Markus von Spiegelfeld
Markus Graf von Spiegelfeld (* 16. Februar 1858 in Innsbruck; † 6. Mai 1943 ebenda) war Statthalter von Tirol und Vorarlberg von 1907 bis 1913.
Frühes Leben und Ausbildung
Markus Graf Spiegelfeld entstammte der Adelsfamilie Spiegelfeld, deren Mitglieder über Jahrhunderte als Beamte und Offiziere im Dienst der Habsburgermonarchie tätig waren. Die Familie wurde 1620 in den Adelsstand, 1765 in den Freiherrnstand und 1917 schließlich in den Grafenstand erhoben. Er war das zweite von neun Kindern aus der Ehe des Geheimen Rates und Statthalters von Oberösterreich, Franz von Spiegelfeld, mit Maria Katharina Gräfin Bussy-Mignot (geb. 24. August 1831).
Spiegelfeld absolvierte ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Paris, Wien und Innsbruck.
Beruflicher Werdegang
1880 trat Spiegelfeld als Konzeptspraktikant der Statthalterei in Innsbruck in den Staatsdienst ein. Von 1888 bis 1894 war er als Kommissär bei den Bezirkshauptmannschaften Innsbruck, Trient und Kitzbühel tätig. 1894 wurde er der Statthaltereiabteilung in Trient zugewiesen, wo er bis zu ihrer Auflösung 1896 blieb. Im Jahr 1897 erfolgte seine Ernennung zum Bezirkshauptmann von Meran.
1901 übernahm Spiegelfeld die Leitung des Präsidialbüros der Statthalterei in Innsbruck, eine Position, die er nur kurz innehatte. Bereits 1902 wurde er zur Dienstleistung im Ministerium des Innern nach Wien berufen. Nach wiederholten Rücktrittsdrohungen des amtierenden Statthalters Erwin von Schwartzenau, der im März 1906 zurücktrat, wurde Spiegelfeld als Hofrat mit dem Titel und Charakter eines Statthalterei-Vizepräsidenten nach Innsbruck entsandt. Im Oktober 1906 folgte die Beförderung zum wirklichen Statthalterei-Vizepräsidenten, verbunden mit der Übertragung der Leitung der Statthalterei und aller Rechte eines Statthalters.
Am 28. August 1907 wurde Spiegelfeld offiziell zum Statthalter von Tirol und Vorarlberg ernannt.[1]
Statthalter von Tirol und Vorarlberg
Die ersten Jahre der Amtszeit von Heinrich von Spiegelfeld als Statthalter von Tirol waren von einer zunehmenden Radikalisierung in der Nationalitätenfrage geprägt. Dies wurde verschärft durch die Obstruktionspolitik der italienischen Abgeordneten im Tiroler Landtag sowie durch interne Auseinandersetzungen zwischen Liberalen und Konservativen. Spiegelfeld fand sich rasch zwischen den Fronten der streitenden Parteien wieder. In dieser Phase sozialer und politischer Konflikte hätten selbst erfahrene Politiker Herausforderungen bei der Bewältigung der Aufgaben gehabt. Spiegelfeld mangelte es jedoch an der strategischen Weitsicht, die für die Lösung der komplexen Probleme erforderlich gewesen wäre.
Bereits im Sommer 1911 kursierten Gerüchte über eine mögliche Ablösung des Statthalters, nachdem er in einer sensiblen Frage zu den Beziehungen mit Italien mehrmals seine Position geändert hatte.[2] Diese Schwächung seiner Autorität resultierte aus seiner Reaktion auf die Wahl des Grafen Maximilian Manci zum Bürgermeister von Trient im Jahr 1911. Manci galt den Deutschtirolern aufgrund seiner irredentistischen Haltung als problematische Figur. Um nicht für die Vergabe des Amtes in der größten Stadt Südtirols an einen ehemaligen Vertreter des Königreichs Italien verantwortlich gemacht zu werden, verweigerte Spiegelfeld die Ausstellung der erforderlichen kaiserlichen Bestätigung.
Daraufhin kam es in Welschtirol zu Demonstrationen gegen Österreich-Ungarn. Spiegelfeld schlug der Regierung in Wien vor, die autonomen Rechte der Stadt Trient einzuschränken und sie unter staatliche Aufsicht zu stellen. Ministerpräsident Paul Gautsch nahm den Vorschlag auf und ließ eine entsprechende Absichtserklärung verbreiten, ohne die potenziellen Konsequenzen vollständig abzuwägen. Spiegelfeld zog seinen Vorschlag jedoch kurz darauf zurück, da er die Risiken für den Nationalitätenkonflikt erkannte. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Ankündigung bereits öffentliche Wirkungen entfaltet und das Ministerium in eine unangenehme Lage gebracht, was Spiegelfelds Reputation weiter schädigte. Vom Plan einer Kuratel über Trient wurde letztlich Abstand genommen, die Bürgermeisterfrage blieb jedoch ungelöst.
Im August 1912 annullierte Spiegelfeld die Bürgermeisterwahl, was die Situation erneut eskalieren ließ. Während die Deutschnationalen das Edikt grundsätzlich begrüßten, kritisierten sie seine Formulierung als nicht ausreichend scharf. Andere Parteien, einschließlich solcher, die dem Statthalter nahestanden, hielten das Vorgehen für übertrieben und rechtlich angreifbar. Der Allgemeine Tiroler Anzeiger wies darauf hin, dass mit italienischen Gemeinden anders verfahren werde als mit Städten anderer Nationalitäten.[2] Spiegelfeld blieb im Amt, da in kurzer Zeit kein geeigneter Nachfolger gefunden werden konnte und der bevorstehende Rücktritt Gautschs eine sofortige Ablösung verhinderte.
Im Januar 1913 wurde die Statthalterkrise durch Berichte in der italienischen Presse neu angefacht. Diese verbanden den erwarteten Rücktritt Spiegelfelds mit seiner Haltung in der sogenannten Fleimstalbahnfrage. Im Rahmen des Bozner Kompromisses von 1909 hatte Spiegelfeld im Zuge der Vorbereitungen zu den Zentennialfeiern den Italienern zugesichert, die Fleimstalbahn als sogenannte Doppelbahn mit separaten deutschen und italienischen Linien nach Bozen und Trient zu errichten. Diese Zusage konnte jedoch nicht eingehalten werden, da das Kabinett unter Ministerpräsident Karl Stürgkh sich nicht daran gebunden fühlte. Dies führte zu Protesten der italienischen Abgeordneten im Tiroler Landtag und resultierte in einer vollständigen Lähmung der parlamentarischen Arbeit. Die Verantwortung für dieses Scheitern wurde Spiegelfeld angelastet, dessen Politik als kurzfristig und opportunistisch wahrgenommen wurde.[3]
Nachdem Spiegelfeld das Vertrauen der Parteien verspielt und die Blockade im Landtag nicht auflösen konnte, reichte er in der Karwoche 1913 seine Demission ein. Diese wurde am 27. März 1913, ungewöhnlich zügig, angenommen. Als Nachfolger wurde Graf Friedrich von Toggenburg ernannt.
Persönliches und Familiäres
Markus von Spiegelfeld war zweimal verheiratet. Mit seiner ersten Frau, der Innsbruckerin Albertine Tschiderer von Gleifheim (1862–1935), hatte er fünf Kinder: Magdalena Maria Catharina (1888–1973), Martha (1889–1970), Sibylle (1892–1926), Maria (1897–1973) und Franz Xaver Matz (1900–1965). Die Familie bewohnte den Ansitz Liechtenthurn in der Schneeburggasse 15. Vier Jahre nach dem Tod seiner Frau Albertine heiratete er, im 82. Lebensjahr stehend, die um 47 Jahre jüngere Herzogin Leonarda (Leonie) Bianchi von Casalanza (1905–1982).
Er ist auf dem Friedhof in Hötting, Gräberfeld 5, Grab Nr. 251–253, an der Seite seiner ersten Frau begraben.
Seine dritte Tochter, Sibylle Spiegelfeld, verehelichte Klinger von Klingerstorff beging Selbstmord, nachdem ihr Liebhaber, der Hochstapler Cyrill Constantin Orlow von ihrem Gatten bei einem Recontre im Jagdforst des Schlosses Raabs erschossen wurde. Sie ist im Klinger-Mausoleum beigesetzt, das der Gatte für die Verstorbene hat errichten lassen. Über den Vorfall, der als „Tragödie von Raabs“[4] in die Geschichte eingegangen ist, berichtete die Presse damals sehr ausführlich.
Spiegelfeld war sehr sozial veranlagt. Im Ersten Weltkrieg betätigte er sich beim Roten Kreuz in der Kriegsgefangenenfürsorge. Er war Ritter des Franz Joseph-Ordens (seit 1899) und Träger von mehreren hohen Auszeichnungen, unter anderem des Komturkreuzes 1. Klasse des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens und des serbischen Takovo-Ordens.
Er verfasste einen Nachruf auf den in Sarajevo ermordeten Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand.[5]
Literatur
- R. Schober: Spiegelfeld, Markus Gf. von. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 13, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2010, ISBN 978-3-7001-6963-5, S. 20 f. (Direktlinks auf S. 20, S. 21).
- Matthias Egger: „Wir gehen furchtbar ernsten Zeiten entgegen“. Markus Graf Spiegelfeld und der Erste Weltkrieg. In: Tiroler Chronist 2015/1, S. 29–33 (PDF)
Einzelnachweise
- ↑ ANNO, Innsbrucker Nachrichten, 28. August 1907, S. 1. Abgerufen am 12. Dezember 2025.
- ↑ a b ANNO, Innsbrucker Nachrichten, 25. August 1911, S. 5. Abgerufen am 12. Dezember 2025.
- ↑ ANNO, Neue Freie Presse, 30. März 1913, S. 7. Abgerufen am 12. Dezember 2025.
- ↑ Burg Raabs an der Thaya Sagen - Klingertragödie. Abgerufen am 12. Dezember 2025.
- ↑ Innsbrucker Nachrichten, 2. Juli 1914, S. 1 f. Digitalisat