Matthias von Hülsen

Matthias von Hülsen (* 5. April 1943 in Berlin) ist ein deutscher Kinderarzt und Musikmanager. Er begründete das klassisch ausgerichtete Schleswig-Holstein Musik Festival mit und übertrug die Idee auf die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Seither engagiert er sich für das Kammermusikfestival auf dem schlesischen Gut Kreisau.

Der Junge verlor im November 1943 in Berlin beide Eltern (Hans Carl und Editha von Hülsen) durch einen Volltreffer der Bombardierung. Ihre fünf Kinder wurden Vollwaisen.[1] Verwandte brachten das Baby nach Kreisau zur Familie von Moltke, die Großmutter Leonore (1875–1961) war eine Tante von Helmuth James von Moltke. Vort dort aus musste die ganze Familie 1945 fliehen. Nach der langwierigen Flucht in den Westen wuchs Matthias als Waisenkind mit 35 anderen Kindern bei Wangels auf Gut Testorf auf, wo der traumatisierte Junge auch in der Musik Rückhalt fand.[2] Später heiratete er die Kunsthistorikerin Dorothy von Moltke[3] (* 1949), Tochter von Helmuths Bruder Joachim Wolfgang von Moltke.[4] Sie haben drei Kinder, die Tochter Maria Willer ist Moderatorin bei Klassik Radio und gründete einen Musikkindergarten in Hamburg.[5]

Nach Studium an der Universität Hamburg und Promotion an der Universität Tübingen 1979 praktizierte Matthias von Hülsen 35 Jahre als Kinderarzt in Hamburg-Steilshoop. Parallel zu dieser Tätigkeit begründete er 1986 das Schleswig-Holstein Musik Festival als Leiter der Musikfeste auf dem Lande mit und 1990 die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Bis 2002 und noch einmal von 2009 bis 2013 prägte er als Intendant das drittgrößte Klassikfestival Deutschlands maßgeblich.

2004 wurde von Hülsen erster Stiftungsratsvorsitzender der Freya von Moltke-Stiftung und 2013 gründete er mit der Geigerin Viviane Hagner nach dem Vorbild von Marlboro Music School and Festival ein neues Kammermusikfestival: Krzyżowa Music findet seit 2014 jährlich in Kreisau (Polen), wo der Kreisauer Kreis entstand, statt und ermöglicht jungen Musikern, von international anerkannten Künstlern ausgebildet zu werden. Gleichzeitig soll die europäische Verständigung gefördert werden. Dahinter steht die Überzeugung, dass Musik eine entscheidende Bildungskraft ausübe.[6]

Im Jahr 2020 ist er mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik ausgezeichnet worden. Im Jahr 2023 erhielt er den Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen.[7]

Einzelbelege

  1. Briefe Helmuth J. an Freya v. Moltke, 24. bis 27. November 1943, Beck, München 2005 (u. Anm. S. 585). Eine Schwester war die spätere Pianistin und Bankiersgattin Ignes Ponto, die Kontakte zur Hamburger Musikszene mit Justus Frantz hatte.
  2. Meine Zeit als Waisenkind | Lieder können fliegen. Abgerufen am 10. Oktober 2025.
  3. Erich Heckel 1883-1970. Aquarelle und Zeichnungen aus Norddeutschland, Altonaer Museum in Hamburg 27. Oktober 1970 – 21. Februar 1971, Hamburg 1970. Leonhard Sandrock : 1867 – 1945 ; ausgewählte Werke aus öffentlichem und privatem Besitz. Galerie Pro Art, Verden 1996, ISBN 978-3-926473-06-6.
  4. Der Kosmos von Kreisau. Abgerufen am 10. Oktober 2025.
  5. Wie der Vater, so die Tochter. In: WELT. Abgerufen am 12. Oktober 2025.
  6. Krzyżowa-Music Chamber Music Festival | Music for Europe | Polen. Abgerufen am 12. Oktober 2025.
  7. Hannah_FvMS: Kulturpreis Schlesien • Freya von Moltke-Stiftung. In: Freya von Moltke Stiftung. 11. Oktober 2023, abgerufen am 10. Oktober 2025 (deutsch).