Matthias Moosdorf
Matthias Moosdorf (* 20. April 1965 in Leipzig[1]) ist ein deutscher Cellist, Hochschullehrer und Politiker (AfD). Seit 2021 ist er Mitglied des Deutschen Bundestags.[2][3] Von Ende 2023 bis Mai 2025 war er Leiter des Arbeitskreises für Außenpolitik der AfD-Fraktion. Zudem war er während dieser Zeit auch Außenpolitischer Sprecher.[4]
Leben
Musik
Matthias Moosdorf ist der Sohn des Leipziger Violinisten Otto-Georg Moosdorf.[5] Nach der Berufsausbildung (Elektronik) mit Abitur studierte er an der Hochschule für Musik in Leipzig bei Jürnjakob Timm, Wolfgang Weber und Gerhard Bosse. 1991 legte er das Konzertexamen ab und war bis 1996 Assistent an der Leipziger Hochschule, an der er anschließend bis 2006 einen Lehrauftrag für Violoncello und Kammermusik innehatte.[6]
Moosdorf war von 1988 bis 2019 Mitglied des Leipziger Streichquartetts, mit dem er über 120 CDs einspielte und in 60 Ländern gastierte. Gleichzeitig war er von 1991 bis 2001 Solocellist im Leipziger Kammerorchester. Von 2006 bis 2014 spielte er im Trio Ex Aequo mit Gerald Fauth (Klavier) und Matthias Wollong (Violine) sowie von 2008 bis 2018 im Trio Ecco (!) mit seiner Frau Olga Gollej (Klavier) und Karl Leister (Klarinette). Bis 2018 war er künstlerischer Leiter der Musikreihe Musique aux Salles de Pologne. Er spielt auf einem Cello von Andrea Guarneri aus dem Jahre 1697.[6]
Seit August 2024 ist er Honorarprofessor an der Moskauer Gnessin-Musikhochschule.[7] Der grüne Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz kritisierte, dass diese Berufung zeige, wie eng die Drähte zwischen Moskau und der AfD seien. „Wie man als außenpolitischer Sprecher glaubhaft Politik machen will, während man sich aus Diktaturen über Honorarprofessuren finanzieren lässt, weiß wohl nur die AfD selbst“, sagte von Notz.[8]
Politik
Im September 2016 trat Moosdorf der Partei Alternative für Deutschland bei. Innerparteilich galt er zunächst als enger Vertrauter der Parteivorsitzenden Frauke Petry und ihres Gatten Marcus Pretzell, an deren Hochzeitsfeier er im Dezember 2016 mitwirkte. Er verfasste Texte für Petrys Blog Der Blaue Kanal und fungierte als Berater der AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag.[5] Nach einem Zerwürfnis mit Petry und Pretzell wandte sich Moosdorf dem rechten Parteiflügel zu.[9]
Gemeinsam mit Michael Klonovsky setzte er sich für die Gründung einer parteinahen Stiftung der AfD unter der Bezeichnung Gustav Stresemann-Stiftung ein. Etwa seit Januar 2018 war Moosdorf wissenschaftlicher Mitarbeiter des bayerischen AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Hebner.[10][11] Er gehörte zu den Erstunterzeichnern der Gemeinsamen Erklärung 2018 gegen „illegale Masseneinwanderung“.[12]
Laut Berichten der Leipziger Volkszeitung, des Redaktionsnetzwerks Deutschland und der Zeit im November 2018 war Moosdorf der hauptverantwortliche Treiber für die AfD-Kampagne gegen den UN-Migrationspakt.[13][14] Im Januar 2018 habe Moosdorf erstmals vom Migrationspakt erfahren, die AfD habe eine Debatte im Ausschuss des EU-Parlaments erzwungen. Moosdorf habe die Akten studiert, sich über das Büro Hebner international mit FPÖ, SVP, dem polnischen Botschafter und Italienern ausgetauscht und deutschlandweit Vorträge gehalten. Bis September 2018 sei es gelungen, die Widerstände in der Partei gegen das sperrige Thema zu überwinden.[15]
Seit Februar 2020 ist er Beisitzer im Parteivorstand der AfD Sachsen.[16]
Bei der Bundestagswahl 2021 zog Moosdorf mit 25,6 % der Erststimmen im Wahlkreis Zwickau als Direktkandidat in den Deutschen Bundestag ein.[17] Von 2021 bis 2024 war er außenpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion.[18] Im Jahr 2025 gewann er den Wahlkreis erneut. Im 21. Deutschen Bundestag wollte er wieder Mitglied im Auswärtigen Ausschuss werden, verlor aber fraktionsintern mehrere Kampfabstimmungen um die Plätze, die der AfD zustanden.[19]
Am 22. Juni 2023 soll Moosdorf laut der ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Anke Hennig während einer Bundestagssitzung im Bereich der Garderobe des Reichstagsgebäudes einen Parteikollegen öffentlich mit Hackenschlag und Hitlergruß begrüßt haben.[20] Im Oktober 2025 wurde seine Immunität vom Deutschen Bundestag aufgehoben, um strafrechtliche Ermittlungen zu ermöglichen.[21] Im Dezember 2025 erhob die Staatsanwaltschaft Berlin Anklage gegen Moosdorf;[22][23] dieser bestritt die Vorwürfe.[20]
Funktionen und Mitgliedschaften
- 2019 stellv. Vorsitz der Oswald-Spengler-Stiftung (vorher: Gustav Stresemann Stiftung)
- Mitglied und zeitweise im Vorstand der Gesellschaft Harmonie Leipzig[24]
- Besitzer und Geschäftsführer der von 2017 bis 2022 existierenden Pierrot Lunaire GmbH, Wermsdorf, die u. a. die Seite der AfD Sachsen gestaltete[25]
- Außerordentliches Mitglied des Goethe-Instituts
Preise und Auszeichnungen
Zu den Auszeichnungen des Leipziger Streichquartetts, dessen Mitglied Moosdorf von 1988 bis 2019 war, siehe dort.
Kritik und Kontroversen
Im August 2018 schrieb Moosdorf in einem Blog-Kommentar dem ehemaligen Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, Christian Wolff, eine Mitverantwortung für Gewaltdelikte in Deutschland zu: „Ärzte werden früh in ihrer Sprechstunde für andere Menschen von Migranten ermordet, Mädchen werden vergewaltigt und umgebracht. Jeden Tag. Und Leute wie Sie, die das alles von der unsäglichen Kanzel mit auf den Weg gebracht haben, sorgen sich um das Bild in der Öffentlichkeit.“ Ein Strafantrag Wolffs gegen Moosdorf wegen Verleumdung wurde von der Staatsanwaltschaft Leipzig zurückgewiesen.[26][27] Moosdorf bezeichnete die Vorwürfe auf Nachfrage als unsinnig, da Verleumdung Öffentlichkeit brauche, sein Kommentar aber nicht veröffentlicht worden sei.[28] Die Staatsanwaltschaft sah die Tatbestände der Verleumdung und der üblen Nachrede nicht erfüllt, da es sich um Werturteile handele, die wegen fehlender Veröffentlichung auch keine Behauptung gegenüber Dritten darstellten. Wolff kritisierte die Entscheidung der Staatsanwaltschaft.[29] An anderer Stelle behauptete Moosdorf, Migranten seien „völlig unberechenbare, unserer Kultur fremde Menschen“.[30]
Dem Nachrichtenportal T-Online zufolge wurden zwei Cellokonzerte, die Moosdorf und seine Frau Olga Gollej gemeinsam in Russland gaben, durch Gelder aus Wladimir Putins „Präsidialfonds für Kulturinitiativen“ ermöglicht.[31] Am 10. September 2025 verhängte die AfD‑Fraktion gegen Moosdorf wegen einer nicht genehmigten Russlandreise ein Ordnungsgeld von 2.000 Euro und entzog ihm für sechs Sitzungswochen Redezeit. Moosdorf berief sich auf private Gründe und legte Einspruch ein.[23][32] Der Arbeitskreis Außen der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag setzte Moosdorf als außenpolitischen Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion im Mai 2025 ab; ihm folgte Markus Frohnmaier nach.[33][34]
Privates
Moosdorf ist verheiratet mit der 1983 in Kasachstan geborenen Pianistin Olga Gollej[35] und hat vier Kinder.[36][37]
Schriften
- Ludwig van Beethoven. Die Streichquartette. Bärenreiter 2007, ISBN 978-3-7618-2108-4
Weblinks
- Biografie beim Deutschen Bundestag
- Politische Website von Matthias Moosdorf
- Private Website von Matthias Moosdorf
- Matthias Moosdorf auf abgeordnetenwatch.de
Einzelnachweise
- ↑ Matthias Moosdorf, AfD. bundestag.de, abgerufen am 7. Oktober 2021.
- ↑ Gewählte 'M' - Der Bundeswahlleiter. Abgerufen am 28. September 2021.
- ↑ Matthias Moosdorf. In: AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag. Abgerufen am 30. August 2024 (deutsch).
- ↑ AK03 - Auswärtige Angelegenheiten - AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag. 11. Dezember 2023, abgerufen am 20. Mai 2025.
- ↑ a b Inge Kloepfer: Wut, Bürger. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. April 2017, S. 22.
- ↑ a b Lebenslauf Matthias Moosdorf ( vom 14. Dezember 2018 im Internet Archive) auf der Website des Leipziger Streichquartetts, abgerufen am 30. August 2019.
- ↑ Politische Ausrichtung „interessiert mich nicht“: AfD-Bundestagsabgeordneter nimmt Professur an Moskauer Hochschule an. In: Tagesspiegel. 9. Oktober 2024, abgerufen am 9. Oktober 2024.
- ↑ Nebenjob in Moskau: AfD-Abgeordneter als Honorarprofessor tätig, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. Oktober 2024, S. 4.
- ↑ Henriette Jedicke: Strippenzieher mit Verbindung zur extremen Rechten – Das sind die radikalen AfD-Hintermänner. In: Focus (online), 22. März 2018.
- ↑ Matthias Kamann: AfD-Gutachten rät Partei ab, Stiftung nach Stresemann zu benennen. In: Welt (online), 1. März 2018.
- ↑ Nicola Abé u. a.: Die Schlafwandler. In: Der Spiegel. Nr. 50/2018, 8. Dezember 2018, S. 16.
- ↑ Jan Sternberg: Tellkamp, Sarrazin, Broder: „Erklärung 2018“ besetzt rechte Positionen. In: Leipziger Volkszeitung (online), 20. März 2018.
- ↑ Jan Sternberg: Ein Leipziger Cellist steckt hinter der Anti-Migrationspakt-Kampagne. 20. November 2018, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 26. November 2020; abgerufen am 24. Mai 2019.
- ↑ Mariam Lau, Mark Schieritz, Michael Thumann: UN-Migrationspakt: Rekonstruktion eines Missverständnisses. In: Die Zeit. 29. November 2018, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 30. August 2024]).
- ↑ Leipziger Volkszeitung: AfD: Ein Leipziger Cellist steckt hinter der Anti-Migrationspakt-Kampagne. 20. November 2018, abgerufen am 30. August 2024.
- ↑ Urban weiter AfD-Chef in Sachsen www.sueddeutsche.de, 1. März 2020
- ↑ Ergebnisse Zwickau - Der Bundeswahlleiter. Abgerufen am 29. September 2021.
- ↑ Annika Leister: Zu russlandfreundlich: Moosdorf als Leiter des Arbeitskreis Außen der AfD abgesetzt. In: t-online.de. 12. November 2024, abgerufen am 12. November 2024.
- ↑ Tom Kollmar: Das steckt hinter der neuen Russland-Strategie der AfD. In: n-tv.de. 20. Mai 2025, abgerufen am 21. Mai 2025.
- ↑ a b Mutmaßlicher "Hitlergruß": Anklage gegen AfD-Abgeordneten Moosdorf. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
- ↑ AfD-Abgeordneter wegen Hitlergruß im Bundestag angeklagt. In: Die Zeit. 15. Dezember 2025, abgerufen am 15. Dezember 2025.
- ↑ sei/AFP: Hitlergruß im Bundestag: Anklage gegen AfD-Bundestagsabgeordneten Matthias Moosdorf / Die Staatsanwaltschaft Berlin hat wegen eines Hitlergrußes im Garderobenbereich des Bundestags Anklage gegen den 60-jährigen AfD-Abgeordneten Matthias Moosdorf erhoben. Seine Immunität hatte er bereits im Oktober verloren. In: Spiegel (Hrsg.): Der Spiegel. 15. Dezember 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 15. Dezember 2025]).
- ↑ a b dpa/ms/LTO-Redaktion: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage: Hitlergruß im Bundestag? Legal Tribune Online, 15. Dezember 2025, abgerufen am 15. Dezember 2025.
- ↑ Impressum. In: Harmonie Leipzig. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
- ↑ AfD Sachsen - Gestaltung. 8. Juli 2020, abgerufen am 15. Dezember 2025.
- ↑ mdr.de: Pfarrer Wolff kritisiert Staatsanwaltschaft Leipzig scharf | MDR.DE. Abgerufen am 24. Mai 2019.
- ↑ Strafantrag gegen Matthias Moosdorf (AfD) – CHRISTIAN WOLFF. 3. September 2018, abgerufen am 30. August 2024 (deutsch).
- ↑ Leipziger Volkszeitung: Leipziger Ex-Pfarrer Wolff stellt Strafantrag gegen AfD-Mitarbeiter. 29. August 2018, abgerufen am 30. August 2024.
- ↑ Leipziger Volkszeitung: Strafantrag von Leipziger Pfarrer gegen AfD-Mitarbeiter zurückgewiesen. 19. September 2018, abgerufen am 30. August 2024.
- ↑ Christian Grimm: Wahlsieger AfD: Warum tickt der Osten auch 31 Jahre nach der Wiedervereinigung noch anders? In: Augsburger Allgemeine. 1. Oktober 2021, abgerufen am 30. August 2024.
- ↑ Der AfD-Abgeordnete spielte, der Kreml zahlte
- ↑ Simon Sales Prado, dpa: Matthias Moosdorf: AfD verhängt Ordnungsgeld gegen Abgeordneten nach Russlandreise. In: Die Zeit. 16. September 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 15. Dezember 2025]).
- ↑ AfD-Außenpolitiker verstrickt sich in Widersprüche (13. Dezember 2024)
- ↑ Deutschlandfunk.de: AfD-Delegation erneut zur Vernetzung in den USA – Partei spürt Rückenwind durch neue Sicherheitsstrategie der Trump-Regierung
- ↑ Olga Gollej auf der Website des Russlanddeutschen Kulturpreises, abgerufen am 17. Dezember 2025
- ↑ Matthias Moosdorf, AfD Musiker, auf bundestag.de
- ↑ Er spielt jetzt bei der AfD, zeit.de vom 9. März 2025