Massaker von Port Arthur (Australien)

Das Massaker von Port Arthur geschah am 28. April 1996 im australischen Touristenort Port Arthur, Tasmanien. Der Massenmörder Martin Bryant erschoss dabei 35 Personen und verletzte 23.[1] Dies ist das verheerendste Massaker in der modernen Geschichte Australiens.

Hintergrund

Als ein Motiv für das Massaker gilt ein gescheiterter Kauf des Bed and Breakfast Seascape durch Bryants Vater Maurice Bryant, das letztlich von Noelene und David Martin erworben wurde. Bryant war überzeugt, dass die Enttäuschung seines Vaters zu dessen Suizid führte. Bryant äußerte sich später sehr negativ zum Ehepaar Martin und entwickelte ab 1995 einen stärkeren Alkoholkonsum.[2]

Mit seiner Tat wollte Bryant zudem Bekanntheit erlangen. Nach dem Massaker erkundigte er sich wiederholt nach der Anzahl der Opfer und schien vom Ausmaß der Tat beeindruckt.[3] Bryant besaß weder einen Führerschein noch eine Waffenlizenz.[4]

Tathergang

Die ersten Opfer des Massakers waren die Ehepartner Noelene und David Martin, die Bryant in ihrem Seascape-Anwesen erschoss.[5]

Am frühen Nachmittag fuhr Bryant in die Port Arthur Historic Site. Nach einer Mahlzeit im Broad Arrow Café erschoss er dort sowie in einem nahegelegenen Geschenkeladen 20 Personen aus kurzer Distanz, darunter Kinder sowie Touristen aus Malaysia und den Vereinigten Staaten. Weitere Personen wurden auf einem Busparkplatz vor dem Café erschossen. Anschließend begab sich Bryant zum Ausgang des historischen Areals, erschoss dort vier Insassen eines BMW E23 und nutzte fortan diesen Wagen.[5]

An einer Tankstelle tötete er eine Person und entführte Glenn Pears. Auf dem Weg zurück zum Seascape-Anwesen schoss er mehrmals auf vorbeifahrende Fahrzeuge, wobei mehrere Personen Schussverletzungen erlitten. Er verschanzte sich im Seascape-Anwesen, lieferte sich einen Schusswechsel mit der örtlichen Polizei und erschoss seine Geisel.[5]

Bryant wurde am Morgen des 29. April gefasst, bei einem vermutlich von ihm gelegten Brand im Seascape-Anwesen.[6]

Folgen

Die Port Arthur Historic Site blieb für mehrere Wochen geschlossen. Das Café, in dem sich ein Großteil der Opfer befand, wurde abgerissen und zu einer Gedenkstätte umgebaut.[7]

Als Reaktion auf das Massaker wurden die australischen Waffengesetze verschärft, und ein National Firearms Agreement begrenzt seither den Besitz von halbautomatischen Waffen. Innerhalb eines Jahres nach dem Massaker kaufte die australische Regierung aus privatem Besitz für 350 Mio. US-Dollar knapp 643.000 Waffen zurück, die zum größten Teil vernichtet wurden.[8]

Nach seiner Verhaftung wurde Bryant unter polizeilicher Aufsicht im Royal Hobart Hospital behandelt. Am 22. November 1996 wurde er zu 35 mal lebenslänglicher Haft für jeden der Morde sowie zu 25 Jahren für weitere 36 Anklagepunkte verurteilt, die er in Hobart absitzt.

Verfilmung

Der Film Nitram kam im Herbst 2021 in die Kinos. Er basiert auf dem Leben des Täters Martin Bryant und wurde bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes sowie beim CinefestOZ ausgezeichnet.[9]

Commons: Port Arthur massacre (Australia) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. The new charges against Bryant auf geniac.net vom 6. Juli 1996, abgerufen am 14. Dezember 2025
  2. Psychiatric Report, Martin Bryant, Date of Birth 7/5/66.
  3. Managing Martin: The Jailing of Martin Bryant, Broadcast vom 16. März 1997, aufgerufen am 14. Dezember 2025 im Internet Archive.
  4. A Transcript of the Police Interview with Martin Bryant vom 1. Mai 2012, abgerufen am 14. Dezember 2025.
  5. a b c Altmann, Carol (2006). The Massacre. After Port Arthur. Allen & Unwin. ISBN 1-74114-268-7.
  6. Biografie von Martin Bryant, auf biography.com, abgerufen am 14. Dezember 2025 im Web Archive.
  7. Port Arthur Memorial Garden, auf monumentsaustralia.org, abgerufen am 14. Dezember 2025.
  8. Buyback of guns 'a life-saver', auf andrewleigh.org vom 23. April 2007, abgerufen am 14. Dezember 2025.
  9. Martin Bryant film Nitram wins $100,000 CinefestOZ prize as WA premiere screens in Busselton auf perthnow.com.au vom 28. August 2021, abgerufen am 14. Dezember 2025.