Marie von Deschwanden
Marie von Deschwanden (* 27. Juli 1830 in Stans; † 18. Januar 1890 in Stans) war eine Schweizer Lehrerin, Wohltäterin, Schulleiterin und Wegbereiterin der Mädchenschulen im Kanton Nidwalden.
Leben
Kindheit und Ausbildung
Marie von Deschwanden war die älteste Tochter von Melchior von Deschwanden (1800–1885) und seiner ersten Frau Katharina, geborene Keiser.[1] Der Vater war ein führender liberaler Politiker und gehörte zu den Gründern der Knabensekundarschule in Stans[2] und der ersten Bank im Kanton, der Ersparniskasse Nidwalden. Marie stammte aus einer wohlhabenden Familie, der das Engagement für die Gesellschaft wichtig war.[3]
Marie von Deschwanden besuchte ab 1846 das Mädchenpensionat Villingen im Grossherzogtum Baden und trat anschliessend in die Kongregation der Lehrschwestern vom Heiligen Kreuz in Menzingen ein.
Berufsleben
Von Deschwanden lehrte in den Kantonen Schwyz, St. Gallen und Zug, bevor sie den Orden krankheitsbedingt verlassen musste. Von 1859 bis 1863 wirkte sie als Lehrerin an der von ihren inzwischen verstorbenen Tanten Louise und Josefa von Deschwanden 1853 gegründeten Anstalt für arme Mädchen in Wolfenschiessen[4]. Die ledige Marie lehrte ausserdem unentgeltlich an der dortigen Mädchenarbeitsschule. 1863 zog die Mädchenanstalt nach Kerns um, wo von Deschwanden bis zu ihrem Rücktritt 1868 als Lehrerin tätig war.
Zurückgekehrt ins Elternhaus, unterrichtete Marie von Deschwanden zuerst Privatschülerinnen, bis sie 1871 zusammen mit ihrem Vater die erste Mädchensekundarschule in Stans gründete. Bis dahin hatten die Mädchen nach der Primarschule nur die Möglichkeit gehabt, sogenannte Arbeitsschulen zu besuchen, wo sie Handarbeit und Haushaltsführung lernten. Von Deschwanden leitete die Sekundarschule für Mädchen und arbeitete dort bis zu ihrer Pensionierung im April 1885 auch als Lehrerin. Dabei bildete sie 170 Schülerinnen aus fast allen Gemeinden des Kantons aus. Ihr Lohn aus vierzehn Jahren Lehrtätigkeit kam dem Schulfonds der Mädchensekundarschule zugute, was deren Weiterbestehen sicherte.[4]
Künstlerin
Zwischen 1871 und 1877 veröffentlichte Marie von Deschwanden einige religiöse Gedichte in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften. In den letzten fünf Lebensjahren pflegte sie Angehörige und stellte in kunstvoller Handarbeit Paramente für Kirchen und Kapellen her.[1]
Weblinks
- Deschwanden-Chronik, Bd. 2, ca. 1900, S. 190–204, Staatsarchiv Nidwalden, Stans, Familienarchiv Deschwanden
Einzelnachweise
- ↑ a b Karin Schleifer: Marie von Deschwanden. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), 20. Dezember 2022, abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ † Fräulein Marie von Deschwanden. In: Nidwaldner Volksblatt. 25. Januar 1890, archiviert vom am 15. Juni 2024; abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ Karin Schleifer: Marie von Deschwanden. In: hommage2021.ch. 2021, abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ a b Wie einer Gemeinde und ihren Armen durch vier D geholfen wurde. In: Nidwaldner Kalender. Band 70, 1929, S. 51, doi:10.5169/seals-1008076 (online [abgerufen am 13. Januar 2026]).