Matthias Bähr
Matthias Bähr (* 1982 in Worms) ist ein deutscher Historiker.
Matthias Bähr studierte von 2003 bis 2008 die Fächer Neuere und Neueste Geschichte, Politikwissenschaft und Öffentliches Recht in Münster und Dublin. Er war von 2008 bis 2011 Doktorand im Graduiertenkolleg des Exzellenzclusters „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und der Moderne“ an der Universität Münster. Bei Barbara Stollberg-Rilinger wurde er 2011 in Münster promoviert mit einer Arbeit über „Argumentationsstrategien bäuerlicher Gemeinden vor dem Reichskammergericht“. Von 2014 bis 2022 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für die Geschichte der Frühen Neuzeit der Technischen Universität Dresden bei Gerd Schwerhoff mit den Projekten „No Country for Old Men“ und „Totes Kapital“.
Im Jahr 2019 folgte die Habilitation an der Technischen Universität Dresden im Fach Neuere Geschichte über „Konfessionelle Mehrdimensionalität in der frühen Neuzeit“. Bähr hatte Vertretungsprofessuren von 2022 bis 2024 für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Goethe-Universität Frankfurt am Main für Birgit Emich im Sommersemester 2024 für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Technischen Universität Dresden. Von 2024 bis 2025 war er Fellow am Käte Hamburger Kolleg „Einheit und Vielfalt im Recht“ an der Universität Münster. Seit 1. Oktober 2025 lehrt er als W3-Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte religiös-konfessioneller Vielfalt, die historische Konfliktforschung, der Umgang mit frühneuzeitlichen Human Remains (menschliche Überreste) und die historische Intersektionsanalyse. Auf der Grundlage von rund 40 erstinstanzlichen Untertanenprozessen im Zeitraum von 1693 bis 1806 und mehreren hundert Verhörprotokollen konnte er in seiner Dissertation beispielsweise zeigen, dass die Dörfer und Bauern in der ausgehenden Neuzeit den Herren durchaus selbstbewusst gegenübertreten konnten.[1] In seiner Habilitation befasste er sich mit der Glaubensspaltung zwischen Katholiken und Protestanten in Irland im Jahr 1600. Durch neue kulturhistorische Konzepte und klassische Forschungsansätze entwirft die Studie ein neues Bild religiös-konfessioneller Koexistenz.
Schriften (Auswahl)
Monographien
- Konfessionelle Mehrdimensionalität in der Frühen Neuzeit. Irland um 1600 (= Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London Band 88). De Gruyter Oldenbourg, Berlin 2023, ISBN 978-3-11-078271-4 (online)
- Die Sprache der Zeugen. Argumentationsstrategien bäuerlicher Gemeinden vor dem Reichskammergericht (1693–1806) (= Konflikte und Kultur Band 26). UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz u. a. 2012, ISBN 978-3-86764-397-9.
Herausgeberschaften
- mit Sarah-Maria Schober: Totes Kapital, Themenheft der Historischen Anthropologie 30:3 (2022).
- mit Florian Kühnel: Verschränkte Ungleichheit. Praktiken der Intersektionalität in der Frühen Neuzeit (= Zeitschrift für Historische Forschung. Beiheft 56). Duncker & Humblot, Berlin 2018, ISBN 978-3-428-15483-8.
Weblinks
- Literatur von und über Matthias Bähr im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Seite von Matthias Bähr an der Universität Düsseldorf
Anmerkungen
- ↑ Vgl. dazu die Besprechungen von André Holenstein in: Historische Zeitschrift 298, 2014, S. 500–502; Alexander Denzler in: Jahrbuch für Regionalgeschichte 33, 2015, S. 163f.; Anja Amend-Traut in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung 131, 2014, S. 490–493; Tobias Schenk in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 121, 2013, S. 519–521 (online); Robert Riemer in: sehepunkte 13 (2013), Nr. 11 [15. November 2013], (online); Ralf-Peter Fuchs in: Zeitschrift für Historische Forschung 41, 2014, S. 540–542 (online).