Martin Müller-Reinhart
Martin Müller-Reinhart (* 15. November 1954 in Solothurn; † 9. März 2009 in Paris) war ein Schweizer Künstler (Maler, Graveur/Druckgrafiker, Bildhauer, Rauminstallationen), der ab 1977 in Paris lebte.
Leben
Martin Müller-Reinhart erlangte 1974 die Matura in Bern.[1] Danach absolvierte er von 1975 bis 1977 eine grafische Ausbildung (Radierung, Lithografie, Papierherstellung) im Atelier von François Lafranca in Collinasca. Abgesehen davon war Müller-Reinhart Autodidakt. 1977 hielt er sich am Centre genevois de la gravure in Genf auf. Von 1977 bis zu seinem Tod wohnte er in Paris. Dort war er als Grafiker im Druckatelier Lacourière-Frélaut tätig, wo seine Werke editiert und ausgestellt wurden.[2] Regelmäßig besuchte er zum Studium das Kupferstichkabinett der Bibliothèque nationale de France.[1] 2006 und 2008 wirkte er als Artist in Residence an der Université du Québec à Chicoutimi. Er war Mitglied der Visarte.[2]
Müller-Reinhart wurde mit dem 1. Preis des Club de Mécénat suisse in Paris (1997) und dem Preis für grafische Arbeiten des Kantons Solothurn (1998) ausgezeichnet.[2] Er beschickte eine Reihe von Ausstellungen, unter anderem die Grafik-Biennale Ljubljana (1985, 1987)[3], Biennalen in Olten (1985), Sarcelles (1990, 1992) und Versailles (2000) sowie die Triennalen in Chamalières (1991, 2003), Le Locle (1992), Kairo (1993) und Grenchen (1997). Einzelausstellungen hatte er beispielsweise im Pariser Grand Palais (1993), Atelier circulaire in Montreal (1993, mit Louis-Pierre Bougie) und Cabinet des Estampes in Lüttich (2000).[2] Er wurde von Galerien in der Schweiz, in Frankreich, Belgien und Kanada vertreten.
Martin Müller-Reinhart starb 2009 im Alter von 54 Jahren in Paris. Er hinterließ Ehefrau und Tochter. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Clarens. Sein Nachlass wird von der Fondation Ateliers d’artiste aufbewahrt.[1]
Werk
Müller-Reinhart schuf Werke der Malerei, Grafik und Skulptur, häufig in Kombination miteinander, und thematisierte dabei vor allem Fragen zum Raum. Er nutzte Farben, die er teilweise direkt aus der Tube auf die Leinwand drückte, und verschiedene Oberflächentexturen, um Dimensionen zu vermitteln und einen dreidimensionalen Raum auf einer zweidimensionalen Fläche zu gestalten. In seinen Grafiken führte er Flächen und Linien zu virtuellen Räumen zusammen. Es entstanden auch begehbare Arbeiten und ab. ca. 1977 raumgreifende Skulpturen. Weiterhin gestaltete er Sperrholzreliefs mit Fenstern und Einschnitten, die er bemalte und als „mehrdimensionale Malerei“ bezeichnete. Ab 1982 setzte er häufig die Kreuzform, insbesondere das Taukreuz, in seiner Kunst ein. Zu seinem Gesamtwerk gehören zudem monumentale Installationen in Sakralbauten, durch die meditative Stimmungen erzeugt werden. So schuf er beispielsweise 1989 zusammen mit Reto Emch in der Chapelle Saint-Louis de la Salpêtrière die Installation La mer de larmes, bei der Tropfen von der Kuppel in ein Wasserbecken fallen und einen widerhallenden Klang erzeugen.[2]
Werke von Martin Müller-Reinhart werden unter anderem im Kupferstichkabinett Berlin, Victoria and Albert Museum, National Gallery of Art, Leopold-Hoesch-Museum, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Musée Jenisch und verschiedenen Bibliotheken wie der Schweizerischen und Deutschen Nationalbibliothek aufbewahrt.[2]
Weblinks
- Müller-Reinhart, Martin. In: Sikart
- Publikationen von und über Martin Müller-Reinhart im Katalog Helveticat der Schweizerischen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
- ↑ a b c Müller-Reinhart, Martin. In: ateliersdartiste.org. Abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ a b c d e f Renate Treydel: Müller-Reinhart, Martin (Martin-Thomas). In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 91, De Gruyter, Berlin 2016, ISBN 978-3-11-023257-8, S. 212.
- ↑ The 17th International Biennial of Graphic Arts. In: bienale.si. Abgerufen am 21. Dezember 2025.