Mary Burns Laird

Mary Burns Laird (* 1864; † 1944 in Prestwick, South Ayrshire) war eine britische Aktivistin für Soziale Fragen und Frauenrechte. Sie war Gründungsmitglied und erste Präsidentin der Glasgow Women’s Housing Association und Präsidentin des Partick-Zweiges der Women’s Labour League, die mit der Red Clydeside-Bewegung in Verbindung standen. Sie unterstützte zusammen mit Mary Barbour, Agnes Dollan, Mary Jeff und Helen Crawfurd die 1915 Glasgow rent strikes.[1][2] Laird engagierte sich anschließend in einem breiteren sozialen Aktivismus für Rechte von Frauen und Kindern.[3]

Leben

Laird war die Tochter von Margaret Walker und Hugh Burns, die beide aus Irland stammten. 1884 heiratete sie Kinning Park in Glasgow John Laird, einen Angestellten eines Schiffsbauers.[4] Laird wurde Näherin. Ihr Vater war zum Zeitpunkt ihrer Heirat stellvertretender Hafenmeister. In den Volkszählungen von 1891, 1901 und 1911 lebte die Familie in Glasgow. Laut der Eintragung in der Volkszählung von 1911 hatten Laird und ihr Ehemann John sechs Kinder, von denen zwei noch lebten. In den Volkszählungen von 1891 und 1901 sind drei Kinder aufgeführt: Annie, Mary und Robert.[5]

Laird war eine prominente Labour-Party-Aktivistin. 1913 gab sie als Mitglied der Women’s Labour League als Zeugin vor der Royal Commission on the Housing für die Unterbringung der industriellen Bevölkerung in ländlichen und städtischen Gebieten Schottlands eine Erklärung ab. Ihre Erklärung betraf Einwände gegen Einzimmerwohnungen oder Einzimmerhäuser als Wohnraum für verheiratete Paare. Darin beschreibt sie, wie schwierig es ist, in einem einzigen Raum zu leben, insbesondere wenn ein Kind geboren wird oder ein Familienmitglied stirbt.[6]

1914, im Alter von 50 Jahren, wurde Laird eine der Gründerinnen und erste Präsidentin der Glasgow Women’s Housing Association.[1][7] Die Glasgow Women’s Housing Association wurde mit Unterstützung der Women’s Labour League und des Wohnungsausschusses der Labour Party in Glasgow, auch wenn sie in Bezug auf ihre Mitglieder und ihr Engagement unpolitisch war.[1] Die Organisation wurde zu einer treibenden Kraft bei der Unterstützung des Mietstreiks von 1915, und ihre Gründung wurde als die wichtigste „organisatorische Anstrengung vor dem Krieg“ zur Unterstützung der Streiks beschrieben.[7] Im Jahr 1915 organisierte die Organisation eine Reihe von Treffen in der Morris Hall in Govan, um gegen Mietsteigerungen in ganz Glasgow zu protestieren.[8] Das erste dieser Treffen fand am 16. Februar statt, wurde von Laird geleitet und hatte mehrere Redner.[1] Laird spielte auch eine wichtige Rolle bei einem weiteren Treffen, das in den St. Mungo’s Halls stattfand.[8] In ihrer Funktion als Vorsitzende der kritisierte Laird Mietskasernen und erklärte, dass diese insbesondere eine Herausforderung für die Hausfrauen darstellten. Stattdessen plädierte sie für die Einrichtung von „Cottage Homes“.[9]

Neben ihrem Engagement bei den Mietstreiks sprach Laird an verschiedenen Orten über Wohnungsfragen, beispielsweise im März 1915 in Milngavie bei der Co-operative Women’s Guild zum Thema „Die Wohnungsfrage“. Lairds Rede wurde in der lokalen Presse ausführlich zitiert und enthält Details zu den Bedingungen, mit denen die Mieter zu kämpfen hatten, wie beispielsweise 120.000 Familien in Glasgow, die aufgrund hoher Mieten gezwungen waren, in Einzimmerwohnungen zu leben, sowie Krankheiten wie Rachitis, Masern usw., die aufgrund der beengten Wohnverhältnisse zu einer hohen Sterblichkeitsrate führten, und viele andere alltägliche Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert waren. Laird sprach sich für sozialen statt für gewinnorientierten Wohnungsbau aus.[10]

Laird engagierte sich zunehmend breiter zu sozialen Fragen und in der Labour Party. Im Jahr 1915 drängte die radikale Publikation Forward darauf, Laird als Kandidatin der Labour Party für die Kommunalwahlen aufzustellen, um die Wohnungspolitik mit einem direkten Appell an die weiblichen Wähler zu verbinden.[11] Im November 1916 leitete sie als Vorsitzende des Partick-Zweigs der Women’s Labour League eine Versammlung, bei der gegen hohe Lebensmittelpreise protestiert wurde, deren Ursache Laird in Wucherei sah.[12] Am 1. Mai 1917 sprach Laird neben anderen, darunter Mary Barbour und Agnes Dollan, bei einer Kundgebung im Glasgow Green, an der 70.000 Menschen teilnahmen.[2][13] Im April 1919 wurde Laird bei den Wahlen zum School Board für Labour gewählt. Als Vertreterin für Hillhead und Partick war sie Mitglied in einer Reihe von Ausschüssen.[3]

Laird wurde im Juni 1918 in das Women's Committee on House Planning in Scotland berufen. Der Ausschuss war vom Secretary for Scotland, Robert Munro mit dem Ziel gegründet worden, die vom Local Government Board for Scotland während des Kriedes für den Minister of Munitions und die Admiralität errichteten Häuser sowie andere Wohnungsbauprojekte zu inspizieren und Empfehlungen aus Sicht von Frauen abzugeben; Vorsitzende war Helen Kerr.[14][15] Der Bericht des Ausschusses wurde im Oktober 1918 veröffentlicht.[16] Die Frauen äußerten sich zu Art und Grundriss der neuen Häuser, von denen viele nach dem Vorbild der Gartenstadt gebaut worden waren, und besichtigten Projekte in Rosyth, Inchinnan, Gourock und Greenock. Laird gehörte zu denen, die in einem Nachtrag zum Bericht vorschlugen, dass ein angemessener Wohnstandard eine Pflicht und Verpflichtung des Staates sein sollte.

1922 wurde Laird Schatzmeisterin der Scottish Labour Housing Association.[3] 1924 kandidierte sie für den Stadtrat für Partick East, unterlag jedoch dem gemäßigten Kandidaten Donald Fletcher.[17] 1926 wurde sie Mitglied des Glasgow Trades Council.[3]

Laird starb 1944 im Alter von 81 Jahren in Prestwick.[18]

Einzelnachweise

  1. a b c d Joseph Melling: Rent Strikes. People’s Struggle for Housing in West Scotland 1890–1916. Polygon Books, Edinburgh 1983, ISBN 978-0-904919-72-1.
  2. a b James J. Smyth: Rents, Peace, Votes: Working-Class Women and Political Activity in the First World War. In: Esther Breitenbach und Eleanor Gordon (Hrsg.): Out of Bounds: Women in Scottish Society, 1800–1945. Edinburgh University Press, Edinburgh 1992, ISBN 978-0-7486-0372-5, S. 174–196.
  3. a b c d Valerie Wright: Women’s organisations and feminism in interwar Scotland. Dissertation, University of Glasgow, Glasgow 2008 (gla.ac.uk [PDF]).
  4. Statutory Register of Marriages in: National Records of Scotland.
  5. Census of Scotland für 1891 [644/10 79/10]; 1901 [644/10 50/30]; 1911 [644/11 30/13] in: National Records of Scotland.
  6. Report of the Royal commission on the housing of the Industrial population of Scotland, rural and urban. Band 2. His Majesty’s Stationery Office (HMSO), Edinburgh 1917, XI. The One-Room House, S. 90 f. (archive.org).
  7. a b Manuel Castells: The city and the grassroots: a cross-cultural theory of urban social movements. University of California Press, Berkeley, CA 1983, ISBN 0-520-04756-7, S. 28–37 (google.de).
  8. a b Kenny MacAskill: Glasgow 1919: The Rise of Red Clydeside. Biteback Publishing, London 2019, ISBN 978-1-78590-458-5.
  9. The Housing Question: Labour Conference in Glasgow. In: Glasgow Herald. 5. Januar 1915.
  10. Municipal housing from a woman’s point of view: the wretchedness of the single apartment. In: The Kirkintilloch Herald, Lenzie, Kilsyth and Cumbernauld Press. 10. März 1915, S. 3.
  11. James J. Smyth: Labour in Glasgow, 1896–1936: Socialism, Suffrage, Sectarianism. Tuckwell Press, East Linton 2000, ISBN 1-86232-137-X.
  12. Protest Against High Food Prices. In: The Evening Telegraph and Post. 14. November 1916.
  13. Robert Duncan: Objectors and Resisters: opposition to conscription and war in Scotland 1914–1918. Eigenverlag, Berwick-upon-Tweed 2015, ISBN 978-0-9930965-1-8, S. 136 f.
  14. Planning of houses for the working class. In: The Scotsman. 27. Juni 1918.
  15. Elaine Harrison: Women members and witnesses on British Government ad hoc Committees of Enquiry 1850–1930, with special reference to Royal Commissions of Enquiry. Dissertation, London School of Economics and Political Science, London 1988.
  16. Local Government Board Scotland (Hrsg.): Report of the Women’s House-Planning Committee appointed by the President of the Local Government Board for Scotland, British Library Wf1 7931. His Majesty’s Stationery Office (HMSO), Edinburgh 1918.
  17. The Results. In: Glasgow Herald. Band 142, Nr. 266, 5. November 1924, S. 10 (google.com).
  18. Statutory Death Records. In: National Records of Scotland.