lebenspartnerin war.[6] Maud Sulter starb 2008 im Alter von 47 Jahren an einer Krebserkrankung in Dumfries,[6] wo sie zuletzt wohnte. Sie hinterließ drei Kinder.[7]
Wirken
Sulter verband Poesie, Fotografie und kuratorische Praxis, um verdrängte Geschichten schwarzer Frauen sichtbar zu machen und dominante Bildtraditionen zu hinterfragen.[1] Mit ihrem Gedichtband As a Blackwoman gewann sie 1984 den Vera Bell Prize. 1989 hatte sie eine Einzelausstellung im Londoner Victoria and Albert Museum.[6] In ihrer Fotoserie Zabat (1989) inszenierte sie neun zeitgenössische schwarze Kreative als die Musen der Antike und reagierte damit programmatisch auf Lücken in Kanon und Museum.[1] Syrcas (1993) thematisiert in dichten Photomontagen die Verfolgung der schwarzen Bevölkerung Europas im Nationalsozialismus und verknüpft diese mit Fragen von Erinnerung und Zeugenschaft.[2] Die Serie arbeitet mit überarbeiteten historischen Ansichtskarten, kunsthistorischen Versatzstücken und wurde von Sulters Gedicht Blood Money begleitet.[2] Im Jahr 2016 zeigte Autograph ABP in London eine Einzelausstellung zu Syrcas.[8] Ihre Werkübersicht Passion wurde 2015 bei Street Level Photoworks in Glasgow und 2016 in erweiterter Form in der Impressions Gallery, Bradford, vorgestellt.[9][10] In Les Bijoux (2002) inszenierte sich Sulter als Jeanne Duval – der von Charles Baudelaire verehrten Schauspielerin – und nahm damit auf Blickpolitiken, Sexualität und die lange Präsenz schwarzer Frauen in der europäischen Kultur Bezug.[11] Weitere Werkgruppen wie Hysteria (1991) und die Polaroid-Porträts der 2000er-Jahre vertiefen diese Strategien; ihre Arbeiten liegen in britischen Sammlungen vor und wurden wiederholt ausgestellt.[10][3]
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Passionate and political: centring black women in Maud Sulter’s Zabat. In: Art UK. 15. Dezember 2021, abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ a b c Maud Sulter, Syrcas. In: Studio International. 2. April 2016, abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ a b Les Bijoux I (2002). In: Tate. Abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ a b Maud Sulter. In: The Women’s Art Collection (University of Cambridge). Abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Maud Sulter. In: National Galleries of Scotland. Abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ a b c Raimund Kühnel: Sulter, Maud. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 107, De Gruyter, Berlin 2020, ISBN 978-3-11-023273-8, S. 128.
- ↑ Maud Sulter. In: The Herald. 22. März 2008. Abgerufen am 28. Oktober 2025.
- ↑ Maud Sulter: Syrcas. In: Autograph. 15. Januar 2016, abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Maud Sulter – Passion. In: Street Level Photoworks. 25. April 2015, abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ a b Maud Sulter: Passion. In: Impressions Gallery. 1. April 2016, abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Maud Sulter retrospective: Passion. In: Amateur Photographer. Abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).