Marion Kaulitz

Marion Kaulitz (* 9. März 1865 in Braunschweig, als Marion Magdalena Kaulitz, genannt Marion Gräfin von Kaulitz; † 6. Juni 1948 in Bayerisch Gmain) war eine deutsche Malerin, Illustratorin und Puppenmacherin. Durch ihre Gestaltung von Puppen zur Ausstellung „München 1908“, wurde sie zur Pionierin der modernen Puppenreform um 1900.

Leben und Werk

Marion Kaulitz wuchs in Braunschweig auf. Ihr Vater August Kaulitz war Notar und Rechtsanwalt[1], die Mutter stammte aus Großbritannien. Ihre künstlerische Ausbildung erlangte sie in Paris und Berlin sowie in München[2], wo sie ab 1892 an der Damen-Akademie des Künstlerinnen-Vereins studierte. Um 1900 betätigte sie sich als Kinderbuchillustratorin. Dem Deutschen Werkbund, der 1907 gegründet wurde, trat Kaulitz früh bei.

Für die Stadtjubiläums-Ausstellung „München 1908“ entwickelte sie mit einem Kreis von Künstlern Puppen für Kinder und gestaltete einen Raum der Schau als Puppenzimmer. Die Puppenköpfe wurden von dem Porzellanmaler Josef Wackerle, dem Bildhauer Paul Vogelsanger und der Malerin Marie Schnür modelliert. Bemalt wurden diese von Aline Stickel und Kaulitz selbst. Die Bekleidung fertigten Wanda von Cranach, Alice Hegemann, Lilian Frobenius und Kaulitz an. Der Inneneinrichter Hermann Tietz nahm die Kaulitz-Puppen in sein Warensortiment auf. 1909 wurde die Firma „Münchner Künstler Kaulitz-Puppen“ mit Sitz in Gmund am Tegernsee gegründet und als Warenzeichen eingetragen. Die Puppen wurden an Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt und erhielten Auszeichnungen. 1914 kam Kaulitz’ Firma in finanzielle Not und musste schließen.[3]

Während des Ersten Weltkrieges entwarf Marion Kaulitz Marionetten und gründete 1915 das „Münchner Künstler Kriegs-Puppenspiel“. In Zusammenarbeit mit der Puppenspielerin und Puppenmacherin Else Hecht tourte sie durch deutsche Großstädte und gab Puppentheater-Vorstellungen.[1]

1924 zog Kaulitz mit ihrer Atelier- und Lebensgefährtin, der Malerin und Illustratorin Aline Stickel, nach Bayerisch Gmain, wo sie 1948 verarmt starb.[4]

Literatur

  • Deutsches Spielzeugmuseum Sonneberg: Künstlerpuppen, Puppenkünstler: Die Münchner Puppenreform im Spiegel der Sammlungen des Deutschen Spielzeugmuseums, Sonneberg 2009.
  • Antje Lode: Skulptur und Puppe. Vom Menschenbildnis zum Spielzeug, Berlin 2008, ISBN 978-3-937434-20-9.
  • Ulrike Zeit: Künstler machen Puppen für Kinder. Von Marion Kaulitz bis Elisabeth Pongratz, Duisburg 1992, ISBN 3-87463-191-5.

Einzelnachweise

  1. a b Tulga Beyerle, Klara Nemeckova (Hrsg.): Gegen die Unsichtbarkeit. Designerinnen der Deutschen Werkstätten Hellerau 1898 bis 1938. Hirmer, München 2018, S. 198, ISBN 978-3-7774-3218-2.
  2. Antje Lode: Skulptur und Puppe. Vom Menschenbildnis zum Spielzeug, Berlin 2008, S. 30.
  3. Antje Lode: Skulptur und Puppe. Vom Menschenbildnis zum Spielzeug, Berlin 2008, S. 30–47.
  4. Deutsches Spielzeugmuseum Sonneberg: Künstlerpuppen Puppenkünstler – Die Münchner Puppenreform im Spiegel der Sammlungen des Deutschen Spielzeugmuseums, Sonneberg 2009, S. 67.