Mary Murdoch

Mary Charlotte Murdoch (* 26. September 1864 in Elgin, Moray; † 20. März 1916 in Kingston upon Hull, East Riding of Yorkshire) war eine schottisch-britische Ärztin und Suffragette. Sie war ihr Leben lang mit Kingston upon Hull verbunden, wo sie die erste Ärztin, Suffragette und Autobesitzerin war.[1][2]

Leben

Murdoch war das jüngstes Kind von Jane, geborene Macdonald, und William Murdoch. Ihr Vater war ein Rechtsanwalt. Sie wurde von Gouvernanten unterrichtet, bevor sie die Weston House School in Elgin besuchte. Anschließend besuchte sie die Manor Mount Girls’ Collegiate School in London und erhielt anschließend Unterricht in Lausanne.[1]

Sie kehrte nach Elgin zurück, um sich um ihre verwitwete und invalide Mutter zu kümmern, die dann 1887 verstarb. Zu dieser Zeit entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Medizin. Ihr Ehrgeiz wurde vom Hausarzt der Familie gefördert.[3] Sie studierte Medizin an der London School of Medicine for Women, finanziert durch das Geld, das ihre Mutter ihr hinterlassen hatte. Während ihres Studiums war sie Kuratorin des Museums der Schule.[4] Sie absolvierte einen Kurs für Geburtshilfe am Maternity Hospital in Brighton, schloss ihr Studium in Schottland ab und erhielt 1892 ihre offizielle Zulassung.[1]

Im Jahr 1893 begann Murdoch ihre medizinische Laufbahn in Kingston upon Hull als Assistenzärztin am Victoria Hospital for Sick Children, das zwei Jahre zuvor eröffnet worden war.[1] Bereits 1894 trat sie der British Medical Association bei[4] und war zudem Mitglied der Association of Registered Medical Women.[1] Nach einer kurzen Tätigkeit am Tottenham Fever Hospital in London (1895) und einer krankheitsbedingten Unterbrechung kehrte sie 1896 nach Hull zurück und etablierte sich als erste niedergelassene Ärztin der Stadt.[5]

1900 stellte Murdoch die damals frisch approbierte Ärztin Louisa Martindale als Assistentin ein. Die Zusammenarbeit war eng und von persönlicher Nähe geprägt; 1902 unternahmen beide eine ausgedehnte Radreise nach Wien, Berlin und in die Schweiz. Die berufliche Partnerschaft bestand bis 1906. Martindale widmete dieser Zeit später ein eigenes Kapitel in ihrer Autobiografie.[1]

1904 gründete Murdoch die Hull Women’s Suffrage Society als Zweigstelle der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS) von Millicent Garrett Fawcett.[6] Nach Differenzen über die Ablehnung militanter Methoden durch die NUWSS schloss sich Murdoch den Suffragetten der Women’s Social and Political Union (WSPU) an.[1] Trotz der Differenzen blieb die Freundschaft zu Fawcett bestehen; 1911 vertrat Murdoch sie beim Internationalen Frauenrat in Stockholm.[5]

Ihr Arbeitsethos war außergewöhnlich: Murdoch schlief selten mehr als vier bis fünf Stunden pro Nacht. Zugleich war sie eine moderne Frau ihrer Zeit – die erste in Hull, die ein eigenes Automobil besaß und es mit hoher Geschwindigkeit fuhr. Eine überlieferte Anekdote berichtet, wie sechs Männer ihr Fahrzeug nach einem Unfall wieder auf die Straße bringen mussten, nachdem es rückwärts einen Hügel hinabgerollt und Feuer gefangen hatte. Murdoch soll den Vorfall mit Humor genommen haben.[7]

1914 trat Murdoch der Church of England bei. Zwei Jahre später verstarb sie in ihrem Haus in Hull, nachdem sie trotz Schneetreibens zu einem Notfallbesuch gegangen war.[1] Ihr Trauerzug, dem Tausende Menschen beiwohnten, wurde von ihrem Automobil angeführt.[7] Die Einäscherung erfolgte in der Lady Chapel der All Saints Church.[4]Gedenktafeln erinnern bis heute an ihrem Wohnhaus in der Park Street sowie am ehemaligen Victoria Hospital.[6]

Murdochs war Gegenstand der 1919 erschienenen Biografie A Woman Doctor: Mary Murdoch of Hull von Hope Malleson. Darin wird Murdoch mit einer programmatischen Aussage aus einer Rede vor Studentinnen der London School of Medicine for Women (1904) zitiert: Es werde eines Tages als „barbarischer Anachronismus“ gelten, wenn ein männlicher Arzt jemals eine Frau behandle.[8]

Im März 2021 wurde Murdoch’s Connection, eine neue Fußgängerbrücke in Hulls Innenstadt eröffnet. Der Name wurde von Schülerinnen der Newland School for Girls vorgeschlagen.[9]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Katharine Cockin: Murdoch, Mary Charlotte (1864–1916). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 26. Mai 2005, doi:10.1093/ref:odnb/69838.
  2. Hull & Women’s Rights. In: Hull Museums Collections. Hull CIty Council, abgerufen am 2. Dezember 2025.
  3. Deborah Brunton: Health, Disease and Society in Europe, 1800–1930: A Source Book. Manchester University Press, Manchester 2004, ISBN 978-0-7190-6739-6, S. 123 ff. (google.com).
  4. a b c Obituary: Mary Charlotte Murdoch, L.R.C.P., L.R.C.S.Edin., L.E.P.S.Glasg. In: British Medical Journal. Band 1, Nr. 2883, 1. April 1916, S. 505 f., doi:10.1136/bmj.1.2883.505-b.
  5. a b Elizabeth Crawford: Murdoch, Mary Charlotte. In: The Women's Suffrage Movement: A Reference Guide 1866–1928. Routledge, London 2003, ISBN 0-7484-0379-5, S. 431 (google.com).
  6. a b George Gray: Dr Mary Murdoch. In: Hull Firsts Trail. Carnegie Heritage Centre Ltd, archiviert vom Original am 16. November 2017; abgerufen am 2. Dezember 2025.
  7. a b Carol Dyhouse: Students: A Gendered History. Routledge, London 2006, ISBN 978-1-134-24588-8, S. 75 (google.com).
  8. Carol Dyhouse: Driving ambitions: women in pursuit of a medical education, 1890–1939. In: Women’s History Review. Band 7, Nr. 3, 1998, S. 321–343, doi:10.1080/09612029800200176.
  9. One giant leap for Hull as Murdoch’s Connection is unveiled. Highways Industry, 1. März 2021, abgerufen am 2. Dezember 2025.