Marjana Domaškojc

Marjana Domaškojc (deutsch Marianne Domaschke; * 28. Februar 1872 in Zahsow; † 11. August 1946 ebenda) war eine niedersorbische (wendische) Fabrikarbeiterin, Arbeiterschriftstellerin, Lyrikerin und Theaterautorin.

Leben

Marjana Domaškojc wuchs mit ihrer älteren Schwester Liza, zu der sie eine enge Bindung hatte, in Zahsow auf. Die Familie lebte im regionaltypischen Wohn-Stall-Gebäude der Großeltern und betrieb zur Selbstversorgung eine kleine Landwirtschaft. Mit 14 Jahren begann Marjana Domaškojc ab 1886 zusätzlich zur Mitarbeit in Hof und Haushalt in einer fünf Kilometer entfernten Textilfabrik in Cottbus/Chóśebuz zu arbeiten, in der auch ihre Schwester Liza beschäftigt war. An sechs Tagen der Woche absolvierten sie Arbeitsschichten von anfangs zwölf Stunden. Der Fußweg von je einer Stunde wurde später einfacher für sie, als sie Fahrräder hatten. Ab 1916 blieb Liza zuhause und sorgte nach dem Tod des Vaters für die kranke Mutter, außerdem versorgte sie Tiere, Haushalt, Feld und Garten, während Marjana Domaškojc weiterhin mit der Fabrikarbeit den Lebensunterhalt der Familie sicherte.[1] Bis 1931 war sie dort beschäftigt und sammelte Eindrücke und Erfahrungen der wendisch-deutschen Arbeitsverhältnisse in der Niederlausitz.

Marjana und Liza Domaškojc waren in der Gewerkschaft und im sorbischen/wendischen Kulturverein „Maśica Serbska“ aktiv. Mit der wendischen Trachtenschneiderin Pauline Krautz und der Schriftstellerin und Redakteurin Mina Witkojc, die teils auch länger bei ihnen zu Besuch war, unterhielten sie langjährige Freundschaften. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die sorbische/wendische Kultur bald als „minderwertig“ bekämpft. Marjana Domaškojc weigerte sich, die positive jüdische Figur des Aaron in ihrem Theaterstück umzuschreiben und die Sozialkritik abzuschwächen. Sie führte stetige Briefwechsel mit wendischen Aktivistinnen und Aktivisten und reiste 1932 zusammen mit Gleichgesinnten zur Aufführung ihres ersten Theaterstückes nach Prag. In der Folge wurde sie mehrmals durch die Gestapo verhört, die auch Hausdurchsuchungen vornahm, und sie als „gefährliche Sozialdemokratin“ führte.[1]

Schriftstellerisches Werk

Ermutigt durch Mina Witkojc schrieb Marjana Domaškojc ab 1925 für verschiedene wendische Zeitungen und Zeitschriften Berichte, autobiografische Texte und vor allem Gedichte. In ihren Gedichten flossen vor allem ihre Eindrücke der heimischen Natur und des dörflichen Lebens aus religiöser Sicht ein. Außerdem schrieb sie auch patriotische Gedichte, in denen sie sich mit der damaligen Situation der Sorben/Wenden kritisch auseinandersetzte.[1]

Im Jahre 1929 erschien ihr sozialkritisches Theaterstück Z chudych žywjenja (Aus dem Leben der Armen) in der damaligen Kulturzeitschrift Łužyca, in dem sie die Lebensverhältnisse der Sorben beschrieb. Das Stück konnte aufgrund des Widerstandes deutschnationaler Kreise nicht in Deutschland aufgeführt werden, vor allem da die tragende Figur des Juden Aron positiv beschrieben wurde. Es wurde 1932 erstmals in Prag auf Tschechisch aufgeführt. Auch ihr zweites Stück wurde in der Lausitz nicht aufgeführt und weitere Manuskripte wurden vermutlich beschlagnahmt.[1] Ihr Theaterstück Šwickojc pytaju źowku (Die Schwitzkes suchen eine Magd) wurde 1932 ebenfalls in der Zeitschrift Łužyca veröffentlicht und erschien 1936 als Buch.[2]

Marjana Domaškojcs Werk zeigt „eine Perspektive der niedersorbischen Landbevölkerung und Fabrikarbeiter*innen um 1900, von der es wenig schriftliches Zeugnis gibt“. „Während der DDR-Zeit wurde Marjana Domaškojc als Arbeiterschriftstellerin rezipiert und gewürdigt“.[1]

Ehrungen

Nach Marjana Domaškojc wurde in der DDR die damalige Sorbische Erweiterte Oberschule in Cottbus (heutiges Niedersorbisches Gymnasium) benannt. Im Cottbuser Stadtteil Schmellwitz trägt eine Straße und in Raddusch die Kindertagesstätte ihren Namen.

Marjana Domaškojc wurde 2024 mit der Aufnahme in das Projekt FrauenOrte Brandenburg des Frauenpolitischen Rates Land Brandenburg ausgezeichnet, das Leben und Wirken bedeutender Frauen in der brandenburgischen Geschichte sichtbar macht. Wie auch in anderen nationalen Projekten der Frauenorte werden Frauen in Deutschland und ihr Lebenswerk als historische Vorbilder geehrt.[3] Die Gedenktafel befindet sich in ihrem früheren Wohnort am Dorfgemeinschaftshaus in der Dorfaue 9F in Zahsow. ()[1]

Marjana Domaškojcs Grabkreuz auf dem Friedhof in Zahsow steht unter Denkmalschutz.

Literatur

  • Ein kleines Lexikon – Sorben/Serbja. Domowina-Verlag, Bautzen 1989, ISBN 3-7420-0405-0.
  • Trudla Malinkowa: Sorbische Denkmale. Handbuch sorbischer Gedenk- und Erinnerungsstätten. Domowina Verlag, Bautzen 2022, ISBN 978-3-7420-2647-7, S. 259–261, S. 345f.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Marjana Domaškojc. Niedersorbische Fabrikarbeiterin und Dichterin, 1872 – 1946. In: FrauenOrte Land Brandenburg. Abgerufen am 7. November 2025
  2. Zwei Handschriften der niedersorbischen Schriftstellerin Marjana Domaškojc erhalten. In: Sorbisches Institut vom 8. Mai 2024. Abgerufen am 7. November 2025
  3. FrauenOrte Land Brandenburg. In: FrauenOrte Land Brandenburg. Abgerufen am 7. November 2025