Marina Chernivsky
Marina Chernivsky (hebräisch מרינה צ'רנובסקי; * 1976 in Lwiw, Ukraine) ist eine israelische Psychologin und Antisemitismusforscherin.[1][2] Sie leitet das Kompetenzzentrum für antisemitismuskritische Bildung und Forschung und ist Gründungsgeschäftsführerin der Beratungsstelle OFEK e.V.[3] 2025 veröffentlichte sie im S. Fischer Verlag den Essayband Bruchzeiten – Leben nach dem 7. Oktober.[2][4]
Leben
Chernivsky wurde 1976 in Lwiw geboren und wuchs in Israel auf.[1][2] Seit den 2000er-Jahren lebt sie in Berlin.[2] Sie studierte Verhaltenswissenschaften, Psychologie und Psychotherapie in Israel und Berlin.[5] Sie ist Mitherausgeberin der Zeitschrift Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart beziehungsweise der gleichnamigen Buchreihe.[2]
Wirken
Chernivsky gründete 2015 das Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment (KPE) in Trägerschaft der ZWST und leitet heute das daraus hervorgegangene Kompetenzzentrum für antisemitismuskritische Bildung und Forschung.[6][1] Im Jahr 2017 rief sie die Beratungsstelle OFEK e.V. ins Leben, die Betroffene antisemitischer Gewalt und Diskriminierung begleitet.[6][3] Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 stiegen die Anfragen bei OFEK stark an, worauf das Team mit Krisenstrukturen und erweiterten Angeboten reagierte.[3] Chernivsky beschreibt die Zäsur für jüdisches Leben nach dem 7. Oktober und plädiert für neue gesellschaftliche Antworten auf Antisemitismus.[7][2] Ihr Buch Bruchzeiten – Leben nach dem 7. Oktober verwebt autobiografische Passagen mit gesellschaftlichen Beobachtungen und setzt sich mit der Wirkung von Gewalt- und Krisenerfahrungen auf jüdische Biografien auseinander.[4][5]
Sie ist Mitglied im Vorstand von Amcha Deutschland.[8]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- mit Friederike Lorenz-Sinai (Hrsg.): Die Shoah in Bildung und Erziehung heute: Weitergaben und Wirkungen in Gegenwartsverhältnissen. Verlag Barbara Budrich, Leverkusen 2022, ISBN 978-3-8474-1727-9
- mit Friederike Lorenz-Sinai, Johanna Schweitzer: Von Antisemitismus betroffen sein: Deutungen und Umgangsweisen jüdischer Familien und junger Erwachsener. Juventa Verlag, Weinheim/Basel 2023, ISBN 978-3-7799-7045-3
- mit Friederike Lorenz-Sinai: Antisemitismus im Kontext Schule: Deutungen und Praktiken von Lehrkräften und Schulleitungen. Juventa Verlag, Weinheim/Basel 2023, ISBN 978-3-7799-7430-7
- Bruchzeiten: Leben nach dem 7. Oktober. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025, ISBN 978-3-10-397712-7
Weblinks
- Literatur von und über Marina Chernivsky im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Marina Chernivsky bei Perlentaucher
Einzelnachweise
- ↑ a b c Wie viel Antisemitismus gibt es in Deutschland? In: chrismon.de. 7. Oktober 2024, abgerufen am 13. November 2025.
- ↑ a b c d e f Marina Chernivsky über Judentum heute: „Wenn etwas Großes in das Leben von Einzelnen einwirkt“. In: taz.de. 13. November 2025, abgerufen am 13. November 2025.
- ↑ a b c »Der Bedarf hat sich verdreifacht«. In: Jüdische Allgemeine. 19. Oktober 2023, abgerufen am 13. November 2025.
- ↑ a b Lemberg, Jerusalem, Berlin – Marina Chernivskys »Bruchzeiten«. In: jungle.world. 9. Oktober 2025, abgerufen am 13. November 2025.
- ↑ a b »Das Einfühlungsvermögen für Juden ist aufgebraucht«. In: Jüdische Allgemeine. 30. September 2025, abgerufen am 13. November 2025.
- ↑ a b Interview: Wie bei antisemitischen Vorfällen Unterstützung aus der Community aussehen kann. In: Belltower.News. 4. Oktober 2021, abgerufen am 13. November 2025.
- ↑ »Das Massaker am 7. Oktober markiert einen tiefen Einschnitt«. In: Amnesty Journal. 8. Januar 2024, abgerufen am 13. November 2025.
- ↑ Über Amcha – Amcha Deutschland e.V. Abgerufen am 14. Dezember 2025.