Marie Kortmann
Marie Kortmann (* 20. Mai 1851 in Hamburg; gestorben 16. Oktober 1937 ebenda) war eine deutsche Pädagogin, Schulleiterin und Frauenrechtlerin.
Leben
Marie Kortmann wurde am 20. Mai 1851 in Hamburg geboren. Sie war die Tochter von Wilhelm Kortmann, der aus Dortmund stammte und Pauline Kortmann, geborene Capelle, die aus Hannover nach Hamburg gezogen war. Pauline Kortmann war die Schwester von Emilie Wüstenfeld. Bereits durch ihre Mutter waren Pauline Kortmann und Emilie Wüstenfeld stark geprägt. Sie hatten eine umfangreiche Ausbildung genossen, dies sowohl an einer Bürgerschule und ergänzt durch Privatunterricht in den Fächern Zeichnen, Musik und Fremdsprachen. Zudem hatte ihre Mutter großes Gewicht auf soziales Engagement und die Beherrschung aller Haushaltsgeschäfte gelegt. Dies lebten die Schwestern weiter und übertrugen es auch auf ihre Kinder.[1] So erhielt auch Marie Kortmann eine gute Ausbildung, die sie befähigte, mit 17 Jahren an der 1867 von ihrer Tante Emilie Wüstenfeld gegründeten Gewerbeschule für Mädchen zu unterrichten. Neben den Werten ihrer Tante brachte sie dort auch ihre persönlichen Fähigkeiten ein und sie nutzte ihr Zeichentalent und ihre musikalische Begabung, um an der Gewerbeschule und später auch an privaten Mädchenschulen Kunstunterricht zu geben. Mit ihren Schülerinnen besuchte sie Führungen von Alfred Lichtwark und Anna Wohlwill in der Hamburger Kunsthalle. Kortmann beteiligte sich an den „Jahrbüchern der Gesellschaft Hamburgischer Kunstfreunde“ künstlerisch mit Zeichnungen.[2]
Nachdem die Ortsgruppe Hamburg des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins eine Abteilung für Frauenbildung geschaffen hatte, war Marie Kortmann eine der Mitarbeiterinnen und von 1898 bis zu ihrer Ablösung im Jahre 1907 die Leiterin. Die Abteilung hatte sich die Verbesserung und Erweiterung des Mädchenbildungswesens zum Ziel gesetzt. So gelang ihr an hamburgischen Privatschulen die Einführung des Unterrichts in Hygiene, Pädagogik und Grundzügen der Volkswirtschaftslehre. Jedoch konnten sie bei der Schulbehörde die Einführung von Latein- und Mathematikkursen zur ersten Vorbereitung auf die Oberlehrerinnenprüfung nicht erreichen. So richtete die Abteilung für Frauenbildung selbst diese Kurse aus. Sie engagierte sich zudem für die Einführung der staatlichen Mädchenfortbildungsschule und versuchte, den Staat dazu zu bewegen, Haushaltsschulen mit Tages- und Abendkursen für Volksschulmädchen einzurichten. Da dieser Plan aussichtslos war, eröffnete die Abteilung für Frauenbildung 1898 die erste Haushaltungsschule in der Sachsenstraße, der bald darauf eine weitere in Eimsbüttel folgte.[2]
Die Abteilung für Frauenbildung regte die Gründung von Gymnasialklassen für Mädchen an. Da sie diese nicht selbst einrichten konnten, gründete die Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins mit dem „Hamburgischen Verein zur Förderung von Frauenbildung und Frauenstudium“ einen Zweigverein. Dieser Verein wurde 1900 mit 50 Mitgliedern unter dem Vorsitz von Marie Kortmann gegründet. Mit Hilfe des Vereins sorgte Marie Kortmann für die Gründung eines Realgymnasiums für Mädchen. Die erste Obertertia mit 22 Schülerinnen konnte zu Ostern 1901 eröffnet werden. Im folgenden Jahr folgte die Weiterführung der Klassen nach dem Lehrplan des Realgymnasiums. Die ehrenamtliche Leitung übernahm Professor Gustav Wendt. Die Schule entwickelte sich zunächst zu einer fünf-, später sechsstufigen Schule und wurde 1917 in ein humanistisches Gymnasium umgewandelt. Die Gelder für die Schule zu beschaffen, fiel in den Aufgabenbereich von Marie Kortmann. Der Senat und die Bürgerschaft bewilligten der Schule 1904 für drei Jahre 5.000 Mark. Die Gelder reichten jedoch nicht aus und als sie zu Ostern 1906 durch den zu der Zeit amtierenden Schulrat Schober erfuhren, dass die Zeit für einen weiteren Zuschuss günstig sei, stellten die wenigen nicht verreisten Damen im Vorstand einen Antrag über 15.000 Mark. Darüber erschrak zwar der Vorstand, doch die Gelder wurden der Schule bewilligt.[2]
Über ihr Engagement schrieb eine Hamburger Zeitung zum siebzigsten Geburtstag von Marie Kortmann:
„Sie wirkte an der Gründung des Hamburger Mädchen-Gymnasiums mit und wurde die treu sorgende Hausmutter desselben. All den verschiedenen Jahrgängen Hamburger Studentinnen, die in dem trefflichen Lehrinstitut zum Abitur geführt wurden, wird die Liebe und Hingebung von Marie Kortmann unvergesslich bleiben, mit der es ihr gelungen war, die Anstalt unter anfangs recht schwierigen Verhältnissen mit den notwendigen Lehrmitteln auszurüsten und ihr stets ein angenehmes, heimisches Gepräge zu verleihen.“
Kortmann war, wie ihre Mutter, lange Zeit für den „Frauenverein zur Unterstützung der Armenpflege“ tätig und wurde 1914 die Vorsitzende des Vereins.[2]
Marie Kortmann blieb unverheiratet und lebte mit Hanna Glinzer und ihrer Schwester Dora, die ebenfalls unverheiratet blieben, zusammen im Juratenweg 4. Dort führte Dora Glinzer für ihre Schwester Hanna und Marie Kortmann den gemeinsamen Haushalt.[2]
Die Biografie „Emilie Wüstenfeld. Eine Hamburger Bürgerin.“ schrieb Marie Kortmann im Alter von 76 Jahren über ihre Tante.[2]
Marie Kortmann starb am 16. Oktober 1937.
Ehrungen
- Für Marie Kortmann wurde ein Frauenort in Hamburg eingerichtet.[2]
- Ihr historischer Grabstein befindet sich im Garten der Frauen auf dem Friedhof Ohlsdorf.[3]
Einzelnachweise
- ↑ Wayback Machine. (PDF) In: hamburg.de. Abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ a b c d e f g Marie Kortmann – Biografien-Datenbank: Frauen aus Hamburg. In: hamburg-frauenbiografien.de. Abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ Marie Kortmann. In: garten-der-frauen.de. 2024, abgerufen am 28. September 2025.