Maud Palmer, Countess of Selborne
Beatrix Maud Palmer, Countess of Selborne, geborene Gascoyne-Cecil (* 11. April 1858 in Marylebone, London; † 27. April 1950 in Liss, Hampshire), war eine britische Adlige, Politikerin und Frauenrechtlerin.[1]
Leben
Palmer war die älteste der drei Töchter und fünf Söhne von Robert Arthur Talbot Gascoyne-Cecil, 3. Marquess of Salisbury (1830–1903), später Premierminister, und seiner Frau Georgina Caroline, geborene Alderson (1826/7–1899). Palmer wuchs damit in einem Haushalt auf, der von öffentlichen Angelegenheiten geprägt war. Palmer erhielt keine formale Ausbildung, entwickelte jedoch durch ihre Familie und die örtliche Primrose League ein Interesse an politischen Angelegenheiten und am Konservatismus.
1883 heiratete sie William Palmer, Viscount Wolmer. Das Paar hatte drei Söhne und eine Tochter: Mabel Laura Georgiana (1884–1958), Roundell Cecil Palmer, später als Nachfolger seines Vater der 3. Earl of Selborne (1887–1971), Robert Stafford Arthur (1888–1916) und William Jocelyn Lewis (1894–1971). William Palmer wurde 1895 2. Earl of Selborne und Palmer damit Countess of Selborne.
Bei der Parlamentswahl von 1885 wurde ihr Ehemann William, damals Viscount Wolmer, als Abgeordneter der Liberal Party ins House of Commons gewählt. Palmer, die ausgeprägt konservative Ansichten hatte und die Conservative Party unterstützte, wurde schnell sein best and most trusted counsellor[2] und gewann ihn allmählich für ihre Ansichten. Zunächst schloss sich William Palmer der Abspaltung der Liberal Unionist Party an und spätestens 1910 wurde er mit dem äußersten rechten Flügel der Conservative Party in Verbindung gebracht.
Ab 1905 bekleidete William Palmer verschiedene hohe Ämter in der Kapkolonie, und Palmer zog mit ihm dorthin und engagierte sich in verschiedenen lokalen Wohltätigkeitsorganisationen. 1910 kehrten sie ins Vereinigte Königreich zurück, und sie wurde Präsidentin der Conservative and Unionist Women’s Franchise Association. In dieser Funktion bereiste sie das Land und sprach sich öffentlich für das Frauenwahlrecht aus. Als die führende Anti-Suffragistin Mary Augusta Ward konservative Befürworterinnen des Frauenwahlrechts beschuldigte, ihrer Partei untreu zu sein und Spaltungen innerhalb derselben zu verursachen, spielte Palmer ihre Herkunft als Tochter eines konservative Premierministers aus und verwies auf weitere frühe Befürworter wie Benjamin Disraeli oder Stafford Northcote. Während sie zunächst nur das Wahlrecht für wohlhabende unverheiratete Frauen unterstützte, befürwortete sie später auch die Einbeziehung verheirateter Frauen, mit der Begründung, dass die meisten verheirateten Frauen konservativ seien. 1913 trat sie zurück, und mit Beginn des Ersten Weltkriegs konzentrierte sie sich stattdessen auf die Förderung der patriotischen Kriegsanstrengungen.
Nach dem Ende des Krieges war die Countess weniger aktiv, wurde jedoch Friedensrichterin in Hampshire und amtierte 1920/21 als Präsidentin des National Council of Women of Great Britain & Ireland.[3]
Palmer starb 1950 auf dem Familiensitz der Palmers in Liss, Hampshire.
Palmers Name und ihr Bild befinden sich auf dem Sockel der Millicent-Fawcett-Statue auf dem Parliament Square in London. In der Nähe von Pretoria in Südafrika gibt es einen Ort namens Lady Selborne, der mit seinem kolonialen Namen während der Apartheid-Ära und deren Ende eine bewegte Geschichte hat.[4]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Sofern nicht anders angegeben folgt die Darstellung Martin Pugh: Palmer, (Beatrix) Maud [née Lady (Beatrix) Maud Gascoyne-Cecil], countess of Selborne (1858–1950). In: Henry Colin Gray Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography, from the earliest times to the year 2000 (ODNB). Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-861411-X; doi:10.1093/ref:odnb/50054 (Lizenz erforderlich), Stand: 24. Mai 2007.
- ↑ The Dowager Countess Of Selborne. In: The Times. 6. Mai 1950.
- ↑ Daphne Glick: The National Council of Women of Great Britain: the first one hundred years, 1895–1994. National Council of Women of Great Britain, London 1995, S. 248.
- ↑ Lucas Ledwaba: A new Lady Selborne is rising from apartheid’s ashes. The Mail & Guardian, 29. September 2017, abgerufen am 19. Dezember 2025.