Martin Zimmermann (Bühnenkünstler)
Martin Zimmermann (* 1970 in Wildberg ZH) ist ein Schweizer Bühnenkünstler und Clown.
Biografie
Werdegang
Martin Zimmermann wuchs im kleinen Schweizer Dorf Wildberg im Tösstal auf. Der rumänische Jongleur Jacky Lupescu, der im Nachbarsdorf lebte, unterrichtete ihn in Jonglage[1]. Nach dem Schulabschluss machte Zimmermann eine Lehre als Dekorationsgestalter beim Warenhaus Jelmoli in Zürich, wo er gelegentlich mit Jean Tinguely an Schaufenstern arbeitete[2]. Daraufhin absolvierte er in Paris die Hochschule Centre National des Arts du Cirque (CNAC)[3]. Mit dem Abschlussstück Le Cri du Caméléon von Josef Nadj[4] war er drei Jahre lang auf Welttournee. Das Stück bedeutete einen wichtigen Meilenstein für die Bewegung des Cirque Contemporain[5]. 1998 liess sich Martin Zimmermann wieder in der Schweiz nieder[3].
Stil
Nach seiner Rückkehr in die Schweiz erarbeitete Zimmermann eine eigene künstlerische Sprache, in der zeitgenössischer Zirkus mit Tanz, Theater und spektakulären Bühneninstallationen verbunden wird[6]. Neben dem Schau- und Unterhaltungswert haftet Zimmermanns Werken häufig auch das Sozialkritische und Lyrisch-Melancholische an[6]. Die Stücke brechen mit gesellschaftlichen Konventionen[7]. Zimmermann wird in den Medien wiederkehrend als «Buster Keaton der Schweiz» bezeichnet[8]. In Keatons Tradition verortet er sich auch selbst: Zusammen mit Grock, Charlie Rivel und Charlie Chaplin gehört er zu Zimmermanns Vorbildern[9].
Für seine Stücke kreiert Zimmermann skurrile und fremdartige Welten. Oft entnimmt er der Realität alltägliche Dinge und setzt sie in Paralleluniversen, wo sie sonderbar deplatziert und absurd wirken[6]. Kern seiner Arbeit ist der Dialog zwischen dem menschlichen Körper und Objekten mit Eigenleben, welche er meist in einem instabilen und bedrohlich wirkenden Raum aufeinandertreffen und interagieren lässt[10]. Am Anfang seiner multidimensionalen Arbeit steht typischerweise die Entwicklung des Bühnenraums[11].
Ebenfalls zentral für Zimmermann ist das Kreieren der tragikomischen Figuren, die den Bühnenraum bewohnen[12]. In verschiedenen Prozessen wie jenem der Improvisation schält er die charakterliche Silhouette der Figuren heraus[6]. Das Endprodukt sind meist überzeichnete Charaktere mit extremer Mimik und Gestik, die – so unterschiedlich sie auch seien – den Blick in entscheidenden Momenten auf den gemeinsamen Kern des Menschen lenken[2].
Kollaborationen
1998 gründete Martin Zimmermann gemeinsam mit dem Tänzer Gregor Metzger und dem Musiker Dimitri de Perrot das Trio und Kollektiv Metzger / Zimmermann / de Perrot (MZdP)[13]. Mit ihren Kreationen feierten die drei Künstler internationale Erfolge[14]. 2005 schied Gregor Metzger aus dem Trio aus und Martin Zimmermann entwickelte im Regieduo mit Dimitri de Perrot weitere Stücke[1]. 2016 entschieden sich auch Zimmermann und de Perrot dazu, fortan getrennte Wege zu gehen[15].
Resonanz
Martin Zimmermanns Stücke wurden in Institutionen und Theaterhäusern weltweit aufgeführt, unter anderem im BAM New York, Tokyo Metropolitan Theater, Théâtre de la Ville Paris, Barbican London, Sydney Opera House, Grand Théâtre de Luxembourg, Théâtre Vidy Lausanne, Schauspielhaus Zürich, Hongkong City Hall, Zürcher Theater Spektakel, Festival d’Avignon oder im Kunstmuseum Fondation Beyeler[16].
Zimmermann gewann mit seinen Bühnenbildern in den Jahren 2008, 2010 und 2011 einen Swiss Design Award[3]. 2021 erhielt er die höchste Schweizer Theaterauszeichnung, den renommierten Grand Prix Darstellende Künste / Hans-Reinhart-Ring 2021[3]. Zudem ist er Associated Artist am maisondelaculture de Bourges / Scène Nationale und Artist in Residence am Le Manège / Scène Nationale de Maubeuge[16].
Privatleben
Zimmermann lebt mit seiner Partnerin, der Bühnenkünstlerin, Tänzerin und Choreografin Eugénie Rebetez, in Zürich[17].
Werk (Auswahl)
Bühnenstücke und Inszenierungen
Inszenierungen und Choreografien in Zusammenarbeit mit Metzger / de Perrot sind mit einem Stern gekennzeichnet (*) und jene im Duo mit de Perrot mit (**).
- Louise (2024), Schauspielhaus Zürich[18]
- Ciao Ciao (2022), Theater Basel[19]
- Wonderful World (2022), Tanzfestival Steps – Lokremise St. Gallen[20]
- Danse Macabre (2021), Zürcher Theater Spektakel[21]
- Goodbye Johnny (2020), Tanzhaus Zürich[22]
- Mr. Skeleton (2018), Festival Images Vevey (in Zusammenarbeit mit Augustin Rebetez)[23]
- Eins Zwei Drei (2018), Théâtre Vidy-Lausanne[24]
- Bienvenue (2017), Zürcher Theater Spektakel (in Zusammenarbeit mit Eugénie Rebetez)[25]
- Geduld (2016), Kunsthaus Zürich
- Der Besucher (2016), Fondation Beyeler, Basel[26]
- HALLO (2014), Théâtre Vidy-Lausanne[27]
- Encore (2013), Gessnerallee Zürich (in Zusammenarbeit mit Eugénie Rebetez)[28]
- Hans was Heiri ** (2012), Théâtre Vidy-Lausanne[29]
- Gina (2010), Gessnerallee Zürich (in Zusammenarbeit mit Eugénie Rebetez)[30]
- CHOUF OUCHOUF ** (2009), Palais Moulay Hafid[31]
- ÖPER ÖPIS ** (2008), Théâtre Vidy-Lausanne[32]
- GAFF AFF ** (2006), Théâtre Vidy-Lausanne[33]
- Anatomie Anomalie ** (2005), La ferme du buisson – Marne-la-Vallée[34]
- JANEI * (2004), La ferme du buisson – Marne-la-Vallée[35]
- HOI * (2001), Théâtre Vidy-Lausanne[36]
- GOPF * (1999), Blauer Saal Zürich[37]
Preise und Auszeichnungen
- 2021: Schweizer Grand Prix Darstellende Künste/Hans-Reinhart-Ring 2021[8]
- 2013: Fondation Heinz Spoerli Preis[38]
- 2011: Swiss Design Award in der Kategorie Bühnenbild[3]
- 2010: Swiss Design Award in der Kategorie Bühnenbild[3]
- 2010: Kultur-Förderpreis des Kantons Zürich[39]
- 2009: Schweizer Tanz- und Choreografiepreis
- 2008: Swiss Design Award in der Kategorie Bühnenbild[3]
Literatur
- Martin Zimmermann. Mit Texten von Anne Fournier, Thomas Hahn, Catherine Germain, Eugénie Rebetez, Sabine Geistlich, Susanna Koeberle, Hannes Hug, Sandro Lunin, Demis Quadri. Herausgegeben von Paola Gilardi, Anne Fournier, Andreas Klaeui, Yvonne Schmidt. MIMOS Sammelband, Peter Lang, 2022.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Lilo Weber: Martin Zimmermann. In: Tanz – Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance. November 2018 (martinzimmermann.ch [PDF]).
- ↑ a b Zoé Richardet: Er machte seine Therapeutin zur Dramaturgin. 11. Dezember 2023, abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ a b c d e f g Bundesamt für Kultur: Schweizer Grand Prix Darstellende Künste / Hans-Reinhart-Ring 2021. Abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ LE CRI DU CAMÉLÉON | CNAC. Abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ Victoire Costa et Célia Troussard: « Le cirque contemporain ». In: Plumes d’Art'iste(s). Juni 2023, abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ a b c d Das Beobachten von Menschen im Alltag ist mein Kerngeschäft. Ein Universum der grotesken Figuren. Martin Zimmermann im Gespräch mit Mirjam Hildbrand. In: Theater der Zeit. Juni 2022, S. 43–45.
- ↑ Martin Zimmermann im Maag Areal Zürich - Tagesschau - Play SRF. Abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ a b Daniele Muscionico: Aufgepasst: Das ist unser Buster Keaton der Schweiz. 28. Oktober 2021, abgerufen am 9. November 2022.
- ↑ Rosita Boisseau: « Martin Zimmermann défait le clown ». In: Le Monde. 19. Februar 2019.
- ↑ Maya Künzler: Martin Zimmermann: Der Tod steht ihm gut. 13. Oktober 2021, abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ Hochparterre - Die Tücke des Objekts. Abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ Maya Künzler: «Martin Zimmermann, Regisseur, Choreograf & Zirkuskünstler: Der Grenzgänger». In: Kulturtipp. Nr. 11/2022, 2022.
- ↑ Dimitri de Perrot. In: fridamagazin.ch. Abgerufen am 18. November 2025 (Schweizer Hochdeutsch).
- ↑ «Gopf», ist das eine Erfolgsgeschichte: Metzger/Zimmermann/de Perrot | NZZ. 25. Januar 2001, abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ Mathias Balzer: «Der Clown ist der echte Punk von heute». In: St. Galler Tagblatt. 29. November 2018, abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ a b Martin Zimmermann » À propos. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Isabel Hemmel: «Ich hatte keine Beziehung mehr zu meinem Körper»: Ausnahmetänzerin Eugénie Rebetez gibt ihr Comeback. 29. März 2025, abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ Martin Zimmermann » LOUISE. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » Ciao Ciao. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » Wonderful World. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » Danse Macabre. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » Goodbye Johnny. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » Mr. Skeleton. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » Eins Zwei Drei. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » Bienvenue. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » Der Besucher. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » Hallo – Film. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » Encore. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » Hans was Heiri. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » Gina. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » Chouf Ouchouf. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » Öper Öpis. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » Gaff Aff. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » Anatomie Anomalie. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » JANEI. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » HOI. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Martin Zimmermann » GOPF. Abgerufen am 18. November 2025 (französisch).
- ↑ Nina Scheu: «Hans was Heiri: Im Rad des Lebens». In: Züritipp. 2. Mai 2013.
- ↑ Verleihung des Kulturpreises und des Förderpreises 2010. Abgerufen am 18. November 2025.