Marie Starke

Marie Starke (* 1814 in Parchem; † nach 1848) war eine deutsche Frauenrechtlerin.

Leben

Marie Starke war mit August Starke verheiratet, hatte einen Sohn und lebte in Hamburg in der Straße Zeughausmarkt 14. August Starke war Tapezierer, Marie Starke Hausfrau und die bescheidene Wohnung bestand aus Stube, Kammer, Kochstelle und Diele.[1]

Ab 1847 wurde Marie Starke polizeilich erfasst. Über ihre Tätigkeit in der Freien Gemeinde wurden Verhörprotokolle und Beobachtungsberichte angefertigt. Die Freie Gemeinde war in Hamburg im Zuge der bürgerlichen Revolution gegründet worden. Dort waren im Unterschied zu den Arbeiterbildungsvereinen nicht nur Männer, sondern auch Frauen berechtigt, mitzureden. In den freireligiösen Gemeinden gab es keine Prediger und keine liturgischen Handlungen, dafür trafen sich die Mitglieder zu Versammlungen, Vortrags- und Diskussionsabenden und Ausflügen. Sie fühlten sich der Arbeiterklasse zugehörig und galten als radikal. Aus diesem Grund bespitzelte die Polizei die Veranstaltungen und so geriet Marie Starke ins Visier der Polizei, da sie dort häufig das Wort ergriff.[1]

Ihre Motivation zur politischen Tätigkeit ist nicht mehr nachvollziehbar, jedoch hinterfragte Marie Starke das gesellschaftliche Rollenverständnis von Frauen. Die Freie Gemeinde gründete auf ihre Initiative einen Frauenbildungsverein und dieser traf sich einmal wöchentlich am Alten Wall 70. Dies war das Wohnhaus des jüdischen Kaufmanns Dormitzer und seiner Frau. Beide waren ebenfalls Mitglieder der Freien Gemeinde. In dem Haus stand den Frauen auch eine Bibliothek mit ausgewählten humanistisch-sozialistischen Schriften zur Verfügung.[1]

Die Themen, die Marie Starke vertrat, war die Befürwortung der Liebesheirat im Gegensatz zur zu der Zeit zumeist praktizierten Konvenienzehe. Sie setzte sich für eine Heiratsmöglichkeit ohne kirchlichen Einfluss ein und für bessere Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten für Frauen. Sie vertrat auch die Idee, die Gewinnspanne von Unternehmen dadurch zu umgehen, dass die Gemeinde Rohstoffe einkaufen solle, um Arbeiterinnen Produktionsmöglichkeiten zu ermöglichen, die ihnen dann höhere Löhne einbringen würden. Ihre Ideen fanden durchaus Anklang und die Freie Gemeinde bekam immer mehr Zulauf.[1]

Am 28. November 1847 kam es zu einem Tumult. Auf einer Versammlung der Freien Gemeinde in der Tonhalle waren etwa 1000 Zuhörer erschienen und Marie Starke hielt in Hut und Mantel eine Rede. Im Polizeibericht wurde festgehalten: „Man bedürfe, um gut zu sein, keiner positiven Religion. (...) Die Religion müsse aufhören, da durch sie der Haß in dessen Folge der Krieg, also Unglück in die Welt gekommen sei. An Stelle der Religion müsse die Humanität treten. (...)“. Der Vortrag wurde von einem Mann mit dem Zwischenruf unterbrochen, dass diese Aussage zu arg wäre und nicht geduldet werden dürfe. Der Sprecher, ein Mann mit Namen Häbenet, sei daraufhin hinausgeschoben worden. Marie Starke wurde daraufhin zu einem Verhör vorgeladen und gab dort zu Protokoll: „Sie messe der Taufe keinerlei Bedeutung bei. (...) Hätte man sie nicht als Kind getauft, würde sie bei freier Wahl gewiß nicht die christliche Religion annehmen. Ihrem jetzt siebenjährigen Sohn habe sie bis jetzt keinen religiösen Unterricht geben lassen, sie glaube auch, daß ihr Sohn denselben entbehren könne, da die Religion keinen Einfluß auf die Moral habe. (...) Eine religiöse Sanktion der Ehe sehe sie als völlig überflüssig an und halte sie das Institut der Civilehe für das richtige“. Sie gab zum Tumult in der Tonhalle an, dass sie eine absichtliche Störaktion vermute.[1]

Nach diesem Vorfall wurde die Arbeit der Freien Gemeinde eingeschränkt. Es gab kein direktes Verbot durch den Senat, doch wurden die Gründer der Freien Gemeinde, dem aus Leipzig stammenden Karl Kleinpaul, der sich seit einigen Jahren als Schriftsteller und Publizist in Hamburg aufhielt und dem Danziger Commis Fischel nach der Revolution 1848 die Aufenthaltsgenehmigungen für Hamburg entzogen. Sie mussten Hamburg verlassen und dies war das Ende der Freien Gemeinde.[1]

Marie Starke emigrierte mit ihrem Mann August nach London. Dort schloss er sich dem Bund der Kommunisten an. Danach gibt es keine weiteren Informationen zum Ehepaar Starke.[1]

In Hamburg wurde Marie Starke mit einem Frauenort geehrt.[1]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Marie Starke auf Hamburg-Frauenbiografien.de, abgerufen am 25. Oktober 2025