Marthe Ekemeyong Moumié

Marthe Ekemeyong Moumié (* 4. September 1931 in Ebom Essawo; † 7./8. Januar 2009 in Ebolowa[1]) war eine kamerunische antikolonialistische Aktivistin und Autorin. Sie war die Witwe des 1960 ermordeten Politikers Félix-Roland Moumié und fiel ihrerseits rund 50 Jahre später einem Mord zum Opfer.

Biographie

Marthe Ekemeyong wuchs in einer einfachen Familie auf und gehörte zum Stamm der Bulu. Sie besuchte eine protestantische Missionsschule, die sie mit guten Noten abschloss. 1947 lernte sie in Lolodorf den jungen Arzt und Unabhängigkeitskämpfer Félix-Roland Moumié kennen. Ihre Eltern lehnte eine Heirat mit ihm zunächst ab, da er ein Bamun war, und willigten erst drei Jahre später in die Ehe ein.[2]

Moumié schloss sich wie ihr Mann der Partei Union of the Peoples of Cameroon (UPC) – sie gehörte zu den ersten 30 Mitgliedern – an, die für Unabhängigkeit Kameruns von Frankreich kämpfte, und wurde Vorsitzende der Frauenunion dieser Partei Union Démocratique des Femmes Camerounaises (UDEFEC). Auf die Eheleute wurden mehrere erfolglose Attentate verübt. 1951 starb ihre erste Tochter an Malaria, kurz nachdem die zweite Tochter Hélène geboren war. Es heißt, Moumié habe den Sarg mit ihren sterblichen Überresten in den kommenden Jahren zu verschiedenen Orten mitgenommen.[2]

Die UPC entwickelte sich zur größten Partei von Französisch-Kamerun mit über 400 Ortsgruppen. Der französische Hochkommissar Laurent Pré wurde nach Douala entsandt, um diese Opposition zu zerschlagen. Am 25. Mai 1955 umstellten französische Soldaten ein Gelände, auf dem Félix Moumié eine Konferenz der UPC abhielt, und eröffneten das Feuer auf die Teilnehmer. Es brachen schwere Unruhen aus, mit rund tausend Toten in Douala selbst und rund 5000 Toten im ganzen Land. Die französischen Kolonialbehörden leiteten eine Fahndung ein, und das Ehepaar Moumié floh mit einem Einbaum nach Kumba in Britisch-Kamerun. Die dortigen Behörden zwangen sie, Kamerun zu verlassen.[2]

Zunächst fanden die Eheleute Zuflucht in Ägypten. Nach der Unabhängigkeit Ghanas erhielten sie unter Präsident Kwame Nkrumah politisches Asyl. 1959 nahmen Marthe und Félix-Roland Moumié an der panafrikanischen „All-African Peoples' Conference“ in Accra teil, wo Marthe Moumié als einzige Frau eine Rede hielt. Dann ging das Ehepaar nach Guinea, wo Sékou Touré Präsident war, und setzte seine politischen Aktivitäten fort.[2] Ihre Tochter Hélène besuchte später aus Sicherheitsgründen eine Schule in China; dorthin war Marthe Moumié schon 1959 mit Delegierten der UDEFEC gereist.[3]

1960 flog Félix-Roland Moumié im Auftrag der Partei nach Genf. Dort starb er am 6. November 1960 in einem Krankenhaus an einer Thallium-Vergiftung, in Anwesenheit seiner Frau, die ihm auf die Nachricht seiner Erkrankung hin gefolgt war. Marthe Moumié beschuldigte den französischen Geheimdienst, ihren Mann vergiftet zu haben. Laut polizeilichen Ermittlungen soll ihm das Gift am Abend des 16. Oktober in einem Getränk in seinem Hotel verabreicht worden sein von einem französischen Agenten, der sich als Journalist ausgegeben hatte.[4] Auch weitere Mitstreiter von der UPC wie Ruben Um Nyobè und Ernest Ouandié kamen gewaltsam zu Tode: Nyobè wurde von französischen Soldaten erschossen, Ouandié von den Kolonialbehörden hingerichtet.[5]

Nach dem Tod ihres Mannes ging Moumié, die sich weiterhin für ihre politischen Ziele engagierte und ein breites Netzwerk nicht nur in Afrika hatte, eine Beziehung mit Atanasio Ndongo Miyone ein, einem Nationalisten aus Äquatorialguinea und dortigem Außenminister. Er wurde 1969 nach einem angeblichen Putsch gegen den äquatorialguineischen Präsidenten Francisco Macías hingerichtet. Ekemeyong berichtete in ihrer Autobiografie Victime du Colonialisme Français, sie sei fünf Jahre lang in Gefängnissen in Äquatorialguinea und Kamerun inhaftiert und gefoltert worden. Nach ihrer Freilassung 1974 wurde sie – traumatisiert und psychisch gebrochen – von ihren ehemaligen Schwiegereltern aufgenommen, wo sie zurückgezogen lebte und sich weigerte, Interviews zu geben.[2] Sie erhielt eine kleine Rente, wurde zudem finanziell von ihrer in Spanien lebenden Tochter unterstützt und adoptierte ein kleines Mädchen. Anfang der 2000er Jahre machte sie Pläne zur Gründung einer Fondation Felix Moumi und schrieb ihre Autobiographie.[2] 2005 (L’assassinat de Félix Moumié. L’Afrique sous contrôle) sowie 2006 (Memòria Negra) war sie in zwei Dokumentarfilmen zu sehen.[6]

In der Nacht vom 7. auf den 8. Januar 2009 wurde Moumié in ihrem Haus im kamerunischen Ebolowa ermordet; sie wurde vergewaltigt und erdrosselt. Laut Polizeiangaben war der Täter ein junger Dorfbewohner, der sie hatte bestehlen wollen. Er habe geglaubt, dass sie wegen der Unterstützung von ihrer Tochter und durch den Verkauf ihres Buches wohlhabend sei.[7] Der Mann, der die Tat gestand, wurde am 23. Mai 2013 zum Tode verurteilt.[8]

Publikationen

  • Victime du colonialisme français: Mon mari Félix Moumié. Mit einem Vorwort von Ahmed Ben Bella. editions duboiris, 2006, ISBN 978-2-9522315-2-7.
Commons: Marthe Ekemeyong Moumié – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Marthe Moumié, la "fidèle combattante" inhumée à Ebom Essawo. In: royaumebamoun.com. Abgerufen am 25. Dezember 2025.
  2. a b c d e f Natou Pedro Sakombi: Marthe Ekemeyong Moumie, une héroïne de conviction – Reines & Héroïnes d'Afrique. In: reinesheroinesdafrique.wordpress.com. 14. Oktober 2017, abgerufen am 25. Dezember 2025 (französisch).
  3. Caitlin Barker: Diplomacy of Intimacy: Cameroonian Women’s Anticolonial Diplomacy with China in the Era of Decolonization. In: The Journal of African History. Nr. 66, 2025, S. 16 (cambridge.org [PDF]).
  4. Thomas Riegler: Politischer Mord in Genf: Rattengift zum Abendessen. In: woz.ch. 15. Oktober 2020, abgerufen am 25. Dezember 2025.
  5. Ephrem Rugiririza: Cameroon: Um Nyobè, a hero and symbol of French colonial crimes. In: justiceinfo.net. 13. September 2021, abgerufen am 25. Dezember 2025 (englisch).
  6. Xavier Montany\u00e0: Marthe Moumié, lluitadora independentista i víctima del colonialisme. In: vilaweb.cat. 17. März 2019, abgerufen am 25. Dezember 2025 (katalanisch).
  7. Romain Nono: Mémoire : 10 ans déjà que le Cameroun a perdu une grande figure de son histoire, Marthe Moumié - Lebledparle. In: lebledparle.com. 9. Januar 2019, abgerufen am 25. Dezember 2025 (französisch).
  8. Arol Ketchieman: Riviere de sang. Enquêtes sur les morts non élucidées qui ont marqué le Cameroun. 2022, ISBN 978-2-492-17013-3, S. 250 (französisch).