Marie Gudme Leth
Marie Gudme Leth (* 5. Oktober 1895 in Aarhus; † 17. Dezember 1997 in Frederiksberg) war eine dänische Stoffdruckerin und Textilkünstlerin, die als Vorreiterin des dänischen Stoffdrucks gilt.[1] Ihr Lebenswerk wird im dänischen Kulturkanon im Bereich Design und Kunsthandwerk geführt.[2]
Leben
Leth wuchs in Aarhus auf und entwickelte ihr Zeichentalent zunächst an der Technischen Schule, bevor sie an der Tegne- og Kunstindustriskolen for Kvinder in Kopenhagen studierte und anschließend einige Semester an der Kunstakademie absolvierte.[1] Von 1921 bis 1924 hielt sie sich bei ihrer Schwester auf Java auf; nach der Rückkehr nach Dänemark begann sie, mit Stoffdruck zu experimentieren.[1] Im Jahr 1930 studierte sie an der Kunstgewerbeschule in Frankfurt am Main Stoffdruck und führte noch im selben Jahr auf Anregung die Stoffdruckausbildung an der neu gegründeten Kunsthåndværkerskole von Det tekniske Selskab in Kopenhagen ein, deren Stoffdruckklasse sie bis 1948 leitete.[1] 1934 heiratete sie den Kopenhagener Stadtbaumeister August Høyer Leth.[1] 1935 richtete sie in Kopenhagen einen Stoffdruckbetrieb ein und richtete 1941 ein eigenes Werkstattatelier ein.[1] Sie starb 1997 im Alter von 102 Jahren in Frederiksberg.[1]
Wirken
In ihren frühen, meist einfarbigen Blockdrucken der 1920er-Jahre prägte Leth eine klare, von Natur- und Reiseeindrücken inspirierte Bildsprache; frühe Motive sind etwa Jagten, Urskov und Mexico.[1] Mit der Film-/Siebdrucktechnik führte sie die Sprache des Blockdrucks in großformatigen Rapporten weiter und schuf unter anderem das Motiv Orkidé sowie naturalistische Blumenserien auf der Basis von Feld- und Gartenflora.[2] Zugleich machte sie den Stoffdruck mit der Silketryk-Technik für eine stärker industrialisierte Fertigung zugänglich.[3] Ab den 1950er-Jahren wandte sie sich zunehmend geometrischen Kompositionen und einer erweiterten, nuancenreichen Farbskala zu.[2] In den 1930er-Jahren prägte sie die von Magasin BO eingeführte neue Wohnstilistik; ihre Stoffe wurden dort (später Illums Bolighus) erfolgreich vertrieben.[2] Für ihr Werk erhielt sie Goldmedaillen auf der Weltausstellung in Paris 1937 und der Triennale di Milano 1951 sowie 1955 das Stipendium Tagea Brandts Rejselegat.[2] Ihr Muster Kirsebær (1946) gilt als ikonisches Beispiel ihrer naturinspirierten Drucke.[4] Hervorzuheben sind auch Have (1941) und Perlehøne (1941).[5] Ihre Bedeutung für das dänische Design wird bis in die Gegenwart durch Ausstellungen wie Trykkraft. Dansk stoftryk i 100 år (Designmuseum Danmark, 2025/2026) unterstrichen.[6] Leth gilt als Schlüsselfigur der dänischen Designgeschichte; ihr Muster Kirsebær (1946) gilt als Designikone und ihr Lebenswerk ist Teil des dänischen Kulturkanons.[7][8]
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h Marie Gudme Leth. In: lex.dk. 22. April 2023, abgerufen am 13. Januar 2026 (dänisch).
- ↑ a b c d e Marie Gudme Leth. In: lex.dk. 13. Juli 2012, abgerufen am 13. Januar 2026 (dänisch).
- ↑ Marie Gudme Leth. In: lex.dk. 7. Mai 2020, abgerufen am 13. Januar 2026 (dänisch).
- ↑ Design Fortællinger – Marie Gudme Leth. In: designmuseum.dk. Abgerufen am 13. Januar 2026 (dänisch).
- ↑ Hun blev 102 år gammel. Røg som en skorsten og var rap i replikken. Og så sørgede hun for, at stoftryk blev en del af den danske designskat. In: Politiken. 6. November 2021, abgerufen am 13. Januar 2026 (dänisch).
- ↑ The Power of Print (Press Room). In: designmuseum.dk. Abgerufen am 13. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Fagbog udpeger 101 danske designikoner. Kun 12 af værkerne er skabt af kvinder. In: Politiken. 1. November 2020, abgerufen am 13. Januar 2026 (dänisch).
- ↑ De 108 værker i kulturkanonen. In: Politiken. 24. Januar 2006, abgerufen am 13. Januar 2026 (dänisch).