Martinskirche (Roßwag)
Die Martinskirche ist die evangelische Pfarrkirche von Roßwag, einem Stadtteil der Großen Kreisstadt Vaihingen an der Enz im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Vaihingen-Ditzingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Geschichte
Eine selbstständige Pfarrei war Roßwag nachweislich um 1150, vermutlich jedoch schon früher. Die Kirchherrschaft besaßen die edelfreien Herren von Roßwag, die, wie im Mittelalter üblich, mehrfach Familienangehörige mit der Pfarrpfründe versahen. Rudolf von Roßwag übertrug das Patronatsrecht 1301 an das Kloster Herrenalb, das die bereits im frühen Mittelalter als Tochterkirche der Enzweihinger Martinskirche gegründete Kirche 1307 inkorporierte. Außerhalb des Ortes befand sich eine im 14. Jahrhundert erwähnte Nikolauskapelle, auf deren Altar eine Kaplaneipfründe lag. Die Kapelle, zu der eine Wallfahrt bestand, wurde nach 1556 abgerissen. Bei der Reformation des Klosters Herrenalb kam das Kirchenpatronat 1534/1535 an Württemberg. Der erste bekannte evangelische Pfarrer war der in einer Steuerliste von 1542 genannte Christian Rosenthal. Roßwag gehörte zum Urdekanat Maulbronn und war von 1652 bis 1661 und von 1693 bis 1703 Dienstsitz des Maulbronner Dekans.
Architektur
Die zum großen Teil aus Bruchsteinen gebaute Saalkirche besteht aus einem Langhaus, einem eingezogenen, dreiseitig geschlossenen, von Strebepfeilern gestützten und kreuzrippengewölbten Chor im Osten, der 1497 erneuert wurde, und einem quadratischen Kirchturm im Westen, der im Kern auf eine Wehrkirche zurückgeht, wie an den Schießscharten zu erkennen ist. Den ältesten erhaltenen Bauteil bilden dessen beiden unteren Geschosse, die nach dendrochronologischen Untersuchungen 1443 fertiggestellt waren. Das mit einem Kreuzrippengewölbe versehene Turmerdgeschoss dient seither als Eingangshalle. Der Turm erhielt damals vermutlich einen Fachwerkaufsatz, der in den Jahren 1594 bis 1601 durch zwei weitere steinerne Geschosse ersetzt wurde. Das erste enthält an vier Seiten die Zifferblätter der Turmuhr. Das oberste, ebenfalls achteckige Glockengeschoss mit den Klangarkaden an allen acht Seiten geht in einen achteckigen schiefergedeckter Knickhelm über. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts erfolgte auch der Umbau des einschiffigen Langhauses im spätgotischen Stil; von seinem auf 1465 datierten Dachwerk haben sich nur Reste erhalten.
Bei einer einheitlich neugotischen Umgestaltung des Kircheninneren durch Heinrich Dolmetsch 1899/1900 wurde im Langhaus eine gewölbte Holzdecke eingezogen und eine u-förmige Empore in das Kirchenschiff eingebaut. Innenrenovierungen fanden 1970 und 1998 statt.[1]
Ausstattung
Die älteste erhaltene Glocke wurde im Jahr 1442 gegossen. Der Taufstein stammt noch aus spätgotischer Zeit, während bei der Umgestaltung der Kirche um 1900 die Kanzel und der Altar erneuert worden waren. Auch wurden damals die vier Maßwerkfenster im Chor mit ornamentaler Farbverglasung sowie die Chorwände mit inzwischen nicht mehr sichtbarer Quadermalerei versehen.
Eine erste Orgel erhielt die Kirche im Jahr 1766, das heutige Instrument im Chor stammt aus dem Jahr 1976. Es wurde 2017 erstmals umfassend renoviert.
Das Kruzifix, das seit 2021 auf dem Altar steht, wurde der Gemeinde aus einem Nachlass gestiftet und ist sorgfältig restauriert worden.
Literatur
- Eduard Paulus: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Neckarkreis – Inventar; Stuttgart 1889, S. 483
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg I, Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe. Deutscher Kunstverlag, München 1993, S. 646.
Weblinks
- Geschichte und Beschreibung der Kirche auf der Website der Kirchengemeinde
- Mehr Bilder und Informationen zur Martinskirche auf kirchen-online.com
- Kirchbaudatenblatt
Einzelnachweise
- ↑ Ellen Pietrus: Heinrich Dolmetsch. Die Kirchenrestaurierungen des württembergischen Baumeisters; Stuttgart 2008, Seite 366 f
Koordinaten: 48° 56′ 9″ N, 8° 55′ 0″ O