Matsumoto Haruko
Matsumoto Haruko (japanisch 松本 春子; wirklicher Name: Ogawa Haruko (小川 春子); geboren 2. April 1900 in Obihiro, Hokkaidō; gestorben 27. Juni 1989 in Sapporo, Hokkaidō) war eine japanische Kalligrafin des Shodō. Sie galt in ihrer Zeit als führende Kalligrafin der Kana-Schrift in Hokkaidō. Sie war Ehrenmitglied der „Mainichi Shodō-Ten“ (Mainichi Kalligrafie-Ausstellung) und der „Sōgen Shodō Kai“ (Sōgen Kalligrafie Gesellschaft). Sie war mit dem Arzt Matsumoto Kotarō verheiratet, mit dem sie fünf Kinder hatte, drei Töchter und zwei Söhne.
Leben und Wirken
Schule
Haruko wurde 1900 in Obihiro geboren, eine Zeit, in der die Auffassung, Gelehrsamkeit sei für Frauen überflüssig, vorherrschte. Entgegen dem Zeitgeist war ihr Vater fortschrittlich und unterrichtete Kaneko im Kindesalter im Lesen und Rechnen mit dem Soroban. Insbesondere legte er Wert auf die Kalligrafie und er besaß als Abgeordneter des Landtags in Hokkaidō auch alle dazu wichtigen Utensilien aus chinesischer Herstellung. Kaneko besuchte die Hokkaidō-Sapporo-Kita Oberschule, an der sie von Aki Sayo (1876–1961) unterrichtet wurde, eine Pädagogin, die 30 Jahre an dieser Schule wirkte und sich für die Bildung von Mädchen starkmachte. Kaneko war beeindruckt von der Schönschrift ihrer Lehrerin, die sie auch in der Waka-Dichtung unterrichtete und mit den Anthologien Man’yōshū und dem Kokin-wakashū vertraut machte. All dies erweckte in Kaneko den Wunsch, Kalligrafin zu werden und japanische Literatur zu studieren.
Heirat
Als jedoch ihre ältere Schwester eine Fehlgeburt hatte und ihre Mutter ins Krankenhaus eingeliefert wurde, schien es nun an ihr, schnell zu heiraten, um ihre Mutter sorgenfrei zu stellen. Kaneko kehrte daher 1917 in ihre Heimatstadt Obihiro zurück. Durch Ehevermittlung (Omiai) eingeleitet, heiratete sie 1919 den Arzt Matsumoto Kotarō (1890–1968), der seinen Abschluss an der kaiserlichen Universität Kyūshū gemacht hatte und später Leiter der Ärztekammer Hokkaidō wurde.[1] Kotarō zog nach Sapporo, arbeitete dort zunächst als niedergelassener Arzt und eröffnete 1927 ein eigenes Unternehmen. Kaneko wurde Mutter und Hausfrau, sodass sich ihr Lebensweg zunächst einmal von der Kalligrafie entfernte. Ihre älteste Tochter Toshiko Nagai wurde Musikerin für traditionelle japanische Musik (邦楽, Hōgaku), ihre Sohn Takeshi Matsumoto unterrichtete in der technischen Fakultät der Tōkai-Universität. Ihre Tochter Akiko Matsumoto wurde ebenfalls Kalligrafin und ihre Tochter Nobuko Yagi eine ausgezeichnete Malerin.[2]
Kalligrafie
Kanekos Leidenschaft für die Kalligrafie sollte 1931 durch eine zufällige Begegnung mit dem Kalligraphen und Tanka-Dichter Onoe Saishū bei einem Vortrag über Kalligrafie in Sapporo wieder erweckt werden.[3] Ihr Mann unterstützte ihr Vorhaben und so begann Kaneko, sich im Alter von 31 Jahren ihrer Leidenschaft zu widmen. Die Anfangszeit gestaltete sich zunächst schwierig, da Kaneko sich tagsüber um ihre Kinder und ambulante Patienten kümmern musste, doch sie verbesserte durch beharrliches Üben und unter der Anleitung von Onoe ihre Fertigkeiten kontinuierlich. 1934 wagte sie den Versuch, eine eigene Arbeit mit Gedichten zu den vier Jahreszeiten aus dem Man’yōshū in die renommierte Kalligrafie-Ausstellung (書道展, Shodō-Ten) einzubringen. Was als Versuch gedacht war, wurde mit einem Anerkennungsschreiben belohnt. Nach diesem ersten Erfolg verstarb jedoch überraschend ihr zweitältester Sohn im Alter von drei Jahren. Diesen Schicksalsschlag brachte Kaneko zu Papier. Ihre Anstrengungen wurden 1936 mit einem Sonderpreis der „Morgenländischen Kalligrafie-Ausstellung“ (泰東書道院展, Taitō shodō inten) belohnt. Anlässlich der Preisverleihung sah Kaneko eine handschriftliche Fassung des „Midō kanpakuki“ (御堂関白記), der ältesten Autobiographie über den Zeitraum von 998–1020, geschrieben vom Regenten Fujiwara no Michinaga. Dieses historische Dokument wurde zum Referenzpunkt für Kanekos Kana-Schrift, für die sie 1938 bei „Morgenländischen Kalligrafie-Ausstellung“ die höchste Anerkennung erntete. Von 1943 an fand diese Ausstellung aufgrund des Zweiten Weltkriegs nicht statt, sodass Kaneko die Zeit nutzen konnte, ihre Fähigkeiten zu trainieren.
Sarawabi-Gesellschaft und Krankheit
Mit dem zunehmenden Ansehen Kanekos nahm auch die Zahl derjenigen zu, die von ihr unterrichtet werden wollten, woraufhin Kaneko die „Sarawabi-Gesellschaft“ (さわらび会) für Kalligrafie gründete.[3] Der Name der Gesellschaft Sarawabi (Farnkraut, Adlerfarn) leitet sich aus dem Gedicht zum Frühling ab, das sie 1934 als erste Arbeit eingereicht hatte. Das Gedicht wurde ausgewählt, weil das Schriftzeichen für Frühling haru (春) auch das erste Schriftzeichen ihres Vornamens Haruko (春子) ist. Im Gedicht kündigt das Farnkraut den nahenden Frühling an:
「石走る垂水の上のさわらびの萌え出づる春になりにけるかも」
„Ihabashiru tarumi no ue no Sarawabi no moeizuru Haru ni narinikeru kamo“
„Mit aufbrechenden Knospen des Adlerfarns am Wasserfall, der über die Klippen schäumt, kündet der Frühling sich an![4]“
Die Sarawabi-Gesellschaft war die Keimzelle der Kana-Kalligrafie auf Hokkaidō.
1938 erlitt Kaneko einen Hirninfarkt und fiel in Ohnmacht. Der Infarkt hinterließ zwar keine dauerhaften Folgen, doch wurde bei der Nachuntersuchung Gebärmutterkrebs diagnostiziert. Kaneko musste ein Zwangspause einlegen, um sich zu kurieren.
Nachdem sich ihr Gesundheitszustand gebessert hatte, begann Kaneko 1948 an der Fuji Frauenuniversität zu unterrichten.[3] 1952 wurden erstmals außerhalb Tokios in Sapporo Originalhandschriften des kaiserlichen Hofs der Heian-Zeit ausgestellt, zu der sich die gesamte Kalligrafiegemeinde Hokkaidōs versammelte. Nach Jahrzehnten kalligraphischer Arbeit wurde Kaneko 1979 bei einer Einzelausstellung mit dem Preis für hervorragende Verdienste um die Kultivierung von Hokkaidō (北海道開発功労賞) geehrt.[3]
Kaneko starb 1989 im Alter von 89 Jahren an Herzversagen in einem Krankenhaus in Sapporo. Kanekos Arbeit, die Sarawabi-Gesellschaft und der Unterricht an der Fuji Frauenuniversität werden von ihrer Tochter Akiko fortgeführt.
2001 eröffnete das Hakodate Museum of Art, Hokkaido unter dem Titel „Moderne Kalligrafie - Matsumoto Kaneko“ (現代の書 松本春子展) eine Ausstellung mit ihren Arbeiten.[3]
Auszeichnungen
- 1961 Kulturpreis der Hokkaidō-Shimbun
- 1968 Kulturpreis der Präfektur Hokkaidō
- 1978 Orden des Heiligen Schatzes, 5. Verdienstklasse
- 1979 Preis für hervorragende Verdienste um die Kultivierung von Hokkaidō
Literatur
- 1972 Shinshū Sarawabi-chō (新修さわらび帖), ISBN 978-4-316-38161-9
- 1979 Gendai joryū kana shodō (現代女流かな書道)
Weblinks
- 松本春子. Kunstmuseum Hokkaidō, abgerufen am 1. Januar 2026 (japanisch, Datenbank des Museums mit Kanekos Arbeiten).