Martin Fischer-Hübner

Martin Fischer-Hübner (* 7. November 1885 in Skydstrupfeld; † 17. Oktober 1959 in Salem) war ein deutscher evangelischer Pfarrer, Kirchenhistoriker und Heimatforscher.[1]

Leben und Wirken

Nach seiner Reifeprüfung in Berlin studierte Martin Fischer-Hübner, der im damals zum Deutschen Reich gehörenden Nordschleswig geboren wurde, von 1905 bis 1908 Evangelische Theologie an der Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin. Nach seinem Studium war er zunächst Hilfsprediger in Berlin und Umgebung, dann Zivilerzieher im Königlichen Kadettenkorps in Groß-Lichterfelde. Im Jahre 1912 erfolgte die Ordination für den Dienst als evangelischer Pfarrer. Bis 1925 übernahm er verschiedene Pfarrstellen, u. a. von 1917 bis 1924 als Seelsorger der Strafanstalt in Wolfenbüttel und 1924/25 an der Diakonissenanstalt Elim in Hamburg. Von 1925 bis 1934 hatte er eine Pfarrstelle in Ratzeburg an der St.-Petri-Kirche inne, außerdem wirkte er als Militärseelsorger des Lauenburgischen Jäger-Bataillons Nr. 9. 1934 wurde er als Nachfolger des verstorbenen Karl Arndt zum Pastor des 2. Pfarrbezirks der St. Matthäi-Gemeinde in Lübeck-St. Lorenz berufen.

Fischer-Hübner stand der Gemeinschaftsbewegung nahe. Er unterstützte die Jugendbewegung Entschieden für Christus und die Abstinenzbewegung Blaues Kreuz. 1925 war er neben Johannes Muntau und Friedrich Heitmüller Mitbegründer der Organisation Schwarzes Kreuz Christliche Straffälligenhilfe.[2]

Fischer-Hübner war aber auch bis 1937 ein engagiertes Mitglied der den Nationalsozialismus unterstützenden „Deutschen Christen“. Während seiner Zeit in Ratzeburg war er deren dortiger Kreisleiter. Von 1933 bis 1945 war er Mitglied der NSDAP.[3] Seine Haltung führte zu einem Dauerkonflikt in der St.-Mätthäi-Gemeinde mit seinem Kollegen Gerhard Fölsch, der die Bekennende Kirche (BK) vertrat, und den BK-Teil des Kirchenvorstands und der Gemeinde.[4] Im Zuge der kirchlichen Entnazifizierung erhielt Fischer-Hübner „eine Belehrung, durch die ihm sein Irrweg nachdrücklich ins Bewusstsein gerufen werden sollte“.[5] Er konnte aber bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 30. September 1950 im Amt bleiben. Im Ruhestand zog er zurück in den Kreis Herzogtum Lauenburg.

Martin Fischer-Hübner war neben seinem Pfarramt als Heimatforscher und Kirchenhistoriker tätig und veröffentlichte u. a. über die lauenburgische Kirchengeschichte vor allem in der Zeit der Reformation.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Strafrecht und Strafvollzug. Neu-Leben-Verlag, Osterrode/Harz 1929.
  • Die Reformation in Lauenburg. Zwei Bände. Lauenburgischer Heimatverlag, Ratzeburg 1931.
  • Die älteste Kirchenordnung von Lauenburg und Hadeln (= Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte, Sonderhefte, Bd. 6). Hansen, Preetz/Holstein 1952.
  • (Mitautor): Hans Henning Schreiber (Hrsg.): Der Dom zu Ratzeburg. Acht Jahrhunderte. Kutscher, Ratzeburg 1954.
  • Geistchristentum in der lutherischen Kirche Lauenburgs 1626–1711. Freystatzky-Verlag, Ratzeburg 1955.
  • Adolf v. Duve (1790–1857), der lauenburgische Geschichtsschreiber. In: Lauenburgische Heimat, Jg. 1957, H. 18, S. 23–31.
  • Missionsleben in Stadt und Land Lauenburg seit 1834. Zum 150. Geburtstag von Louis Harms. Borchers, Lauenburg/Elbe 1958.
  • Louis Harms in Lauenburg. In: Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte, Reihe 2, Bd. 18 (1961/62), S. 104–113.

Literatur

  • Hansjörg Buss: "Entjudete" Kirche. Die Lübecker Landeskirche zwischen christlichem Antijudaismus und völkischen Antisemitismus (1918–1950). Schöningh, Paderborn 2011, ISBN 978-3-506-77014-1
  • Claudia Tanck: Fischer-Hübner, Martin. In: Eckardt Opitz (Hrsg.): Biografisches Lexikon Herzogtum Lauenburg. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2015, ISBN 978-3-89876-778-1, S. 149f.

Einzelnachweise

  1. Claudia Tanck: Fischer-Hübner, Martin. In: Eckardt Opitz (Hrsg.): Biografisches Lexikon Herzogtum Lauenburg. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2015, S. 149f., ISBN 978-3-89876-778-1 (mit allen biografischen Daten u. Foto).
  2. Karl Heinrich Schäfer: Die Entwicklung der evangelischen Straffälligenhilfe: Von der Gefangenenhilfe zur Hilfe für Menschen in besonderen sozialen Lebenslagen. Freiburg: Lambertus 2017, ISBN 978-3-7841-2993-8, S. 56
  3. Martin Fischer-Hübner. In: Pastorenverzeichnis Schleswig-Holstein (hier ist fälschlich sein Sterbejahr 1950 genannt, abgerufen am 8. Oktober 2025).
  4. Hansjörg Buss: "Entjudete" Kirche. Die Lübecker Landeskirche zwischen christlichem Antijudaismus und völkischen Antisemitismus (1918–1950). Schöningh, Paderborn 2011, ISBN 978-3-506-77014-1, S. 252f
  5. Hansjörg Buss: "Entjudete" Kirche. Die Lübecker Landeskirche zwischen christlichem Antijudaismus und völkischen Antisemitismus (1918–1950). Schöningh, Paderborn 2011, ISBN 978-3-506-77014-1, S. 401