Martin I. (Papst)

Martin I. (* 591[1] in Todi, Umbrien; † 16. September 655 in Chersones, Krim-Halbinsel) war Papst von 649 bis 653. Die russisch-orthodoxe Kirche St. Martin der Bekenner ist nach ihm benannt.

Leben

Während des Pontifikates seines Vorgängers Theodor I. war Martin I. zunächst als Diakon und später als Apokrisiar in Konstantinopel tätig. Nach dem Tod Theodors im Jahr 649 wurde Martin zu dessen Nachfolger gewählt und bereits nach wenigen Wochen geweiht, ohne zuvor die kaiserliche Bestätigung einzuholen. Dies wurde vom Kaiser als Provokation aufgefasst und führte zu einer deutlichen Verschlechterung der Beziehungen zwischen Kaiser und Papst[2].

Zu einem endgültigen Bruch kam es im Streit um die vom Kaiser befohlene Lehre des Monotheletismus. Nach seiner Amtsübernahme versammelte Martin im Oktober 649 105 Bischöfe der Westkirche zu einer Synode im Lateran. Nach eingehenden Beratungen wurde der Monotheletismus verworfen und die Entscheidung den Bischöfen der Ost- und der Westkirche zur Unterzeichnung übersandt. Paulos II., der Patriarch von Konstantinopel, wurde exkommuniziert, da er die Entscheidung ablehnte.

Dies führte zu einem offenen Konflikt mit dem oströmischen Kaiser Konstans II. und zu einem zunächst fehlgeschlagenen Versuch des Kaisers, den Papst festnehmen zu lassen. Der damit beauftragte Exarch Olympius konnte den kaiserlichen Befehl nicht umsetzen und näherte sich stattdessen der römischen Kirche an. In der Folge regierte er Italien faktisch unabhängig von Byzanz und trat damit als Usurpator auf, bis er im Jahr 652 starb. Die, scheinbare oder wirkliche, Unterstützung des Olympius bedeutete aus kaiserlicher Sicht, dass der Papst sich des Hochverrats schuldig gemacht hatte. Unter dem Schutz des Olympius blieb Martin zaber unächst unbehelligt.[3]

Nach dem Tod des Olympius entsandte der Kaiser mit Theodor Kalliopa einen ihm loyalen Exarchen nach Italien. Dieser ließ den bereits schwer erkrankten Papst am 17. Juni 653 während eines Gottesdienstes in der Lateranbasilika ergreifen. Martin schildert in seinen Briefen, dass die Festnahme unter militärischem Druck erfolgte und ohne formelle Anklage oder rechtliches Verfahren vollzogen wurde; der Zugriff habe ihn völlig unvorbereitet getroffen. Anschließend wurde er unter Bewachung von Rom nach Konstantinopel verschifft, wo er wohl am 17. September 653 eintraf. Nach einem Gerichtsverfahren wurde er wegen angeblicher Beteiligung am Aufstand des Olympius als Hochverräter am 27. Dezember 653 zum Tod verurteilt. Das Todesurteil wurde nicht vollstreckt; stattdessen wurde Martin in die Verbannung geschickt. Angeblich hätte der Patriarch Paulos II. sich für die Begnadigung Martins eingesetzt.

Am 26. März 654 wurde Martin in die Verbannung auf die Krim geschickt. Sein Ziel war Cherson, wo er unter extremen Entbehrungen lebte. In mehreren aus dem Exil verfassten Briefen schilderte er Hunger, Krankheit, Isolation sowie seine Enttäuschung über das Ausbleiben kirchlicher Unterstützung. Er starb dort am 16. September 655 an den Folgen der Haft und der Misshandlungen[4][5][6]. Noch vor seinem Tod wurde auf kaiserlichen Druck hin mit Papst Eugen I. ein Nachfolger gewählt[7][8].

Gedenktag

Literatur

Commons: Martin I. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Georg Schwaiger: Martin I. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 6. Herder, Freiburg im Breisgau 1997, Sp. 1425.
  2. Ludo Moritz Hartmann: Geschichte Italiens im Mittelalter. Band 2. Leipzig 1900, 1. Hälfte, S. 224 (archive.org).
  3. Peter Gemeinhardt: Geschichte des Christentums in der Spätantike. Mohr Siebeck, Tübingen 2022, S. 459
  4. Liber Pontificalis, Paris 1886, hrsg. von Louis Duchesne, Bd. 1, S. 637-638 – Vita Martinus, Digitalisat
  5. S. Martinus I, Rom. Pont. Epistolae in: Migne, J.-P.(Hrsg.): Patrologiae, Scriptorum ecclesisticorum qui in vii saeculi secunda parte, Paris 1863, S. 198-202 (archive.org)
  6. Ludo Moritz Hartmann: Geschichte Italiens im Mittelalter. Band 2. Leipzig 1900, 1. Hälfte, S. 227-231 (archive.org).
  7. Judith Herrin: Ravenna. Hauptstadt des Imperiums, Schmelztiegel der Kulturen. Darmstadt 2022, ISBN 978-3-8062-4416-8, S. 305/6.
  8. Georg Schwaiger: Martin I. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 6. Herder, Freiburg im Breisgau 1997, Sp. 1425.
VorgängerAmtNachfolger
Theodor I.Papst
649–653
Eugen I.