Marie-Louise Puech
Marie-Louise Puech (geboren als Marie-Louise Milhau am 6. Juli 1876 in Castres; gestorben am 21. April 1966 ebenda) war eine französische Feministin und Pazifistin.
Leben
Marie-Louise Milhau wurde am 6. Juli 1876 in Castres in einer protestantischen Bürgerfamilie geboren. Sie lernte Deutsch bei ihrer Gouvernante. Nachdem sie 1900 zum vierten Mal die Agrégation in Deutsch nicht bestanden hatte, ging sie nach Kanada, wo sie acht Jahre lang als Professorin für französische Literatur an der McGill University in Montreal tätig war.[1] Während dieses prägenden und grundlegenden Aufenthalts legte Marie-Louise Milhau den Grundstein für ihre internationalistischen, pazifistischen und feministischen Ideen. 1908 kehrte sie nach Paris zurück und heiratete Jules Puech[2], damals Mitglied der Ligue des Droits de l’Homme (Liga für Menschenrechte).[3]
Das Ehepaar hielt über die von Théodore Ruyssen[4] herausgegebene Zeitschrift La Paix par le Droit[5] (Frieden durch Recht) Kontakte zu Pazifisten in der ganzen Welt aufrecht.[1] Während des Ersten Weltkriegs – Jules war eingezogen – übernahm sie die Leitung der Paix de la droit und verlegte den Sitz nach Paris, wo die Zensur nicht so drückend war wie in Nîmes.[6] Daneben engagierte sich als Marraine de guerre[A 1] (Kriegspatin) in Vereinen wie dem Comité des dames de l’orphelinat de l’armée de terre (Komitee der Damen des Waisenhauses der Landstreitkräfte), dem Secours national (Nationale Hilfe) und protestantischen Wohltätigkeitsorganisationen.[1]
Ihre Beziehungen zu diesen Wohltätigkeitsorganisationen ermöglichten es ihr, Kontakte zu Feministinnen wie Jeanne Mélin oder Marguerite de Witt-Schlumberger, der Vorsitzenden der Union française pour le suffrage des femmes (Französische Union für das Frauenwahlrecht), zu knüpfen. 1917 trat Marie-Louise Puech dem Conseil national des femmes françaises (Nationaler Rat der französischen Frauen) unter dem Vorsitz von Julie Siegfried bei. 1920 wurde Marie-Louise Puech Generalsekretärin und später Präsidentin der Union féminine pour la Société des Nations (Frauenunion für den Völkerbund).[7] Sie war auch für die Fédération internationale des femmes diplômées des universités (Internationaler Verband der Hochschulabsolventinnen) und den Internationalen Frauenrat tätig.[1]
Während des Zweiten Weltkriegs verwandelte sie ihr Anwesen in Castres in eine Rettungsstation, in der sie ausländische Studentinnen und Akademikerinnen aufnahm, die vom deutschen Regime bedroht waren. Diese Tätigkeit wurde insbesondere vom Bildungsausschuss der Frauenunion für den Völkerbund finanziell unterstützt.
Literatur
- Sylvie Chaperon, Christine Bard: Dictionnaire des féministes. France – XVIIIe–XXIe siècle. Humensis, 2017, ISBN 978-2-13-078720-4, S. 1184 f.
- Rémy Cazals: Marie-Louise Puech, Jules L. Puech: Saleté de guerre! correspondance 1915–1916. Éditions Ampelos, 2015, ISBN 978-2-35618-096-4.
- Rémy Cazals: Marie-Louise Puech pacifisme, féminisme, résistance. Éditions Ampelos, 2024, ISBN 978-2-35618-264-7.
- Rémy Cazals: Marie-Louise Puech-Milhau (1876-1966). In: Femmes Diplômées. 2021 (persee.fr).
Weblinks
- Marie-Louise Puech. In: Women in Peace. (englisch).
- Rémy Cazals: Puech-Milhau, Marie-Louise (1876-1966). In: Témoignages de 1914–1918. 2015 (französisch).
- Angaben zu Marie-Louise Puech in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
Anmerkungen
- ↑ Der Ausdruck „Kriegspatin“ bezeichnet Frauen oder junge Mädchen, die während des Ersten Weltkriegs Briefe mit Soldaten an der Front austauschten, um sie moralisch, psychologisch und sogar emotional zu unterstützen.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Siehe Literaturliste Chaperon, Bard 2017
- ↑ Angaben zu Jules-Louis Puech in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Marie Louise et Jules Puech. In: Ampelos. 2016, abgerufen am 11. November 2025 (französisch).
- ↑ Théodore Ruyssen. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- ↑ Angaben zu Marie-Louise Puech in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Rémy Cazals: Comment tromper la censure. Correspondance 1915-1916 de Jules et Marie-Louise Puech. In: Cahiers d’Études Germaniques. 2016, S. 151–157, doi:10.4000/ceg.672.
- ↑ Jean-Marc Delaunay, Yves Denéchère, Christian Birebent: Femmes et relations internationales au XXe siècle. Presses Sorbonne nouvelle, 2006, ISBN 978-2-87854-390-2, S. 255–266 (google.de).