M. NourbeSe Philip

Marlene NourbeSe Philip (* 3. Februar 1947 in Moriah, Tobago) ist eine kanadische Dichterin, Romancierin, Essayistin und Dramatikerin.[1] Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie mit dem Langgedicht Zong!. Zudem wurde sie mit einem PEN/Nabokov Award (2020) und einem Windham-Campbell Prize (2024) ausgezeichnet.[2][3][4][5]

Leben

Philip wurde auf Tobago geboren und veröffentlicht seit den 1980er-Jahren unter dem Namen M. NourbeSe Philip.[1] Nach einem Bachelorabschluss in Volkswirtschaftslehre an der University of the West Indies zog sie 1968 nach Kanada und setzte ihr Studium fort.[1] An der University of Western Ontario erwarb sie einen Masterabschluss in Politikwissenschaften und einen Abschluss in Jura.[1] Sie arbeitete als Anwältin in Toronto und gab den Beruf im Jahr 1983 auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen.[1] Zuvor hatte sie insgesamt sieben Jahre lang als Juristin praktiziert und lebt heute in Toronto.[2]

Wirken

Zu Philips frühen Gedichtbänden zählen Thorns (1980) und Salmon Courage (1983), gefolgt von She Tries Her Tongue, Her Silence Softly Breaks (1988), in denen sie sich mit Sprache, Geschlecht und Rassismus auseinandersetzt.[1] Mit dem Jugendroman Harriet’s Daughter (1988) und dem Prosaband Looking for Livingstone: An Odyssey of Silence (1991) erweiterte sie ihr Œuvre über die Lyrik hinaus.[1]

Besondere Resonanz fand Zong! (2008), ein formal radikales Langgedicht, das ausschließlich aus Wörtern des britischen Gerichtsentscheids Gregson v. Gilbert montiert ist, welcher den Mord an etwa 150 versklavten Afrikanern auf dem Sklavenschiff Zong 1781 verhandelte.[2] Zum 15-jährigen Jubiläum erschien 2024 bei Graywolf Press eine erweiterte Neuausgabe von Zong! mit einem neuen Vorwort der Verfasserin sowie Essays von Saidiya Hartman und Katherine McKittrick.[2] Im Zusammenhang mit Zong! kam es 2021/2022 zu einer vielbeachteten Kontroverse um eine italienische Übersetzung ohne Einbindung der Verfasserin.[6]

Für ihr Gesamtwerk erhielt Philip 2020 den PEN/Nabokov Award for Achievement in International Literature.[3] Im Jahr 2021 wurde sie mit dem Molson Prize des Canada Council for the Arts ausgezeichnet.[7] 2024 gehörte Philip zu den mit 175.000 US-Dollar dotierten Windham-Campbell-Preisträgerinnen in der Kategorie Lyrik.[4][5][8][9]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g M. NourbeSe Philip. In: The Canadian Encyclopedia. 27. Januar 2016, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  2. a b c d Zong! In: Graywolf Press. 3. September 2024, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  3. a b Tom Stoppard, M. NourbeSe Philip, Tanya Barfield, Rigoberto González to Receive PEN America Honorary and Career-Achievement Literary Awards. In: PEN America. 12. Februar 2020, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  4. a b Eight writers win ‘freedom and time to write’ with $175,000 Windham-Campbell prizes. In: The Guardian. 2. April 2024, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  5. a b Eight writers awarded Yale’s Windham-Campbell Prizes. In: YaleNews. 2. April 2024, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  6. Why This Poet Declared War on Her Own Book. In: The Walrus. 27. Oktober 2022, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  7. 2021 Molson Prize winners. In: Canada Council for the Arts. 7. Juli 2021, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  8. m. nourbeSe philip, Christina Sharpe, and Jen Hadfield win 2024 Windham-Campbell Prizes. In: Quill & Quire. 3. April 2024, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  9. Poet-critic Hanif Abdurraqib among 8 winners of $175,000 Windham-Campbell Prizes. In: AP News. 2. April 2024, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).