Marienkapelle (Söder)
Die Marienkapelle (Patrozinium Unbefleckte Empfängnis Mariä) im Ortsteil Söder der Gemeinde Holle im Landkreis Hildesheim ist eine katholische Kirche mit Wallfahrtstradition. Sie ist neben Germershausen die einzige Marienwallfahrtsstätte im Bistum Hildesheim.
Geschichte
Die Marienkapelle wurde 1862 von Andreas Graf zu Stolberg (1786–1863) als Ersatz für die katholische Kapelle des benachbarten Schlosses Söder errichtet, nachdem das Schloss an den protestantischen Boguslav Graf von Schwicheldt verkauft worden war. Die Benediktion der Kapelle erfolgte am 4. November 1862 durch Dechant Even aus Detfurth. Die Einrichtung der Schlosskapelle, insbesondere das Gnadenbild der Muttergottes im Sternenkranz, wurde in den Neubau übertragen. 1983 erfuhr die Kapelle eine Erweiterung. Seitdem hängt im Vorraum der Kapelle ein Text mit drei Strophen des von Graf Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg 1819 in Söder verfassten Söderliedes.[1]
Zur Marienkapelle in Söder gehört keine Pfarrgemeinde. Für die Belebung der Wallfahrt, für den Erhalt der Kapelle mit Pilgerhaus, Außenaltar und Kreuzweg und für die bauliche Erweiterung und künstlerische Bereicherung setzte sich im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts Prälat Franz Josef Wothe mit großer Energie ein. Bis heute wird das kleine Pilgerzentrum von privaten Förderern getragen.
Seit dem 1. August 2004 gehören die katholischen Einwohner von Söder zur Pfarrgemeinde St. Hubertus mit Sitz auf Burg Wohldenberg, im Dekanat Alfeld-Detfurth des Bistums Hildesheim. Zuvor gehörten sie zur Pfarrei St. Joseph in Henneckenrode.
Architektur und Ausstattung
Der geostete, äußerlich schmucklose Bau, in rund 161 Meter Höhe über dem Meeresspiegel gelegen, besteht aus einem Langschiff mit Querhaus und vorgesetztem Eingangsraum. Die „Spitze“ des Kreuzgrundrisses ist durch die hölzerne Altarwand abgetrennt und dient als Sakristei.
Wie die Schlosskapelle wird auch die Marienkapelle durch Fenster auf der rechten Seite belichtet. Das Innere zeigt eine nahezu geschlossene Barockausstattung.
Das Gnadenbild über dem Altar zeigt Die Verherrlichung Mariens. Es stammt aus der St.-Marien-Kirche in Engerode, wo die Grafen von Stolberg, denen auch das Schloss Söder gehörte, bis 1840 ein Rittergut besaßen. 1841 erwarb die Gemeinde Engerode das Rittergut und das Gnadenbild kam noch im selben Jahr nach Schloss Söder.
Auffällig sind neben dem Gnadenbild der Muttergottes auf der Mondsichel vier weitere großflächige Ölgemälde mit Darstellungen der heiligen Antonius von Padua, Felicitas, Johannes Nepomuk mit einem Engel und Josef. Sie wurden vom selben unbekannten Maler geschaffen, von dem auch das Gnadenbild stammt.
Am Außenaltar, der zwischen der Marienkapelle und dem Pilgerhaus steht, ist eine 1,50 × 0,90 Meter große Tafel mit einer Mondsichelmadonna im Strahlenkranz platziert. Das 1741 geschaffene Kunstwerk aus Eisenguss stammt aus der Bauzeit des Schlosses Söder, wo es in einem Bildstock stand. Unter der Madonna sind das Motto Sub tuum praesidium (Unter deinen Schutz und Schirm) und die Wappen von Jobst Edmund von Brabeck, dem Erbauer von Schloss Söder, und seiner Frau Maria Felizitas Freifrau von Kerckerinck dargestellt.
Gedenktafel für die Danziger Märtyrer
Eine Gedenktafel in der Kapelle erinnert an elf Geistliche aus dem Bistum Danzig, die zwischen 1939 und 1944 Opfer der nationalsozialistischen Diktatur wurden und eines gewaltsamen Todes starben. Es waren die Pfarrer Dekan Johannes Aeltermann, Bruno Binnebesel, Ernst Karbaum, Bronisław Komorowski, Franciszek Rogaczewski, Bernhard von Wiecki und Robert Wohlfeil; die Vikare Walter Hoeft und Jerzy Majewski und die Geistlichen Religionslehrer Marian Górecki und Władysław Szymanski. Sieben von ihnen starben in den Konzentrationslagern Dachau, Sachsenhausen und Stutthof. Die Priester Górecki, Komorowski und Rogaczewski wurden am 13. Juni 1999 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.
Literatur
- Franz Josef Wothe: Marienkapelle zu Söder. Hildesheim 1986.
- Claus Gottschalck: Die Strahlen-Madonna aus Söder. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart. Jahrbuch des Vereins für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim, 62. Jahrgang, Hildesheim 1994, ISBN 3-89543-030-7, S. 245–258.
Weblinks
- St. Marien, Söder. Pfarrgemeinde St. Hubertus Wohldenberg.
- Gründung und Aufhebung der Pfarrei Söder. ( vom 17. Dezember 2013 im Internet Archive) Verein für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim e. V., 12. Juni 2008
Einzelnachweise
- ↑ Franz Josef Wothe: Das Söderlied. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart. Jahrbuch des Vereins für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim, 62. Jahrgang, Hildesheim 1994, ISBN 3-89543-030-7, S. 249.
Koordinaten: 52° 3′ 25,7″ N, 10° 5′ 39,6″ O