Marianen-Flughund

Marianen-Flughund

Marianen-Flughund (Pteropus mariannus)

Systematik
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Familie: Flughunde (Pteropodidae)
Unterfamilie: Pteropodinae
Tribus: Pteropodini
Gattung: Pteropus
Art: Marianen-Flughund
Wissenschaftlicher Name
Pteropus mariannus
Desmarest, 1822

Der Marianen-Flughund (Pteropus mariannus) ist ein hauptsächlich auf den Marianen im westlichen Pazifik verbreitetes Fledertier in der Familie der Flughunde. Das Typusexemplar stammt von der Insel Guam. Die Art wird je nach Abhandlung in einer Artengruppe gelistet, die nach ihr selbst benannt ist oder die den Namen des Grauen Wallacea-Flughundes (Pteropus griseus) trägt.[1][2]

Unterarten und Verbreitung

Es werden drei nicht ausgestorbene Unterarten unterschieden.[1][2]

  • P. m. mariannus, auf den südlichen Marianen im Norden bis Saipan.
  • P. m. paganensis, auf den nördlichen Marianen.
  • P m. ulthiensis, auf dem Atoll Ulithi, der zu den Karolinen zählt. Diese wird manchmal mit dem Yap-Flughund (Pteropus yapensis) von der Insel Yapen zu einer Art zusammengefasst.[3]

Ein mit dem Artzusatz loochoensis beschriebene ausgestorbene Population auf den japanischen Okinawa-Inseln war entweder eine Unterart dieser Art oder eine eigenständige Art.[2]

Merkmale

Die Art ist mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 195 bis 250 mm, einer Unterarmlänge von 135 bis 155 mm und einem Gewicht von 270 bis 575 g ein kleiner bis mittelgroßer Flughund. Ein Schwanz fehlt, die Hinterfüße sind 52 bis 54 mm lang und die Länge der Ohren liegt bei etwa 25 mm. Weibchen sind meist etwas kleiner als Männchen. Es besteht ein deutlicher Kontrast zwischen dem schwarzen Fell mit eingestreuten silbergrauen Haaren des Rückens und dem hell cremefarbenen Mantel aus längeren Haaren um die Schultern. Dieser kann rötliche Tönungen aufweisen oder an den Seiten mehr gelbbraun bis orange sein. Auf dem Kopf und an der Unterseite kommt schwarzbraunes Fell mit einigen grauen Haaren vor. Am Haupt haben viele Haare graue Spitzen, was wie Raureif erscheint. Die Regenbogenhaut der recht großen Augen hat eine braune Farbe. Weitere Kennzeichen sind Ohren, die an der Oberkante zugespitzt sind, schwarzbraune Flughäute, eine schmale Schwanzflughaut an den Innenseiten der Beine und nackte Schienbeine. Der robuste Schädel hat einen markanten Scheitelkamm.[2]

Lebensweise

Dieser Flughund erreicht auf den Marianen auch die höchsten Punkte. Er bewohnt tropische Wälder, die auch trocken sein können. Das Tier verlässt sein Versteck meist nach dem Sonnenuntergang und kommt vor der Morgendämmerung zurück. Die Ruheplätze liegen an Kalksteinklippen, im Bewuchs am Strand, wo die oberen Bereiche der Bäume bevorzugt werden, und in Gebieten mit Mangrove. Es gibt Kolonien mit einem dominanten Männchen und 2 bis 15 Weibchen, Junggesellengruppen, kleine gemischte Gruppen oder einzeln ruhende Tiere. Gelegentlich kommt es am Tage zu kleinen Kletteraktionen, zu kurzen Flügen, zu Paarungen, zur Markierung des Reviers oder zur Fellpflege.[2][3]

Die Nahrung besteht aus Früchten, Blumen und selten Blättern von einheimischen und eingeführten Pflanzen. Im Jahr 2019 waren 45 genutzte Pflanzenarten bekannt. Bei vielen dieser Pflanzen ist der Flughund eine wichtige Voraussetzung zur Verbreitung der Samen. Es können bis zu 12 km zwischen dem Versteck und dem Platz der Nahrungsaufnahme liegen. Gruppen, die zu stark an ihrem Ruheplatz gestört wurden, suchten sich in 0,6 bis 9,5 km Entfernung ein neues Versteck. Die Paarung kann zu allen Jahreszeiten erfolgen. Bei 7 bis 20 Prozent der Weibchen in Kolonien, die einem Harem gleichen, wurde jeden Monat ein Jungtier registriert.[2][3]

Die Marianen sind vulkanisch aktiv, so dass verschiedene Populationen diesen Eruptionen zum Opfer fallen können. Taifune sind in der Region keine Seltenheit, was Tiere, die sich an ungeschützten Stellen befinden, schädigen kann.[3]

Gefährdung

Auf vielen Inseln wird der Marianen-Flughund als Fleischquelle gejagt. So ist er auf Inseln mit großen menschlichen Siedlungen selten geworden. Das hat einen geringeren Konflikt mit Plantagenbesitzern zur Folge. Auf den südlichen Marianen, die stärker von den Vereinigten Staaten beeinflusst sind, gilt seit den 1980er Jahren ein Jagdverbot. Eine weitere Bedrohung stellen eingeführte Paarhufer, Schweine und Ziegen dar, die Jungbäume fressen. Die lichten Wälder sind so anfälliger für Brände. Die eingeschleppte Braune Nachtbaumnatter jagt junge Flughunde. Die vorhandenen Wälder bedecken noch etwa 485 km² des Verbreitungsgebiets. Die IUCN listet die Art als stark gefährdet (endangered).[3]

Einzelnachweise

  1. a b Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. 3. Auflage. 2 Bände. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4 (englisch, Pteropus mariannus).
  2. a b c d e f Wilson, Lacher Jr. & Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. 9 - Bats. Lynx Edicions, 2019, ISBN 978-84-16728-04-6, S. 145–146 (englisch, Pteropus mariannus).
  3. a b c d e Pteropus mariannus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2020. Eingestellt von: Mildenstein, T., 2019. Abgerufen am 5. Dezember 2025.