Marie-Emmanuelle Bayon Louis

Marie-Emmanuelle Bayon Louis (* 6. Juni 1745[1] in Marcei, Département Orne; † 29. März 1825 Aubevoye, Département Eure) war eine französische Cembalistin, Klavierlehrerin, Komponistin, Pianistin, Salonnière und Sängerin. Sie komponierte Kammermusik, Opern und Werke für Clavecin (Cembalo) und Gesang.

Leben und Wirken

Bayon wuchs vermutlich in der Nähe von Paris auf und erhielt eine Gesangsausbildung. Da sie ihre Sonaten Opus 1 der Mme la Marquise de Langeron mit dankenden Worten für die „vielen Wohltaten, die mir seit meiner frühesten Kindheit zuteil wurden“ widmete, könnte sie durch diese bei ihrer musikalischen Ausbildung gefördert worden sein. Denis Diderot, Philosoph und Enzyklopädist, ließ seine Tochter Marie-Angélique (1753–1824) von ihr im Cembalospiel unterrichten.[2] Er schrieb über sie, dass sie wie ein Engel spiele und ihre Seele in ihren Fingerspitzen liege.

Bayons signierte nach ihrer Heirat ihre Werke mit „Mme Louis“ oder „Bayon-Louis“. Im August 1776 wurde ihre zweiaktige komische Oper Fleur d’Épine mit einem Libretto von Claude-Henri de Voisenon im Théâtre-Italien uraufgeführt. Als Gastgeberin angesehener literarischer und künstlerischer Salons in Bordeaux und Paris trug Bayon-Louis maßgeblich zur Popularität des Hammerklaviers in Frankreich bei. Neben ihren Kompositionen verfasste sie Lehrbücher zur Klaviertechnik und den Grundlagen der Begleitung.[3] Ihr Klavierspiel, ihr Gesang und ihre Kompositionen genossen ab den 1760er Jahren Anerkennung in den Pariser intellektuellen und künstlerischen Kreisen. So gehörte sie im Winter 1767 zu den Stammgästen im Salon der etwa gleichaltrigen Madame Félicité de Genlis, die zu den bedeutendsten Literaten des Jahrhunderts zählte. Madame de Genlis erzählte in ihren Memoiren über die Saison 1767 von einer komischen Oper mit Musik, die Fräulein Baillon selbst komponiert hatte und die mit Texten von Louis-Édme Billardon de Sauvigny aufgeführt wurde.[4]

Ihre musikalischen Hauptwerke stellen eine Reihe von sechs Sonaten für Cembalo oder Hammerklavier dar. Nach dem Tod ihres Mannes wurde sie im Almanach des Spectacles für 1801 erwähnt, was auf eine weitere musikalische Tätigkeit in Paris schließen lässt. Sie starb 1825 in Aubevoye.[5]

Familie

Am 20. Juni 1770 heiratete Bayon den Architekten Victor Louis (1731–1800),[6] den Erbauer des Theaters in Bordeaux. Das Paar hatte eine Tochter.[7]

  • Marie-Hélène-Victoire Louis (1774 – 21. Januar 1848).

Werke (Auswahl)

Bayon veröffentlichte sechs Klaviersonaten, davon drei mit Violinenbegleitung sowie Arien und Arietten.

  • Six sonates pour le Clavecin ou le piano forte dont trois avec accompagnement de violon obligé. Op. 1, Paris 1769.
  • Fleur d’Épine. Opéra-comique, 2 Akte, Paris 1776.
  • Bearbeitungen für Tasteninstrumente aus der Oper Fleur d’Épine.

Zu hatte sie Werke komponiert, die unveröffentlicht blieben und verloren gingen. Darunter sollen sich gehören weitere Kammermusikstücke und Opéra comiques und ein Divertissement mit dem Titel La fête de Saint Pierre zu einem Text von Antoine-François Quétant oder François-Antoine Quétant (1733–1823) das 1771 aufgeführt wurde.

Literatur

  • Deborah Hayes: Marie-Emmanuelle Bayon, Later Madame Louis, and Music in Late Eighteenth-Century France. In: College Music Symposium. Band 30, Nr. 1 (Spring, 1990), S. 14–33 (englisch).
  • Bayon, Marie Emmanuelle. In: Julie Anne Sadie, Rhian Samuel: The Norton/Grove Dictionary of Women Composers. W. W. Norton & Company, New York 1994, ISBN 0-393-03487-9, S. 44 (englisch, Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
  • Deborah Hayes: Bayon Louis [née Bayon], Marie Emmanuelle. In: The new Grove dictionary of music and musicians. Band 3: Baxter to Borosini. Oxford University Press, Oxford 2001, ISBN 0-333-60800-3, S. 4, doi:10.1093/gmo/9781561592630.article.42771 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
Commons: Marie-Emmanuelle Bayon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Marie-Emmanuelle Bayon – A Modern Reveal: Songs and Stories of Women Composers. In: amodernreveal.com. A Modern Reveal, abgerufen am 25. November 2025 (amerikanisches Englisch).
  2. Marie-Emmanuelle Bayon. A Modern Reveal: Songs and Stories of Women Composers, abgerufen am 26. Januar 2025 (amerikanisches Englisch).
  3. Pamela Youngdahl Dees: A guide to piano music by women composers. Greenwood Press, Westport, Conn. 2002, ISBN 0-313-31989-8, S. 18–19 (englisch, Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
  4. Deborah Hayes: Marie-Emmanuelle Bayon, Later Madame Louis, and Music in Late Eighteenth-Century France 1. Oktober 1990 s.music.org (englisch).
  5. Deborah Hayes: Marie-Emmanuelle Bayon, Later Madame Louis, and Music in Late Eighteenth-Century France. In: College Music Symposium. Band 30, Nr. 1, 1990, ISSN 0069-5696, S. 14–33, JSTOR:40373997 (englisch).
  6. Bayon, Baillon, Marie-Emmanuelle, verh. Louis. Sophie Drinker Institut, 2022, abgerufen am 26. Januar 2025.
  7. Victor Louis architecte de Bordeaux au XVIIIe siècle patrimoine-nouvelle-aquitaine.fr (französisch).