Maryna Solatawa

Maryna Solatawa (belarussisch Марына Васільеўна Золатава, russisch Марина Васильевна Золотова; * 6. November 1977[1] in Minsk, Belarus[2]) ist eine belarussische Journalistin und ehemalige politische Gefangene, die 2025 im Zuge einer von Belarus und den Vereinigten Staaten vereinbarten Freilassung von insgesamt 123 Gefangenen aus der Haft entlassen wurde.[3] 2004 wurde sie die Chefredakteurin von TUT.BY. Nascha Niwa kürte sie 2018 zur Person des Jahres.

Frühes Leben, Ausbildung und Karriere

Sie wurde 1977 in Minsk geboren. Sie hat zwei Hochschulabschlüsse. Ein Abschluss war an der Belarussischen Staatlichen Universität, wo sie ein Diplom im Fach Philologie erwarb. Der zweite Abschluss bezog sich auf die Aspirantur am Institut für Linguistik der Nationalen Akademie der Wissenschaften von Belarus.[4] Sie spricht Bulgarisch als Fremdsprache.[4]

Sie arbeitete am Institute der wissenschaftlichen Probleme und für die Nachrichtenagentur BelaPAN.[2] Im Frühjahr 2004 übernahm sie eine Stelle beim Web-Portal TUT.BY. Im selben Jahr wurde sie die Chefredakteurin der Website.[2]

„BelTA-Fall“

Am 7. August 2018 wurde das TUT.BY Büro durchsucht.[5] Solatawa wurde danach eingesperrt. Sie wurde gemäß Artikel 425 Teil 2 des Strafgesetzbuches der Republik Belarus (Untätigkeit einer Funktionärin) angeklagt, da sie angeblich den Zugang zum BelTA-Newsfeed ohne bezahltes Konto ermöglicht. Am 4. März 2019 befand das Sawodski-Bezirksgericht Minsk Solatawa für schuldig. Sie wurde zu einer Geldstrafe in 300 Basiseinheiten verurteilt.[6] Der „BelTA-Fall“ gab Anlass zu einer negativen Reaktion einer Reihe von EU-Staaten und -Institutionen, insbesondere der Hohen Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik Federica Mogherini, der Europarat und dem Auswärtige Amt, dem UN-Sonderberichterstatter für Belarus Miklós Haraszti, den Vereinigten Staaten sowie internationalen Menschenrechtsorganisationen.[7][8]

Politische Verfolgung und Freilassung (2021–2025)

Sie wurde am 18. Mai 2021 zusammen mit anderen Mitarbeitern von TUT.BY festgenommen, als gegen sie alle ein Strafverfahren eingeleitet wurde.[9] Ihre Anklage lautet Beihilfe zur Steuerhinterziehung.[10] Am 25. Mai 2021 gaben neun Organisationen (Wjasna, der Belarussische Journalistenverband, das Belarussische Helsinki-Komitee u. a.) eine gemeinsame Erklärung ab und erkannten alle 15 festgenommenen TUT.BY-Mitarbeiter als politische Gefangene an.[9] Am 14. September 2021 übernahm Alois Rainer, Mitglied des Deutschen Bundestages, die Patenschaft für die politische Gefangene.[11]

Im März 2023 wurde Solatawa zu 12 Jahren Haft in einer Strafkolonie des Generalregimes verurteilt.[12] Nach Angaben der BBC standen ihre Inhaftierung und die Verfahren gegen zahlreiche andere Regimegegner im Kontext der anhaltenden politischen Repression in Belarus seit der als unfair kritisierten Präsidentschaftswahl 2020, nach der Massenproteste brutal von der Polizei niedergeschlagen und Hunderte Menschen festgenommen wurden, darunter die Oppositionspolitikerin und Bürgerrechtlerin Maryja Kalesnikawa.[3] Die politische Unterdrückung und die Anzahl der politischen Gefangenen nahm in den Folgejahren weiter zu.[3]

Am 13. Dezember 2025 wurde Solatawa gemeinsam mit insgesamt 123 Gefangenen aus belarussischen Haftanstalten freigelassen, nachdem sich die Regierung in Minsk nach Gesprächen mit den Vereinigten Staaten auf die Aufhebung von Sanktionen gegen den für Belarus wirtschaftlich wichtigen Kalidüngersektor geeinigt hatte.[3] Zu dieser Gruppe von Freigelassenen zählten neben ihr auch die Oppositionspolitikerin Maryja Kalesnikawa, der Friedensnobelpreisträger Ales Bjaljazki und der frühere Präsidentschaftskandidat Wiktar Babaryka.[3] Die USA kündigten an, dass bei einer weiteren Normalisierung der Beziehungen zwischen Belarus und den USA schrittweise zusätzliche Sanktionen aufgehoben würden.[3] Die im Exil lebende Oppositionsführerin Swjatlana Zichanouskaja begrüßte die Freilassung der politischen Gefangenen, betonte jedoch, dass internationale Sanktionen aus ihrer Sicht ein wichtiges „Druckmittel“ gegenüber autoritären Herrschern seien und Lukaschenka politische Häftlinge als „Verhandlungsmasse“ nutze, die er „so teuer wie möglich verkaufen“ wolle.[3]

Auszeichnungen

  • „Person des Jahres“ laut Nascha Niwa (2018)[13]
  • nach Ales Lipaj (der Gründer von BelaPAN) benannten Preis „Die Ehre des Journalismus“ (2019)[14]

Bewertungen

Die Witwe des Gründers von TUT.BY Jury Zisser Julija Tscharnjauskaja nannte Solatawa „die Mutter von TUT.BY“.[15]

Persönliches Leben

Sie ist verheiratet, hat eine Tochter, Nadseja, und einen Sohn, Fjodar.[2]

Einzelnachweise

  1. Марина Золотова – Политзаключённые в Беларуси. Wjasna, abgerufen am 2. Oktober 2021.
  2. a b c d Змитер Панковец: Пять фактов о главном редакторе TUT.by Марине Золотовой. Она задержана на трое суток. Nascha Niwa, 7. August 2018, abgerufen am 2. Oktober 2021 (russisch).
  3. a b c d e f g Sarah Rainsford, Dearbail Jordan: Belarus frees 123 prisoners as US lifts sanctions. In: BBC News. 13. Dezember 2025, abgerufen am 13. Dezember 2025 (englisch).
  4. a b О компании TUT.BY. Archiviert vom Original am 8. November 2005; abgerufen am 24. Dezember 2020 (russisch).
  5. СК проводит обыск в офисе TUT.BY. In: TUT.BY. 7. August 2018, archiviert vom Original am 29. November 2020; abgerufen am 24. Dezember 2020 (russisch).
  6. Катерина Борисевич: Главного редактора TUT.BY Марину Золотову приговорили к штрафу в 300 базовых. TUT.BY, 4. März 2019, archiviert vom Original am 4. März 2019; abgerufen am 24. Dezember 2020 (russisch).
  7. Харасти: поправки в „Закон о СМИ“ и "дело БЕЛТА" свидетельствуют о подавлении свободы СМИ в стране. TUT.BY, 25. Oktober 2018, archiviert vom Original am 28. August 2019; abgerufen am 6. Februar 2019 (russisch).
  8. Алексей Александров: Эксперты: "Дело БЕЛТА" стало самым негативным за последнее время сюжетом в отношениях Беларуси с ЕС. In: BelaPAN. TUT.BY, 18. September 2018, archiviert vom Original am 10. Januar 2019; abgerufen am 6. Februar 2019 (russisch).
  9. a b Заява аб прызнанні 15 затрыманых па справе TUT.BY палітычнымі зняволенымі. Wjasna, 25. Mai 2021, abgerufen am 25. Mai 2021 (belarussisch).
  10. Ніна Григорська: Справа TUT.BY: головній редакторці видання загрожує до 7 років в’язниці. Novoe Vremia, 31. Mai 2021, archiviert vom Original am 3. Oktober 2021; abgerufen am 2. Oktober 2021 (ukrainisch).
  11. Members of Parliament from Finland, Ireland and Germany adopt political prisoners Yuliya Kashaverava, Pavel Mazko and Maryna Zolatava. Libereco – Partnership for Human Rights, 14. September 2021, abgerufen am 24. September 2021 (englisch).
  12. Twelve years’ imprisonment. Meduza, 17. März 2023; (englisch).
  13. Человек года по версии «Нашей Нивы» – Марина Золотова. Nascha Niwa, 22. Dezember 2018, archiviert vom Original am 3. Oktober 2021; abgerufen am 24. Dezember 2020 (russisch).
  14. Марина Золотова стала лауреатом премии «Гонар журналістыкі» имени Алеся Липая. Naviny.by, 9. April 2019, archiviert vom Original am 15. April 2020; abgerufen am 24. Dezember 2020 (russisch).
  15. Снежана Инанец: «Копил на квартиру – вложил в TUT.BY». Вдова Юрия Зиссера — о любви, смерти, «нормализации» и семье. In: TUT.BY. 5. Oktober 2020, archiviert vom Original am 1. November 2020; abgerufen am 24. Dezember 2020 (russisch).