Martha Ndumbe

Martha Ndumbe (* 27. Juli 1902 in Berlin; † 5. Februar 1945 im KZ Ravensbrück) war eine Afrodeutsche, die Opfer des Nationalsozialismus wurde. Seit Oktober 2025 ist ein Platz im Berliner Ortsteil Wedding nach ihr benannt.[1]

Leben

Ndumbe wurde am 27. Juli 1902 in Berlin geboren. Ihr Vater, Jacob Ndumbe, und ihre Mutter, Dorothea Grunwaldt, wohnten zur Zeit der Geburt Marthas in der Schönhauser Allee 133.[2] Jacob Ndumbe war 1896 zur Teilnahme an der Berliner Kolonialausstellung nach Deutschland gekommen und hatte sich entschlossen, nach deren Ende in Berlin zu bleiben, wurde aber nicht eingebürgert. Er ließ sich als Schmied ausbilden und heiratete die in Hamburg geborene Dorothea Grundwaldt. Martha Ndumbes jüngerer Bruder Alfred starb noch als Säugling. Ihre Eltern ließen sich scheiden als Ndumbe etwa acht Jahre alt war. Ihre Mutter zog nach der Scheidung nach Hamburg, und Ndumbe wuchs in Berlin zeitweise mit einer deutschen Familie auf. 1918 wurde ihr Vater in das psychiatrische Krankenhaus Dalldorf zwangseingeliefert, wo er 1919 verstarb. Etwas später brachte Ndumbe eine Tochter zur Welt, die schon vor ihrem ersten Geburtstag starb. Ndumbes Lebenschancen waren nicht nur durch ihre schlechte soziale Situation beeinträchtigt, sondern auch durch eine zunehmende Diskriminierung der Schwarzen in Deutschland. Unausgebildet und ohne feste Anstellung lebte sie ab Mitte der 1920er-Jahre in Berlin hauptsächlich von Kleinkriminalität und Prostitution. Im Jahr 1932 heiratete sie Kurt Borck, der ihr Zuhälter wurde. Seinen Gewalttätigkeiten ausgesetzt, brachte sie ihn 1937 durch eine Anzeige ins Gefängnis und ließ sich 1938 von ihm scheiden. Im November 1943 wurde Ndumbe wegen Diebstahls und Besitzes von Diebesgut zu anderthalb Jahren Haft verurteilt. Sie war zuerst im Frauengefängnis Barnimstraße in Berlin und später in Leipzig inhaftiert. Am 9. Juni 1944 wurde sie als sogenannte Asoziale in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück gebracht, wo sie am 5. Februar 1945 starb.

Erinnerung

Am 29. August 2021 wurde an Ndumbes letztem Wohnort in der Max-Beer-Straße (ehemals Dragonerstraße) ein Stolperstein verlegt.

Seit Oktober 2025 trägt auf Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Mitte von Berlin ein 1884 nach Joachim Nettelbeck benannter Platz in Berlin Mitte nunmehr den Namen Martha-Ndumbe-Platz. Dazu teilte das Bezirksamt mit: „Nettelbeck war Obersteuermann auf Versklavungsschiffen, Koloniallobbyist und später ein [sic!] Symbolfigur des deutschen Nationalismus. Da er als Wegbereiter und Verfechter von Kolonialismus, Sklaverei und rassistisch-imperialistischen Ideologien gilt, erfüllt der Name die Kriterien für eine Umbenennung nach den Ausführungsvorschriften zum Berliner Straßengesetz … Mit der Benennung wird an die Opfer rassistischer Gewalt erinnert und eine bislang marginalisierte Biografie sichtbar gemacht.“[3]

Commons: Martha Ndumbe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Feier zur Umbenennung am Wochenende: Nettelbeckplatz in Berlin-Wedding heißt fortan Martha-Ndumbe-Platz. In: Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 14. Oktober 2025]).
  2. Martha Ndumbe werk=Stolpersteine in Berlin. Abgerufen am 14. Oktober 2025.
  3. Aus Nettelbeckplatz wird Martha-Ndumbe-Platz. Pressemitteilung des Bezirksamts Mitte vom 14. Oktober 2025.