Mary Elizabeth Townsend
Mary Elizabeth Townsend, geborene Butler (* 23. Juli 1841 in Kilkenny, County Kilkenny; † 14. Juni 1918 in Shipston-on-Stour, Warwickshire), war eine irisch-britische Philanthropin und Aktivistin für die Rechte von arbeitenden, jungen Frauen. Sie war eine der Mitgründerinnen der Girls’ Friendly Society.[1]
Leben
Townsend war das einzige Kind von Robert Butler, Pfarrer der St. John's Church der anglikanischen Church of Ireland in Kilkenny und Kaplan des Earl of Ormonde, und Grace Hamilton, Tochter eines ebenfalls Pfarrers. Über ihn war Townsend eine Cousine des Mathematikers und Physikers William Rowan Hamilton.[2] Townsends Eltern starben, als sie noch ein kleines Kind war, und sie wuchs in England bei den Schwestern ihres Vaters auf.[1]
Im Alter von 21 Jahren heiratete sie einen fast doppelt so alten Künstler und Botaniker, Frederick Townsend (1823–1905), der ebenfalls aus einer Geistlichenfamilie stammte. Es war eine glückliche und produktive Partnerschaft. Townsend äußerte in ihren Erinnerungen:
„I was free indeed with one who was all in all to me. Then life began to open out in fair colours and every gift I had began to grow and develop under his care.“
„Ich war wirklich frei mit dem, der mir alles bedeutete. Dann begann sich das Leben in schönen Farben zu entfalten, und jede Gabe, die ich hatte, begann unter seiner Fürsorge zu wachsen und sich zu entwickeln.“
Zunächst lebte das Paar sie in der Shedfield Lodge in der Nähe von Wickham, Hampshire. Das Gebäude ist heute ein Pflegeheim. Bereits 1875 erbte Frederick Townsend das Anwesen seines Onkels, Honington Hall. Die Eheleute setzten sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen auf dem Anwesen ein. Frederick Townsend organisierte Unterstützung für das örtliche Cottage Hospital, den Bau eines Freizeit- und Lesesaals und einer Bibliothek für Arbeiter sowie die Leitung von Dorfsparkassen, während Mary Townsend Unterricht für Mädchen gab, deren Schulbildung nach der Grundschule beendet worden war, sich um Kranke und Alte kümmerte und sich in der Arbeit des örtlichen Waisenhauses für Mädchen engagierte. Durch diese Aktivitäten wurde sich Townsend der Probleme bewusst, mit denen Mädchen konfrontiert waren, die Dienstmädchen wurden, darunter der Verlust des Kontakts zu ihren Familien oder ungewollte Schwangerschaften, die zur Entlassung führten.[1]
Über einen ihrer Besucher, Thomas Vincent Fosbery, den Kaplan von Samuel Wilberforce, dem Bischof von Winchester, erfuhr der Bischof von ihrer Arbeit mit den Mädchen und jungen Frauen und lud sie ein, eine Organisation in größerem Maßstab aufzubauen, um das in viktorianischer Zeit als Problem erkannte Thema der „gefallenen Frauen“ anzugehen. Die Beschäftigung als Dienstmädchen war bei weitem das größte Arbeitsfeld für Frauen, und diejenigen, die unehelich schwanger wurden, riskierten nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern auch ihre Wohnung. Townsend beschloss, sich auf Prävention zu konzentrieren, indem sie praktische und moralische Unterstützung für diejenigen leistete, die als „arbeitende Mädchen von untadeligem Charakter“ bezeichnet wurden.[3]
Im Mai 1874 traf sich Townsend im Lambeth Palace mit Elizabeth Carlyon, der Frau von Harold Browne, dem Nachfolger Wilberforces als Bischof von Winchester, Catharine Tait, 1865 Gründerin der Ladies Diocescan Society und Ehefrau von Archibald Campbell Tait, Archbishop of Canterbury und Jane Senior, Mitbegründerin der Metropolitan Association for Befriending Young Servants. Die gründete die Girls’ Friendly Society, die am 1. Januar 1875 ihre Arbeit aufnahm, damit junge, „völlig unbescholtene“ Bedienstete eine Mentorin aus einer höheren Gesellschaftsschicht haben konnten, mit der sie sich treffen, lesen, nähen und erholen konnten.[1] Townsend wurde die erste Präsidentin und hatte dieses Amt bis 1882 inne. Ihre Nachfolgerin war Barbarina Charlotte Sullivan Grey, die Frau von Frederick Grey, die von 1883 bis 1889 im Amt war, bevor Townsend von 1890 bis 1894 erneut die Präsidentschaft übernahm.[3]
Die Girls’ Friendly Society wurde bald sehr erfolgreich. Townsend stellte sich von Anfang an vor, dass sich die Society über das gesamte Britische Königreich ausbreiten sollte. Im Jahr 1880 erhielt die Girls’ Friendly Society von Königin Victoria die königliche Schirmherrschaft.[4] Bis zur Jahrhundertwende hatte sie über 1300 Zweigstellen gegründet und zählte fast eine Viertelmillion Mitglieder.[5] Die Society blieb konfessionslos, nutzte jedoch die Strukturen der Church of England.
Die offizielle Geschichte, die 1911 neu veröffentlicht wurde, macht deutlich, dass Townsend die treibende Kraft hinter der Girls’ Friendly Society war und dass von ihr das Bewusstsein der Notwendigkeit einer Struktur für die Sache eingebracht wurde:
„When we see what wonders are accomplished in worldly matters, by the power of organisation, association, and cooperation, when we know how strong are the links that bind together the members of Freemasons’ Clubs, of Benefit Societies, the members of different professions, and the like, surely we cannot but feel that this mighty lever should be used for the purpose of moral and spiritual benefit […] That was the idea which was then given to the world – not the idea of work for girls, but the idea of ‚organised‘ work. There were isolated efforts in many directions, but the idea of an organised association for the upholding of the purity of Christian maidenhood, based upon the foundation of the national Church, was a totally new thought, and this we owe to our Foundress, both in its first inception and in its ultimate completion.“
„Wenn wir sehen, welche Wunder in weltlichen Angelegenheiten durch die Kraft der Organisation, der Vereinigung und der Zusammenarbeit vollbracht werden, wenn wir wissen, wie stark die Bande sind, die die Mitglieder von Freimaurerclubs, von Hilfsvereinen und von Berufsverbänden und dergleichen miteinander verbinden, dann können wir nur zu dem Schluss kommen, dass dieser mächtige Hebel zum Zwecke des moralischen und spirituellen Nutzens eingesetzt werden sollte […] Das war die Idee, die damals der Welt vermittelt wurde – nicht die Idee der Arbeit für Mädchen, sondern die Idee der ‚organisierten‘ Arbeit. Es gab vereinzelte Bemühungen in viele Richtungen, aber die Idee einer organisierten Vereinigung zur Wahrung der Reinheit der christlichen Jungfräulichkeit, die auf dem Fundament der nationalen Kirche basierte, war ein völlig neuer Gedanke, und diesen verdanken wir unserer Gründerin, sowohl in seiner ersten Entstehung als auch in seiner endgültigen Vollendung.“
Bis 1913 hatte die Society allein in England und Wales rund 320.000 Mitglieder, assoziierte Mitglieder und Kandidatinnen. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, bat die Regierung die Girls’ Friendly Society um Unterstützung bei der Anwerbung und Betreuung von Kriegsarbeiterinnen, dem Betrieb von Kantinen und der Versorgung der Truppen. Townsend selbst organisierte eine kirchliche Handarbeitsgruppe, um Armee-Seelsorger in Frankreich mit Wäsche und Gemälden zu versorgen. Townsend hatte keine Kinder und starb plötzlich im Juni 1918 in Honington Hall. Sie wurde neben ihrem Ehemann auf dem Friedhof von Honington beigesetzt.[1]
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f G. M. Harris: Townsend [née Butler], Mary Elizabeth (1841–1918). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/56691.
- ↑ Albert C. Lewis: Hamilton, Sir William Rowan (1805–1865). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/12148.
- ↑ a b c Agnes L. Money: History of the Girls’ Friendly Society. New and revised Edition Auflage. Wells Gardner, Darton & Co., Ltd., London 1911, S. 5, 117–123 (anglicanhistory.org).
- ↑ Peter Higginbotham: The Girls' Friendly Society. In: Children’s Homes. Private Website, abgerufen am 21. Oktober 2025.
- ↑ Marie Ruiz: International migrations in the Victorian era. Brill, Leiden 2018, ISBN 978-90-04-36639-8.