Marie Simm-Mayer
Marie Simm-Mayer (geb. Mayer) (* 8. Juni 1851 in Meran oder in Bozen; † 25. Oktober 1912 in München) war eine österreichische Genre- und Porträtmalerin.
Leben
Leben und künstlerische Ausbildung
Marie Mayer wurde als Tochter des Deutschordensrentmeisters Franz Mayer geboren. Die künstlerische Veranlagung erbte sie von ihrem Großvater, einem Landrichter in Lana bei Meran, der in seinen Mußestunden Miniaturmalerei betrieb. Diese künstlerische Tradition wurde durch die Unterrichtung bei der Blumenmalerin Therese Weber systematisch kultiviert.
Ihr erstes öffentliches Auftreten als Künstlerin markierte die Wiener Weltausstellung 1873, wo sie als botanische Künstlerin erstmals Beachtung fand. Trotz der damaligen Widerstände gegen die künstlerische Ausbildung von Frauen gelang es ihr, in der Schule von Ludwig Löfftz aufgenommen zu werden. Parallel dazu erhielt sie Unterricht vom Tiroler Historienmaler Franz Defregger.
Italienische Jahre und künstlerische Reifung
Die Qualität ihrer psychisch differenzierten Frauenbildnisse und sensibel gemalten Kinderköpfchen führte zu einer Studienreise nach Rom. Dort geriet sie unter den künstlerischen Einfluss von Anselm Feuerbach, noch stärker aber unter denjenigen des Wiener Historienmalers Franz Xaver Simm, mit dem sie sich in Italien verlobte; die Eheschließung erfolgte 1881.
Die Hochzeitsreise führte das Künstlerpaar nach Tiflis, wo ihnen ein bedeutender Auftrag zuteilwurde: monumentale Wandgemälde im Treppenhaus des kaukasischen Museums (siehe Staatliches Simon-Dschanaschia-Museum Georgien). Marie Simm-Mayer arbeitete hier nicht nur als assistierende Gattin, sondern als gleichberechtigte Künstlerin an der Ausmalung mit. Sie wählte für die historischen Fresken Sujets aus der antiken Mythologie und der georgischen Geschichte. Unter ihren Werken befanden sich die Argonautenfahrt, Jasons Ankunft mit Medea im Tempel der Hekate sowie eine dominierende Amazonengruppe als siegreich prangender Reiterverband. Der geprägte Prometheus, von den Okeaniden getröstet, verkörperte das Leiden und die menschliche Würde. Auch die Pflanzung der Reben durch Noah am Fuße des Ararat fand künstlerische Gestaltung. Selbständig in Kaseintechnik führte sie zudem die historischen Figuren des georgischen Königs David II. und seiner Gattin Tamara aus, dabei sich auf verwitterte Wandbilder des Galattiklosters stützend.
Aufträge und internationales Ansehen
Einen weiteren bedeutenden Auftrag vermittelte die rumänische Dichterin Carmen Sylva (Elisabeth zu Wied) für die Bibliothek des Schlosses Peleș in Sinaia König Carols von Rumänien. Nach einer Etappe in Wien ließ sich das Künstlerpaar schließlich in München nieder, wo Marie Simm-Mayer ihre künstlerische Tätigkeit fortsetzte. Ein großes Diorama für den Krystallpalast in Leipzig war ein weiteres Projekt ihrer Beteiligung.
Münchner Periode und eigenes Schaffen
In München wohnte das Künstlerpaar in einem eigenen Landhaus in Schwabing. Trotz ihrer Mutteraufgaben – das Paar hatte mehrere Kinder – fand Marie Simm-Mayer Zeit für eigenständige künstlerische Arbeiten. Sie schuf virtuous gestaltete Porträts, darunter das des Augsburger Bischofs Pankratius von Dinkel sowie eine Reihe prachtvoll kolorierter Frauenkopfstudien wie die Dame mit breitem Hut und Dame in Weiß. Auch orientalisierende Sujets wie das Tatarenmädchen entstanden in dieser Phase. Daneben entstanden intime Genreszenen – eine junge Frau am Teetisch sinnend und Kinderköpfchen.
Ein bedeutungsvolles Projekt war die Kopie von Franz Defreggers großem Gemälde Die Sensenschmiede im Tiroler Aufstande 1809 aus der Dresdener Galerie für das Ferdinandeum in Innsbruck, womit sie ihre Verbundenheit mit der Tiroler Kunsttradition bekundete.
Marie Simm-Mayer wurde auf dem Nordfriedhof in München beigesetzt.[1]
Ausstellungen (Auswahl)
- 1873: Wiener Weltausstellung.
- 1883: Internationale Kunstausstellung im Glaspalast in München.
- 1886: Jahresausstellung in Wien.
- 1888: Internationale Jubiläums-Kunstausstellung in Wien.
- 1888: Dritte Internationale Kunstausstellung Münchener Jubiläums-Ausstellung.
- 1889: Münchener Jahresausstellung von Kunstwerken aller Nationen im Glaspalast.
- 1892: Internationale Kunstausstellung im Königlichen Glaspalast zu München.
- 1893: Münchener Jahresausstellung.
- 1894: Große Berliner Kunstausstellung.
- 1895: Hamburger Kunstausstellung.
- 1895: Akademischen Kunst-Ausstellung in Dresden.
- 1895: Wiener Jahresausstellung.
- 1895: Münchener Jahresausstellung.
- 1896: Berliner internationale Kunstausstellung.
- 1897: Münchener internationale Kunstausstellung.
- 1899: Münchener Jahresausstellung.
Werke (Auswahl)
- Bäuerin aus Cervara bei Tivoli. 1883.
- Mutterfreude; Mönch. 1886.
- Tatarenmädchen. 1887.
- In Andacht. 1888.
- Geheime Botschaft. 1888.
- Im Gebet. 1888.
- Huckepack. 1889.
- Stubenmädchen. 1892.
- Der Dritte im Bunde. 1895.
- Erinnerungen. 1896.
- Am Theetisch. 1897.
- Beim Tischdecken. 1899.
- Dame in Weiß. 1905.
Literatur
- Marie Simm-Mayer. In: Anton Bettelheim (Hrsg.): Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog, Band 17. 1912. Berlin, 1915. S. 88–89 (Digitalisat).
- Marie Simm-Mayer. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004). S. 279 (Digitalisat).
- Marie Simm-Mayer. In: Deutsche Biographische Enzyklopädie, Band 9. München, 2008. S. 457 (Digitalisat).
Weblinks
- Marie Simm-Mayer. In: Indexeintrag: Deutsche Biographie.
Einzelnachweise
- ↑ Gerhard Willhalm: Grab von Marie Simm-Mayer auf dem Nordfriedhof. Abgerufen am 29. Dezember 2025.