Martin Metzger (Theologe)

Martin Metzger (* 11. Januar 1928 in Wiedenest; † 10. Juni 2018 in Kiel[1][2]) war ein deutscher evangelischer Theologe und Pastor des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Er war ab 1974 Professor für Altes Testament und Biblische Archäologie an der Universität Kiel.

Leben

Martin Metzger wuchs im Kontext der Brüdergemeinde auf. Seine Mutter war Barbara Metzger, geborene Buxmeyer, sein Vater Johannes „Hans“ Metzger, Oberlehrer an einer Sonderschule, Reiseprediger und Evangelist innerhalb dieser freikirchlichen Bewegung und zeitweilig auch Lehrer an der Wiedenester Bibelschule. Nach seinem Abitur immatrikulierte sich Metzger 1947 in Hamburg am baptistischen Predigerseminar (heute: Theologische Hochschule Elstal), das infolge der kriegsbedingten Zerstörung der Hamburger Seminargebäude 1944 nach Wiedenest evakuiert worden war und erst 1948 in sein wiederaufgebautes Domizil in Hamburg-Horn zurückkehren konnte, und studierte dort evangelische Theologie.

Im Jahr 1950 absolvierte Martin Metzger seine pastorale Ausbildung, an die sich eine dreijährige Probezeit als Pastor in der Kölner Brüdergemeinde an der Dagobertstraße anschloss. Seine endgültige Anerkennung als Pastor des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden erhielt er 1953. Es folgte ein weiteres Theologiestudium an den Universitäten Bonn und Hamburg, das er 1957 in Bonn abschloss. 1957 wurde er zudem zum Doktor der Theologie promoviert.

Bereits während seines Studiums war er zeitweise als „Unterrichtender Hilfsarbeiter“ am Theologischen Seminar Hamburg tätig. Nach seiner Promotion berief ihn der evangelisch-freikirchliche Gemeindebund 1957 zum hauptamtlichen Seminardozenten am Predigerseminar in Hamburg für das Fach Altes Testament. Diese Aufgabe versah er bis zu seiner Habilitation im Jahr 1959 an der Universität Hamburg, nach der er direkt als Professor für Biblische Archäologie an diese Hochschule berufen wurde, wo er von 1959 bis 1970 als Privatdozent und 1970 bis 1971 als Universitätsdozent lehrte. 1971 wurde er Wissenschaftlicher Rat und Professor der Universität Hamburg. Im Jahr 1974 berief ihn die Universität Kiel auf den Lehrstuhl für Altes Testament und Biblische Archäologie, den er 19 Jahre innehatte.

Seit 1959 nahm Metzger an Ausgrabungen im Vorderen Orient teil. Sein Hauptinteresse galt vor allem der Erforschung der vorderasiatischen Ikonographie und ihrem Bezug zur Bibel. Seit 1966 war er als stellvertretender Grabungsleiter an den Ausgrabungen auf dem Tell Kāmid el-Lōz im Libanon beteiligt, die von Rolf Hachmann von der Universität des Saarlandes geleitet wurden. Er beaufsichtigte vor allem die Ausgrabung eines spät- und mittelbronzezeitlichen Tempelkomplexes unterhalb des Stadtpalastes. Die Ergebnisse dieser Tempelgrabung legte er zwischen 1991 und 2012 in drei jeweils mehrteiligen, umfangreichen Monografien vor.

Neben seiner Lehrstuhltätigkeit führte Metzger von 1984 bis 1999 jeweils achtwöchige Einführungskurse zur Archäologie Palästinas durch. An diesen Lehrveranstaltungen, die im Rahmen eines deutschsprachigen, ökumenischen Studienprogramms im Heiligen Land (Theologisches Studienjahr Jerusalem) in der Dormitio-Abtei in Jerusalem stattfanden, nahmen sowohl evangelische als auch katholische Theologiestudenten teil.[3]

1993 erfolgte seine Emeritierung. Auch nach Eintritt in den Ruhestand blieb Martin Metzger Mitarbeiter des Kieler Instituts für Alttestamentliche Wissenschaft und Biblische Archäologie. Für sein Engagement erhielt er 2008 die Silberne Ehrennadel der Kieler Universität.

Familie

Martin Metzger heiratete im Jahre 1955 die Lehrerin Lucie Sinnhoeffer, mit der er bis zu ihrem Tod im Jahre 2015 zusammenlebte. Ihrer Ehe entstammen die vier Kinder Hiltrud, Friedegard, Tilman und Albrecht. Martin Metzger verbrachte seinen Lebensabend in seinem Wohnort Flintbek/Schleswig-Holstein.[4]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Die Paradieserzählung (Gen 2,4b–3,24). Die Geschichte ihrer Auslegung von J. Clericus bis W.M.L. de Wette. Bonn 1959.
  • Grundriß der Geschichte Israels. 1963; 6. Auflage 1983; auch übersetzt ins Portugiesische und Japanische.
  • Königsthron und Gottesthron. Thronformen und Throndarstellungen in Ägypten und im Vorderen Orient im 3. und 2. Jahrtausend vor Christus und deren Bedeutung für das Verständnis von Aussagen über den Thron im Alten Testament. Kevelaer/Göttingen 1985 (zugleich Habilitation Hamburg 1969).
  • Kāmid el-Lōz 7. Die spätbronzezeitlichen Tempelanlagen – Stratigraphie, Architektur und Installationen. Text und Tafeln (= Saarbrücker Beiträge zur Altertumskunde. Band 35). Habelt, Bonn 1991.
  • Kāmid el-Lōz 8. Die spätbronzezeitlichen Tempelanlagen – Die Kleinfunde. Mit einem Katalog von Ursula-Renate Barthel. Text und Tafeln (= Saarbrücker Beiträge zur Altertumskunde. Band 40). Habelt, Bonn 1993.
  • Zodiakos, Tempel und Toraschrein. Verbindungslinien zwischen Bildmotiven auf Mosaikbildern spätantiker Synagogen in Palästina. In: A. Graupner et al. (Hrsg.): Verbindungslinien. Festschrift für W. H. Schmidt. Neukirchen-Vluyn 2000, S. 225–248.
  • Hananja, Mischael und Asarja auf der Mosaikinschrift von En Gedi. In: B. Huwyler et al. (Hrsg.): Prophetie und Psalmen. Festschrift für K. Seybold (= Alter Orient und Altes Testament. Band 280). Münster 2001, S. 261–280.
  • Schöpfung, Thron und Heiligtum. Beiträge zur Theologie des Alten Testaments. Herausgegeben von W. Zwickel (= Biblisch-Theologische Studien. Band 57). Neukirchen-Vluyn 2003.
  • Vorderorientalische Ikonographie und Altes Testament. In: M. Pietsch, W. Zwickel (Hrsg.): Gesammelte Aufsätze (= Jerusalemer Theologisches Forum. Band 6). Zwickel, Münster 2004.
  • Grundriß der Geschichte Israels (= Neukirchener Studienbücher. Band 2). 11. Auflage. Neukirchen-Vluyn 2004, ISBN 3-78870-463-2.
  • Two Architectural Models in Terracotta. In: M. E. Aubet (Hrsg.): The Phoenician Cemetery of Tyre – al-Bass. Excavations 1997–1999. In: Bulletin d’Archéologie et d’Architecture Libanaises. Band 1, 2004, S. 420–436.
  • Ständer – Realfunde aus Kamid el-Loz und Darstellungen auf altorientalischen Bilddokumenten. In: M. Witte (Hrsg.): Gott und Mensch im Dialog. Festschrift für O. Kaiser (= Beiheft zur Zeitschrift für Alttestamentliche Wissenschaft). Berlin / New York 2004, S. 23–75.
  • Martin Metzger. In: Sebastian Grätz, Bernd Schipper (Hrsg.): Alttestamentliche Wissenschaft in Selbstdarstellungen (= UTB. Band 2920). Göttingen 2007, S. 115–128.
  • Zehn Jahre Ausgrabungen auf dem Tell Kāmid el-Lōz, Libanon (1964–1974). In: Cristiana Albertina. Forschungsbericht und Halbjahresschrift der Universität Kiel. Neue Folge. Band 6, 1977, S. 5–40.
  • Kāmid el-Lōz 17. Die mittelbronzezeitlichen Tempelanlagen T4 und T5 (= Saarbrücker Beiträge zur Altertumskunde. Band 71). Habelt, Bonn 2012.
  • The Late Bronze Age Temple Area of Tell Kamid el-Loz, Lebanon.

Literatur

  • Metzger, Martin. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 834.
  • Klaus Rösler: Eintauchen in eine andere Welt. Prof. Martin Metzger ist Fachmann für Biblische Archäologie. In: Die Gemeinde. Das Magazin des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Nr. 11, 25. Mai 2008, S. 6–7 ZDB-ID 1157992-4. – Dazu: [Anonym,] Korrektur, in: Die Gemeinde. Glauben. Gemeinsam. Gestalten. Nr. 14, 22. Juni 2008, S. 25.[5]
  • Wolfgang Zwickel (Hrsg.): Biblische Welten: Festschrift für Martin Metzger zu seinem 65. Geburtstag. (OBO 123), Göttingen / Freiburg (CH) 1993, ISBN 3-52553-757-3 / ISBN 3-7278-0857-8.
  • Ulrich Hübner: In memoriam Prof. Dr. Martin Metzger (1928-2018). In: Christiana Albertina. Band 85, 2024, S. 151–153, doi:10.38072/2942-2337/p30.
Commons: Martin Metzger – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Martin Metzger. Historisches Lexikon des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, auf personen.baptisten.de [1]
  2. Dr. Martin Metzger verstorben. In: Baptisten.de. 14. Juni 2018, abgerufen am 15. Juni 2018.
  3. Klaus Rösler: Prof. Martin Metzger ist Fachmann für Biblische Archäologie. Eintauchen in eine andere Welt. In: Die Gemeinde: Das Magazin des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, 11/2008, S. 6f.
  4. Julia Grundmann: Dr. Martin Metzger verstorben. 14. Juni 2018, abgerufen am 16. Januar 2026.
  5. Die Zeitschrift Die Gemeinde hat in der Zwischenzeit einen anderen Untertitel erhalten.